Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Knock-Out für Indonesiens Klimaschutz: Palmöl- und Papierproduktion soll ausgeweitet werden

Kurz vor dem Treffen des indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono mit der US-amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton wurde bekannt, dass die indonesische Regierung große Flächen an Torfwäldern für die Produktion von Papier und Palmöl freigeben will. Damit könnte Indonesien seine internationalen Verpflichtungen zum Klimaschutz nicht mehr erfüllen. Greenpeace protestierte vor dem Landwirtschaftsministerium in Jakarta.

  • /

Erst Anfang des Jahres 2009 hatte Präsident Yudhoyono sich zur Halbierung der CO2-Emissionen verpflichtet, die durch Indonesiens Brandrodungen entstehen. Doch jetzt scheint der Wahlkampf die Oberhand zu gewinnen: Die Ministerpläne sehen verdächtig danach aus, dass die mächtige indonesische Papier- und Palmöl-Industrie im Wahljahr zufrieden gestellt werden soll - auf Kosten der Umwelt, kritisiert Greenpeace-Waldexpertin Corinna Hölzel.

Greenpeace-Aktivisten vor Ort appellieren mit ihrem Protest auch an Yudhoyono und Clinton, eine Führungsrolle bei den dringend nötigen Reduzierungen der Treibhausgas-Emissionen zu übernehmen. Ein wichtiges Thema auf Clintons Asienreise ist der Klimawandel. Die Aktivisten in Indonesien hoffen deshalb, auch mit ihrer Forderung nach einem internationalen Fonds zur Rettung der Urwälder bei der amerikanischen Regierung Gehör zu finden.

Der Produktion von Palmöl und Papier fallen in Indonesien jedes Jahr rund zwei Millionen Hektar Wald zum Opfer. Zur einfacheren Kultivierung werden die kohlenstoffreichen Torf-Böden, auf denen sie wachsen, gleich mit abgebrannt. Das führt dazu, dass Indonesien den dritten Rang der größten Klimaverschmutzer einnimmt, gleich hinter den USA.

Die hohe Nachfrage nach Papier und Palmöl auch aus Deutschland erhöht den Druck für die Regierung, immer neue Flächen bereit zu stellen. Palmöl ist ein wichtiger Rohstoff für Lebensmittel und Kosmetika. Zunehmend dient es auch als Brennstoff für Fahrzeuge oder zur Strom- und Wärmegewinnung.

Immer mehr Torfwälder, die nicht nur gigantische Mengen an Kohlenstoff speichern, sondern die auch die Heimat für bedrohte Arten wie dem Orang Utan sind, werden unserem Konsum geopfert. Große indonesische und malaysische Konzerne nutzen unseren steigenden Bedarf an Rohstoffen und machen Druck auf die indonesische Regierung, erklärt Hölzel.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Factsheet: Palmöl aus Indonesien

Palmöl steckt in etwa jedem zweiten Produkt, das man im Supermarkt kaufen kann. Das fettige Gold findet sich in zahlreichen Haushalts- und Pflegemitteln, in Seifen und Kerzen. Doch die Produktion dieses Alleskönners hat einen hohen Preis.

Mehr zum Thema

Augen auf den Amazonas

Der Regierungswechsel in Brasilien bringt viel Veränderung – aber nicht zum Guten. Greenpeace-Experte Oliver Salge erläutert die Folgen für Indigene und den Regenwald.

Kontrolle ist besser

Palmöl des Konzerns Wilmar steckt in etlichen Süßigkeiten. In Zukunft will das Unternehmen garantieren können, dass seine Ware nicht aus Regenwaldzerstörung stammt – dank Technik.

Alle Maschinen auf Stopp

Seit Jahren kämpft Greenpeace für den Schutz des Bialowieza-Urwalds in Polen, nun der Erfolg: Der Europäische Gerichtshof entschied, dass die Abholzungen in dem Wald illegal waren.