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Skandal um Abholzungslizenzen im Kongo

Das Greenpeace-Büro in der Demokratischen Republik Kongo ist alarmiert. Umweltminister José Endundo plant, das Moratorium auf neue Einschlagkonzessionen aufzuheben. Zudem will er 15 illegale Lizenzen legalisieren. Dadurch würde eine Urwaldfläche fünfmal so groß wie Belgien zur Zerstörung freigegeben.

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Die tropischen Wälder des Kongobeckens sind nach dem Amazonas-Regenwald die größten zusammenhängenden Urwälder der Welt. Im Kampf gegen den Klimawandel spielen sie eine bedeutende Rolle. 80 Prozent der intakten afrikanischen Wälder befinden sich in der Demokratischen Republik Kongo (DRK). Das entspricht acht Prozent des weltweit in Wäldern gespeicherten Kohlenstoffs.

Nicht nur für das Klima sind diese Wälder von überragender Bedeutung. Sie sind auch Ökosysteme mit einer überwältigenden Artenvielfalt. Und sie sind die Lebensgrundlage für mehr als 40 Millionen Menschen. Die Zerstörung des Urwalds bedroht ihre Existenz.

Der angeblich schonende Einschlag

Selektive Extraktion nennen internationale Holzkonzerne ihre Einschlagmethode in Afrika, bei der sie - scheinbar schonend - nur die ein bis zwei wertvollsten Urwaldriesen pro Hektar absägen. Aus ihnen werden Furnierhölzer, Musikinstrumente, Fensterrahmen oder Parkettfußböden gemacht.

Durch das Fällen, den Abtransport mit Bulldozern und auch den Bau von Zufahrtsstraßen werden jedoch wesentlich größere Gebiete geschädigt als der Begriff selektive Abholzung vorgaukeln möchte. Es wird geschätzt, dass die Treibhausgasemissionen durch die begleitenden Infrastrukturmaßnahmen 2,5-mal höher sind als die, die ohnehin schon durch die Abholzung entstehen.

Die Reform - Wunsch und Wirklichkeit

Auf Druck der Weltbank wurde Anfang des neuen Jahrtausends in der DR Kongo eine Reform der Forstwirtschaft eingeleitet. Sie sollte die nachhaltige Waldwirtschaft fördern, die Staatseinnahmen erhöhen, die traditionellen Rechte lokaler Gemeinden sichern und - vor allem - zur Verminderung der Armut beitragen.

Von der Weltbank eingefordert, unterzeichnete die DRK 2002 ein Moratorium auf neue Einschlagkonzessionen. Unmittelbare Folge: Es wurden innerhalb weniger Tage über 100 Einschlaglizenzen vergeben, entsprechend einer Fläche von 15 Millionen Hektar Wald. Damit war das Moratorium von vornherein untergraben.

Ein wichtiger Punkt in diesem Prozess war die Legalitätsüberprüfung von 156 Holzeinschlagstiteln. Eine Interministeriale Kommission startete in der DR Kongo 2005 eine Überprüfung der alten Titel.

Das Ergebnis gab Umweltminister José Endundo im Januar 2009 bekannt: 65 Titel (mehr als 12 Millionen Hektar) wurden in langfristige Konzessionen umgewandelt. Die meisten dieser Konzessionen hält die in Liechtenstein ansässige Unternehmensgruppe NST (Nordsüdtimber) mit ihrer Tochterfirma Soderfor und dem deutsch-schweizerischen Konzern Danzer. Allerdings war dieser Untersuchungsprozess alles andere als transparent.

Zurück zum Status Quo

Die Glaubwürdigkeit der Waldreform wird weiterhin unterminiert: Im Januar 2011 gab Enundo bekannt, dass er 15 Titel, die zwei Jahre zuvor für illegal erklärt worden waren und annulliert werden sollten, legalisieren werde. Zudem kam heraus, dass von den 156 untersuchten Ansprüchen nur rund 15 aktiv waren. Alle anderen existierten lediglich auf dem Papier.

Mit anderen Worten: Die angebliche Überprüfung von 2008 hat dazu gedient, den alten Status Quo wiederherzustellen. Laut Waldreform sollen 40 Prozent der Steuereinnahmen aus dem Holzexport an die Regionen zurückfließen. Davon ist bisher kein Cent angekommen.

Wieder mal zeigt sich, dass eine Weltbankreform nicht die Ergebnisse liefert, die angestrebt sind, sagt die Greenpeace-Biologin Andrea Cederquist. Man muss sie vielmehr als legalisierte Form der Waldzerstörung betrachten. Immer noch sind Intransparenz, Korruption und fehlende Strafverfolgung die entscheidenden Charakteristika der Holzindustrie. Die Beiträge zur Armutsbekämpfung sind vernachlässigbar gering.

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