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Soja-Verladestation in Amazonien dichtgemacht

Brasilien macht Ernst: Die illegale Soja-Verladestation des US-Agrarkonzerns Cargill in Santarém/Bundesstaat Pará ist bis auf Weiteres geschlossen. Ein Schlusspunkt nach mehr als sieben Jahren Kampf - gegen Urwaldzerstörung, Menschenverachtung und Missachtung von brasilianischem Recht.

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Dies ist ein wichtiger Tag für Amazonien und die Menschen hier, freut sich Paulo Adario von Greenpeace Brasilien. Greenpeace hat mehrfach gegen die Aktivitäten von Cargill protestiert - auch direkt vor Ort in Santarém. In der Folge wurde der Druck auf das Unternehmen so groß, dass es einem Moratorium zustimmte. Zwei Jahre lang will die Firma keine Soja aus Urwaldzerstörung mehr kaufen.

Kein Respekt vor Menschen und Gesetz

Die Cargill-Verladestation im Hafen von Santarém beschäftigt seit 1999 Behörden und Gerichte. Nach brasilianischem Recht muss vor Baubeginn nachgewiesen sein, dass eine geplante Anlage keine ökologischen Schäden nach sich ziehen wird. Ein solches Umweltgutachten hat der Konzern nie vorgelegt. Die lokalen Behörden winkten den Bau durch. Selbst eine Einstweilige Verfügung wurde ignoriert.

2003 ging die Station in Betrieb - trotz laufender Verfahren. Seitdem hat die Urwaldzerstörung in der Region noch zugenommen. Firmen wie Cargill schaffen die Infrastruktur, die das Geschäft richtig profitabel macht: Straßen, Silos, Hafenanlagen. Sie liefern das Saatgut und garantieren den Farmern die Abnahme der Ernte, die sie dann selber profitabel weiterverarbeiten.

Brandrodung in Brasilien für Tierfutter in Deutschland

Die Nachfrage nach Soja auf dem Weltmarkt ist groß und Brasilien mittlerweile der größte Soja-Exporteur weltweit. Ein großer Teil der Ernte geht nach Europa, auch nach Deutschland. Dort landen die kleinen gelben Bohnen im Futter von Schweinen, Rindern, Hühnern.

Die klassischen brasilianischen Anbaugebiete befinden sich in den südlicheren Bundesstaaten Mato Grosso und Rondonia. Doch in ihrem Hunger nach Ackerland dringen die Farmer immer weiter nach Norden in den Amazonasurwald vor. Sie verdrängen die kleinen Landbesitzer - oftmals unter Anwendung von Gewalt.

Um Flächen für ihre Monokulturen zu gewinnen, brennen die Sojafarmer den Regenwald im großen Stil ab. Allein zwischen August 2003 und August 2004 wurden auf diese Weise 2,7 Millionen Hektar Urwald zerstört. Das entspricht etwa der Fläche Belgiens. Drei Viertel davon wurden illegal gerodet.

Die Folgen gehen uns alle an

Die Folgen des Sojaanbaus in Brasilien sind dramatisch und vielfältig. Menschen werden entrechtet und in ihrer Existenz bedroht. Das Weltklima leidet, weil der Urwald als CO2-Speicher ausfällt. Die riesigen Brände setzen zusätzlich Unmengen an Kohlendioxid frei. 75 Prozent des brasilianischen CO2-Ausstoßes gehen nach Angaben der Regierung auf Brandrodung zurück.

Durch die Monokulturen ist zudem der Pestizideinsatz immens gestiegen. Beides - Brandrodung und Chemikalien - hat zur Folge, dass der Artenreichtum zusehends dahinschwindet.

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