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Mit ihnen verschwinden die Wölfe

Die letzten Urwälder Nordamerikas

Auch in Nordamerika gibt es Urwälder: boreale Wälder in den kalten Regionen von Neufundland bis Alaska und gemäßigte Regenwälder an den Küsten Alaskas, Kanadas und den USA. Die Wälder spielen eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung des Klimas und sind Lebensraum für vielfältige Arten. Auch der Wolf ist hier beheimatet, einst ein verbreitetes Säugetier. Heute ist seine Art durch die Zerstörung der Wälder bedroht.
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Die Bäume hier zählen zu den größten und ältesten der Welt. Kanada beherbergt die letzten größeren Flächen gemäßigten Regenwaldes der Erde mit einer unermesslichen biologischen Vielfalt. Nordamerika ist auch die Heimat des Wolfes, früher eines der weit verbreitetsten Säugetiere. Heute wird der Bestand in Nordamerika auf nur noch rund 63.000 Tiere geschätzt. Es fehlen Waldkorridore als Wanderrouten und große zusammenhängende Urwaldgebiete als Rückzugsraum. 94 Prozent aller Urwälder der Vereinigten Staaten sind unwiederbringlich verloren.

Der aussichtslose Kampf gegen die Ausbeutung

Endlose Nadelwälder schließen an die baumlose Tundra im Norden des amerikanischen Kontinents an, eine Landschaft mit knappen Nahrungsreserven, harten Wintern und kurzen Sommern. Die frühen Siedler in diesem Gebiet - Stämme der Eyak oder Chugach in Alaska oder der Inuit Kanadas - wohnten an den fischreichen Flüssen und Seen und jagten Hasen und Kleintiere aber auch Karibus, Elche und Bären. Dazu sammelten sie Beeren und Ahornsirup. Die Erkundung weiter Teile dieser Landschaft erfolgte erst durch den Pelzhandel der Europäer. Die Jäger drangen immer weiter in die Wälder ein, um mehr Biber und Wölfe zu erlegen.

Kanada gehört noch immer zu den wald- und artenreichsten Gebieten der Erde. Schätzungsweise zwei Drittel der hier vorkommenden 140.000 Arten von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen sind an den Urwald als Lebensraum gebunden, viele von ihnen wissenschaftlich kaum erforscht.

Auch heute noch durchstreifen Grizzlybären, Pumas und Wölfe die Weiten des ehemaligen Indianerlands. Zwar leben hier noch immer die meisten der insgesamt eine Million kanadischen Ureinwohner, 80 Prozent von ihnen jedoch in Reservaten.

Viele haben die Rechte an ihrem Land nie aufgegeben und kämpfen gegen die rücksichtslose Ausbeutung der Wälder: Um Zellstoff zur Papierherstellung zu gewinnen, schlagen die Holzkonzerne ganze Landschaften kahl.Bodenerosion und Verschlammung der Flüsse sind die Folgen. Einst massenhaft die Stromschnellen hinauf wandernde Coho- und Chinooklachse sind an der Pazifikküste wegen der Zerstörung ihrer Laichflüsse durch die Holzindustrie vom Aussterben bedroht.

Unheil durch europäische Einwanderer

Einer der letzten unversehrten gemäßigten Regenwälder befindet sich weiter südlich an der kanadischen Westküste in British Columbia. Hier wird die feuchte Meeresluft an den Gipfeln des Küstengebirges zum Aufsteigen gezwungen, Wolken regnen sich ab. In dem über zwei Millionen Hektar umfassenden Urwald stehen tausendjährige Zedern und Sitka-Fichten von 90 Meter Höhe. Hier leben Grizzly- und Schwarzbären, deren Lebensraum in den benachbarten USA bereits fast vollständig zerstört wurde. Und nur hier gibt es den weißen Kermode- oder Spirit-Bär, eine seltene Unterart des Schwarzbären.

Mit dem Einzug der Europäer begann auch hier der Raubbau an der Natur, und er hält unvermindert an. Waren es früher Walfänger, Pelzhändler und Bergbaufirmen, die sich hemmungslos bedienten, sind es heute Holzkonzerne, die den einzigartigen Lebensraum entlang der kanadischen Pazifikküste verwüsten und für immer zerstören.

Kleine Erfolge für den Urwald wirken dieser Entwicklung entgegen: Seit 1997 hatte sich Greenpeace für den Schutz des Great Bear Regenwaldes (Regenwald des Großen Bären) an der Westküste Kanadas eingesetzt und über viele Jahre gegen dessen Vernichtung protestiert. Die Kampagne erregte weltweite Aufmerksamkeit. Im April 2001 einigten sich Umweltorganisationen, die Regierung des kanadischen Bundesstaates British Columbia und Holzkonzerne darauf, 11.000 Quadratkilometer dieses Urwaldgebiets unter vorläufigen Schutz zu stellen. Seit dieser Zeit hat Greenpeace an einem Schutzkonzept mitgearbeitet.

