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Post: Kein Umschlag aus Kahlschlag

Und sie bewegt sich doch! Mögen auch viele Menschen auf die Deutsche Post AG schimpfen, weil sie zu monopolistisch und zu langsam ist. Doch es gibt auch vergleichsweise fixe Änderungen: Die Post nimmt jetzt Briefumschläge aus ihrem Sortiment, für deren Produktion die letzten europäischen Urwälder in Finnland abgeholzt werden.

Allerdings wurde die Post nicht von allein tätig. Im April hatten Greenpeace-Aktivisten über 20 Post-Filialen aufgesucht. Dort versahen sie die Packungen der posteigenen Briefumschläge mit Aufklebern: Finger weg - Urwaldzerstörung! Im Juni protestierte Greenpeace auf der Aktionärshauptversammlung in Köln gegen den Verkauf dieser Briefumschläge

Vergangene Woche nun erklärte Monika Wulf-Mathies, Leiterin des Bereiches Politik und Umwelt bei der Deutschen Post, gegenüber Greenpeace, diese Umschläge nicht mehr anzubieten. Die Deutsche Post schickt mit ihrer Entscheidung ein klares Signal nach Finnland, die letzten Urwälder des Landes zu schonen, sagt Oliver Salge, Wald-Experte von Greenpeace. Deutsche Firmen, die weiterhin finnisches Papier verkaufen, sollten dem guten Beispiel der Post folgen.

Die Post bezog die Briefumschläge von einem der größten deutschen Büroartikelhersteller: Herlitz. Dieser hat sich nun gegenüber der Deutschen Post verpflichtet, kein Papier der finnischen Firma Stora Enso mehr zu kaufen. In den Papierfabriken des finnischen Unternehmens wird auch Urwaldholz verarbeitet.

Stora Enso und M-Real - der größte und der drittgrößte Papierhersteller Europas - sind Großkunden des staatseigenen finnischen Forstbetriebes, der die Urwälder im Norden des Landes zerstört. Stora Enso und M-Real verarbeiten die Bäume in ihren Fabriken zu Papier und Zellstoff. Firmen in Deutschland sind die wichtigsten Kunden der finnischen Papierindustrie.

In Europa existieren nur noch wenige ursprüngliche Wälder, unter anderem im Norden Finnlands. Von den verbliebenen knapp 10.000 Quadratkilometern in Finnland (das entspricht in etwa den Waldgebieten Hessens) ist bisher nur die Hälfte geschützt. Der staatliche finnische Forstbetrieb hat für die kommenden Wochen weitere Einschläge in den Urwäldern angekündigt.

Durch den Einschlag wird die Existenzgrundlage der Sami, der Ureinwohner Nordfinnlands, gefährdet. Einige Sami betreiben noch die traditionelle Rentierzucht, die ohne die Urwälder nicht möglich ist. Darüber hinaus bieten die finnischen Urwälder seltenen Tieren und Pflanzen Lebensraum. Über 500 verschiedene Arten sind durch die Abholzung bedroht.

Im Hinblick auf die im Februar 2004 in Kuala Lumpur, Malaysia, stattfindende UN-Konferenz zum Schutz von Urwäldern und Meeren (CBD) erwartet Greenpeace, dass das CBD-Mitglied Finnland in den letzten Urwäldern des Landes Schutzgebiete einrichtet, um dem Verlust der Artenvielfalt aufzuhalten.

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