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Schutzgebiete sichern Artenvielfalt

Dieses Wochenende weilt ein Gigant in Koblenz. Greenpeace hat einen knapp fünf Meter hohen Baumstumpf aus dem Amazonasgebiet in die Stadt am Zusammenfluss von Mosel und Rhein gebracht. Begleitet wird der Urwald-Baumstumpf von einer Skulptur, die eine drei Meter große Schwanzflosse (Fluke) eines Grauwals in Originalgröße darstellt. Beide dienen als Mahnmale für den Raubbau an Urwäldern und Ozeanen weltweit.

Koblenz bildet damit den Auftakt der Greenpeace-Ausstellungstour Bedrohte Giganten. Bis Sonntag kann man sich über die katastrophale Situation der Urwälder und Weltmeere auf dem Platz am Löhr-Center informieren. Dann ziehen die Giganten weiter. An den kommenden Wochenenden werden weitere Städte in ganz Deutschland Ziel der Tour sein.

Greenpeace setzt sich weltweit für Schutzgebiete in Urwäldern und Ozeanen ein, um die Artenvielfalt zu retten. So findet zurzeit auch eine zweimonatige Schiffs-Expedition von Greenpeace auf dem brasilianischen Amazonas statt, um auf die fortschreitende Urwaldzerstörung aufmerksam zu machen und Schutzgebiete für den größten tropischen Regenwald zu fordern.

Damit die größten Bäume und Säugetiere der Welt auch zukünftig überleben können, müssen Schutzgebiete eingerichtet werden, die diesen Namen auch verdienen, sagt Marina Schuster, von der Greenpeace Gruppe Koblenz. Weltweit sind nur 12 Prozent der Landfläche und 0,5 Prozent der Meeresoberfläche zum Schutz ausgewiesen. Die bereits bestehenden Schutzgebiete werden jedoch nur unzureichend kontrolliert und immer wieder illegal geplündert.

Die Folgen sind verheerend: Rund 80 Prozent der einstmals großen Urwaldgebiete wurden bereits zerstört und alle zwei Sekunden wird ein weiteres Urwaldgebiet von der Größe eines Fußballfeldes vernichtet. So gehen jedes Jahr rund 150.000 Quadratkilometer Urwald verloren - eine Fläche fast halb so groß wie Deutschland - mit steigender Tendenz. Bis zu 50 Meter hohe Urwaldriesen, jeder einzelne ein Lebensraum für unzählige andere Arten, werden eingeschlagen und zu billigem Bauholz verarbeitet.

Nicht besser ergeht es den Meeren. Dort sind die Zeichen der Zerstörung ebenfalls allgegenwärtig: Ölverschmutzte Strände, abgestorbene Korallenriffe und leergefischte Meere. Wale, die größten und ältesten Säugetiere der Ozeane, werden noch immer gejagt und leiden unter Meeresverschmutzung, Unterwasserlärm und industrieller Hochseefischerei. Der Anblick einer Grauwal-Fluke ist im Atlantik nicht mehr möglich - dort ist der Meeressäuger bereits ausgestorben.

Abhilfe kann nur die sofortige Einrichtung eines globalen Netzwerkes von Schutzgebieten bringen. Dieses muss groß genug sein, um den dramatischen Verlust an Arten- und Lebensraumvielfalt zu stoppen. Greenpeace fordert deshalb die deutsche Bundesregierung auf, sich auf dem nächsten UN-Gipfel zum Schutz von Urwäldern und Ozeanen, der im Februar 2004 in Malaysia stattfindet, für die Zukunft der bedrohten Giganten einzusetzen.

Die nächsten Stationen der "Bedrohte Giganten"-Tour sind:

  • Vom 14. bis 16.11. Bremen (angefragt), Bahnhofsvorplatz;
  • vom 21. bis 23.11. Freiburg, Stadtgarten;
  • vom 28. bis 30.11. Nürnberg, Jakobsplatz.

 

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