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Riesige Freude über Nationalpark Schwarzwald

Zahlreiche Umweltschützer in Baden-Württemberg atmen heute auf: Der erste Nationalpark im Land ist beschlossen. Greenpeace-Aktivisten sammelten sich gemeinsam mit anderen Umweltverbänden am Tag der Entscheidung vor dem Parlament in Stuttgart, um aus vollem Herzen „Danke“ zu sagen.

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„Mensch und Natur sagen DANKE“ – mit diesem sechs Meter breitem Banner empfangen die Umweltverbände „Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald“, NABU, BUND, Greenpeace und WWF vor dem Landtagsgebäude die Parlamentarier. Mit dabei: Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Naturschutzminister Alexander Bonde. Der Dank gilt allen Umweltschützern, Menschen in den Gemeinden, in der Verwaltung und im Landesparlament, die sich für den Nationalpark eingesetzt hatten – aller Gegenwehr zum Trotz.

Im Frühjahr 2011 schrieb die rot-grüne Landesregierung die Einrichtung des Waldnationalparks in den Koalitionsvertrag. Die Mehrheit der Landesbevölkerung (65 Prozent) unterstützte dieses Vorhaben – das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag von Greenpeace. Bis zum heutigen Beschluss war es dennoch ein langer und steiniger Weg - so mancher Nationalparkbefürworter musste sich Pfiffe und Beschimpfungen gefallen lassen.
Bei der Abstimmung stimmten 71 Abgeordnete für den Nationalpark, 63 dagegen. Luis Scheuermann, Waldexperte von Greenpeace ist erleichtert: "Nach mehr als zwei Jahren ehrenamtlicher Kampagnenarbeit der Baden-Württemberger Greenpeace-Aktivisten für den ersten Nationalpark sind wir nun am Ziel und überglücklich! Wir sind überzeugt, dass dieses zukunftsweisende Naturschutzprojekt für alle Baden-Württemberger und auch für alle Menschen in der Region Nordschwarzwald ein Gewinn sein wird!"

Denn Baden-Württemberg hat in Sachen Waldschutz einiges aufzuholen: Neben Rheinland-Pfalz war Baden-Württemberg das einzige Bundesland ohne Nationalpark. Dabei ist es eines der waldreichsten Bundesländer überhaupt – knapp 40 Prozent der Landesfläche sind bedeckt von Wäldern – doch wirklich wild und natürlich wuchern durfte der Wald auf weniger als einem Prozent der Fläche! Bis heute.

Zehn Prozent der öffentlichen Wälder sollen zukünftig aus der Nutzung genommen werden. Ein großer natürlicher Wald soll entstehen. Dieser wird nicht nur den Menschen vor Ort und Touristen einen Ort der Ruhe und Erholung bieten. Er könnte weitestgehend verloren gegangene Arten der ehemaligen Urwälder in Deutschland wiederhervorbringen – Pilze, Insekten, Flechten, aber auch Säugetiere und Vögel wie zum Beispiel der Schwarzstorch. Im Gegensatz zu bewirtschafteten Wäldern können nutzungsfreie Urwälder effektiver CO2 speichern und damit einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten. Mit der Einrichtung des Nationalparks stärkt Baden-Württemberg also nicht zuletzt die internationalen Klima- und Naturschutzverpflichtungen der Bundesrepublik.

Waldexperte Luis Scheuermann schließt sich deshalb dem eindringlichen Appell der Umweltverbände an Peter Hauk, CDU-Fraktionschef, an: „Herr Hauk, hören Sie auf, den Nationalpark zu bekämpfen. Nutzen Sie die Chancen, die er bietet, und schaden Sie unserem Land und dem Nordschwarzwald nicht!“ Der Nationalpark kann ein Erfolgsprojekt für Mensch und Natur werden – wenn Menschen, Parteien und Organisationen ihn gemeinsam ausgestalten.

 

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