Im Februar 2006 sind nun endlich 1,8 Millionen Hektar Urwald des Great Bear langfristig vor der Abholzung geschützt worden. Darüber hinaus soll laut Provinzregierung im restlichen Gebiet des Regenwaldes bis 2009 ökologische Waldnutzung eingeführt werden. Für die Umweltorganisation Greenpeace ist das einer der größten Erfolge in ihrer Geschichte. Den Great Bear Regenwald wird Greenpeace dennoch weiter beobachten.

Andere Teile der gemäßigten Regenwälder an der Westküste sind nach wie vor in akkuter Gefahr: Die Bedrohung durch die Holzindustrie geht weiter.

Zerschlagene Hoffnungen für den Wald

In den USA ist der Raubbau an der Natur noch weiter fortgeschritten als in Kanada: Hier sind 94 Prozent des ursprünglichen Waldes bereits abgeholzt. Hauptsächlich im Schutze der Rocky Mountains konnten sich wenige Urwälder in die Gegenwart retten. In einigen leben, wie zum Beispiel im Norden von Kalifornien, noch indianische Völker wie die Hupa und die Yurok. Von den kümmerlichen Resten der einst riesigen Wälder stehen aber 85 Prozent bereits im Visier der Holzkonzerne und Energieversorger, die hier Rohstoffe gewinnen wollen.

Hoffnungen auf staatlichen Umweltschutz haben sich nach der US-Präsidentenwahl im Jahr 2001 zerschlagen: umso mehr, da die USA sich weigern, die Konvention über biologische Vielfalt der Vereinten Nationen zu unterschreiben, also die Selbstverpflichtung der Länder zum Erhalt der biologischen Vielfalt - ein Armutszeugnis für die größte Industrienation der Welt!

Auf dem gesamten nordamerikanischen Kontinent zerstörten Holzkonzerne von 1990 bis 2000 mindestens 12,3 Millionen Hektar Urwald - das entspricht drei Mal der Fläche der Schweiz. Die geschützten Gebiete vergrößerten sich im gleichen Zeitraum nur von knapp sieben auf elf Prozent und umfassen größtenteils noch nicht einmal die wertvollsten Urwaldgebiete - eine schlechte Bilanz für zwei der acht reichsten Wirtschaftsnationen der Erde.

Eben jene reichen Nationen hatten sich 1997 verpflichtet, gegen illegale Abholzung vorzugehen und haben diesen Entschluss auch bei den G8-Gipfeln in den Jahren 1999 und 2000 bekräftigt. Kanada und insbesondere die USA zerstören jedoch weiterhin die Urwälder auf ihrem Territorium und importieren Holz aus Ländern, in denen eine Kontrolle der Holzindustrie nicht gegeben ist - zum Beispiel aus dem Amazonas.

Der Wolf

Die Jagdtechnik der Wölfe hatte es den Ureinwohnern Nordamerikas schon früh angetan: Statt dass nämlich das gesamte Rudel bis zur Erschöpfung hinter der Beute her hetzt, gibt es unter den Mitgliedern eine Aufgabenverteilung: Die Wölfe lösen sich beispielsweise an geeigneter Stelle untereinander ab, andere greifen von der Seite an, um ein bestimmtes Tier von der flüchtenden Herde zu trennen. Eine so raffinierte Leistung können sonst nur menschliche Jäger vollbringen. Bei vielen Stämmen war die Jagd auf den Wolf daher tabu - statt dessen nannten sich Männer nach diesem intelligenten Jäger, in der Hoffnung ein Teil seiner Kraft ginge auf sie über.

Auch Romulus und Remus, die Begründer von Rom, wurden der Sage nach von einer Wölfin aufgezogen. In vielen alten Kulturen ist der Wolf den Menschen so sympathisch, dass sie Wolfsjunge zähmen. Da Wölfe wie Menschen in Familienverbänden leben, in denen auf Schwache und Junge Rücksicht genommen wird, passen sich die Jungwölfe gut in die neue Gruppe ein. In Europa ist der "böse Wolf" eine Erfindung des beginnenden Mittelalters - Angriffe auf Menschen hat es nie gegeben. Erst mit dem Aufkommen des Christentums wird das Gefolgstier des germanischen Gottes Wotan verteufelt.

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