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Der europäische Holzhandel finanziert Konflikte in Zentralafrika mit

Blutholz aus Afrika

Europäische Holzhändler verdienen seit Jahren am Bürgerkrieg in der Zentralafrikanischen Republik. Dies belegt ein neuer Bericht von Global Witness.

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Der Handel mit Holzwaren aus der Konfliktregion der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) hat jahrelang den blutigen Bürgerkrieg mitfinanziert. Gewalttätige Milizen verkauften die Ware an internationale Holzhändler und beschafften sich von ihren Einnahmen Munition und Waffen. Laut einem Bericht der internationalen Nichtregierungsorganisation Global Witness profitierten auch europäische und besonders deutsche Firmen von diesen Geschäften. Ein Interview mit Kampagnenleiterin Alexandra Pardal.

Jannes Stoppel, Greenpeace: Global Witness hat für den Bericht „Blutholz“ die Rolle des Holzhandels in der Zentralafrikanischen Republik recherchiert. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse?

Alexandra Pardal: Unser Bericht zeigt, dass europäische Unternehmen, darunter auch deutsche, mit ihrem Holzhandel Bürgerkriege und militärische Konflikte in ZAR mitfinanziert haben. Teile des Kongobeckens, des zweitgrößten Regenwaldes der Welt, liegen in diesem Land. Holzhandelsfirmen, die hier illegal Holz gerodet und in EU-Länder exportiert haben, zahlten direkt an die Rebellenmilizen, die für Hinrichtungen, Entführungen, die Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten und Sexualverbrechen verantwortlich sind. Die europäischen Regierungen tragen ihren Teil hierzu bei, indem sie die Gesetze, die illegale Holzwaren auf dem EU Binnenmarkt verbieten, nicht abschreckend genug umsetzen.

Wer profitiert von dem Handel mit „Blutholz“ und wer leidet am stärksten unter dem Bürgerkrieg?
Rebellengruppen machten durch den Handel mit Holz allein im Jahr 2013 einen geschätzten Profit von 3,4 Millionen Euro. Zahlen der europäischen Händler zeigen, dass sie ihre Gewinne durch den Handel verdreifacht haben. Der letzte Bürgerkrieg hier war so grausam, dass die UN nicht genau ermitteln konnte, wie viele Menschen massakriert wurden. Es wird geschätzt, dass sich ca. eine Million Menschen auf der Flucht befinden. Wir wissen nicht, was mit den Tausenden von indigenen Gemeinden in den südwestlichen Wäldern des Landes passiert ist, vielleicht konnten sie über die Landesgrenzen fliehen. Klar ist, dass die Holzfirmen weiter illegal Holz geschlagen und gehandelt haben, und wir Europäer haben ihnen geholfen, davon zu profitieren.

Wie kann die internationale Gemeinschaft gegen den illegalen Holzhandel, speziell den aus Konfliktregionen, vorgehen?
Die internationale Gemeinschaft könnte den illegalen Holzhandel beenden, indem sie geltende Gesetze adäquat und abschreckend umsetzt. Regierungen wie Deutschland, die erhebliche Unterstützung für ZAR bereitstellt haben, müssen darauf bestehen, dass die Regierung vor Ort ein Moratorium für alle industriellen Holzeinschläge verhängt. Schon vor dem Krieg beobachteten wir illegalen Holzeinschlag und Korruption in der Branche. Nur wenn das aufhört, kann sich das Land wieder erholen und seinen natürlichen Reichtum zum Wohle der Menschen schützen und nachhaltig nutzen.

Hat die Bundesregierung dieses Problem angemessen thematisiert?
Die Bundesregierung hat nicht unterbunden, dass auf dem deutschen Markt sowie von international agierenden deutschen Unternehmen mit Konfliktholz gehandelt wird. Und sie hat  die EU-Holzhandelsverordnung nicht ordnungsgemäß durchgesetzt. Außerdem unterstützen Deutschland und Frankreich mit ihrer Entwicklungspolitik das industrielle Fällen von Regenwald im Kongobecken. Momentan ist die Bundesregierung dabei, ein Handelsprogramm zu finanzieren, das noch mehr Konfliktholz aus der Region nach Europa verkaufen will. Solche Pseudo-Entwicklungsprogramme, die nur der Wirtschaft dienen, müssen aufhören. Außerdem sollte Deutschland im EU-Ministerrat dafür stimmen, das Holzhandelsabkommen zwischen der EU und ZAR bis auf Weiteres einzustellen. Dieses legitimiert nämlich nur eine wirtschaftliche Beteiligung an Kriegsverbrechen.

Welche Verantwortung liegt bei den deutschen Holzhändlern, die mit Holzwaren aus Konfliktregionen handeln, und wie sollte dieser Handel sanktioniert werden?
Beim Handel mit ZAR-Holz ist die Bundesrepublik international auf Platz 1 und trägt laut offiziellen Informationen aus der Region die Verantwortung für ca. 32 Prozent der Exporte des Landes. Wir haben ZAR-Holz mit deutschem Firmenlogo in Kamerun, China und Frankreich gefunden. Deutsche Unternehmen, die sich hieran beteiligen, haben illegales Holz auf dem EU-Markt platziert und somit das Gesetz gebrochen. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung muss diese Unternehmen samt Leitungsebene gemäß dem deutschen Holzhandelssicherungsgesetz (HolzSiG) verfolgen und bestrafen.

Wie kann man den illegalen Handel mit Holzwaren aus Konfliktregionen und anderen illegalen Arten der Holzbeschaffung stoppen?
Erstens muss man dem Gesetz entsprechend gegen den Handel mit Konfliktholz vorgehen. Zweitens sollte man, sobald ein Konflikt in einem Land ausbricht, dafür sorgen, dass die Konfliktparteien ihren Kampf nicht mit natürlichen Ressourcen finanzieren. Hunderte Millionen Euro wurden für militärische und friedenserhaltende Maßnahmen in ZAR ausgegeben, um den Konflikt einzudämmen. Aber bewaffnete Milizen finanzieren sich immer noch problemlos durch den Handel mit Holz und anderen natürlichen Ressourcen. Außerdem muss die internationale Gemeinschaft die Straffreiheit in ZAR beenden, denn die ist der Grund für die wiederholten Putsche und das Scheitern des Staates. Das bedeutet, auch diejenigen vor Gereicht zu bringen, die mit bewaffneten Gruppen handeln und den Konflikt mitfinanzieren.

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