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Die Danzer-Gruppe und der Urwald

Die Danzer-Furnierwerke aus Reutlingen und mehr noch ihre Handelsabteilung Interholco in der Schweiz beziehen den Großteil ihres Holzes aus Afrika - unter anderem aus Liberia und Kamerun. In beiden Ländern ist nachhaltige Forstwirtschaft noch immer ein Fremdwort. Die Danzer-Gruppe kauft regelmäßig Holz, für das die letzten Urwälder im Kongobecken und Westafrika zerstört werden.
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Schlimmer noch, der Holzeinschlag erfolgt hier in erschreckend hohem Ausmaß gegen die nationalen Gesetze und ist im Falle von Liberia sogar eng mit illegalem Waffenhandel und der Finanzierung regionaler Bürgerkriege verknüpft.

Die Danzer-Gruppe

Die Danzer-Gruppe wurde 1946 als Familienunternehmen in Reutlingen (Deutschland) von Karl Danzer gegründet. Schon früh verband Danzer die Herstellung tropischer Furniere mit dem Betrieb eigener Einschlagskonzessionen in Afrika. Seither hat sich die Gruppe mit einem Jahresumsatz von 586 Millionen Euro zum weltweit größten Hersteller von Hartholzfurnieren, aber auch zu einem der großen internationalen Händler von Rund- und Schnittholz sowie Furnieren entwickelt.

Heute betreibt die Danzer-Gruppe zwölf Furnierwerke und vier Sägemühlen weltweit und hat zudem Konzessionen in der Demokratischen Republik Kongo, in Kongo-Brazzaville und der Elfenbeinküste. Während der offizielle Firmensitz heute mit der ANBE AG in der Schweiz angesiedelt ist, sind die Aktionäre hinter der ANBE AG noch immer vor allem die Mitglieder der Danzer-Familie.

Den internationalen Handel mit tropischen Hölzern hat Danzer schon 1962 ebenfalls in die Schweiz verlagert und dort in der Interholco AG angesiedelt. Von hier wird pro Jahr der weltweite Handel tropischen Rund- und Schnittholzes sowie tropischer Furniere organisiert. Auch wenn Interholco prinzipiell aus allen tropischen Regionen Holz auf- und weiter verkauft, so liegt der Schwerpunkt Ihrer Aktivitäten doch klar auf Afrika. Es ist hier, wo sie ihr Holz nicht nur aus der Zerstörung der letzen Urwälder der Region beziehen, sondern in vielen Fällen sogar von illegal einschlagenden Firmen, bis hin zu Firmen, die in illegale Waffenschiebereien verwickelt sind.

Die afrikanischen Urwälder

Die noch verbliebenen Urwälder Zentral- und Westafrikas sind die letzen Rückzugsgebiete für so extrem bedrohte Arten wie Tiefland-Gorillas, Schimpansen und Waldelefanten. Diese Wälder sichern das Überleben von Tausenden von Tier- und Pflanzenarten und sind Heimat vieler Millionen Ureinwohner.

Neuste Berechnungen gehen davon aus, dass von den ursprünglichen Wäldern Afrikas nur noch ein Drittel erhalten sind und sogar nur noch weniger als ein Zehntel groß genug sind, um dauerhaft die Artenvielfalt eines Urwaldes zu sichern.

Dennoch geht der industrielle Holzeinschlag in Afrika unvermindert weiter. Experten gehen davon aus, das mehr als drei Viertel aller verbliebenen großen Urwälder in Afrika bedroht sind, die meisten davon durch die Holzwirtschaft.

Danzer in Kamerun

In Kamerun bezieht Interholco zum Beispiel von der Firma Mbah Mbah Georges (MMG), mit der sie in enger Partnerschaft zusammen arbeitet, sowie von der Société Forestière Hazim(SFH).

MMG ist erst seit kurzem in Kamerun aktiv und hat eine Sägemühle im Süden des Landes, in der Hafenstadt Kribi. Im Jahr 2000 war MMG in illegalen Holzeinschlag enormen Ausmaßes verwickelt. Es wurde unter anderem dokumentiert, dass sie außerhalb der Grenzen einer ihrer genehmigten Einschlaggebiete aktiv waren. In der Tat schlugen sie in 1.000 Hektar eines geplanten Gemeinschaftswaldes ein und fügten der lokalen Bevölkerung damit enormen Schaden zu. Für die gefällten Bäume verwendeten sie die Markierung ARB-288, die zu einer anderen Einschlagserlaubnis gehörte. Genau diese Stämme konnte Greenpeace noch im gleichen Jahr im deutschen Hafen für Tropenholz, in Nordenham nachweisen - importiert von Interholco.

Der Einschläger Hazim wurde vom kamerunischen Forstministerium (MINEF) in den vergangenen zwei Jahren gleich mehrmals wegen illegalen Holzeinschlages zu Geldstrafen verurteilt. Im März 2000 zum Beispiel für anarchischen Holzeinschlag außerhalb ihrer Konzession UFA 08-003. Im Jahr 2001 stellte eine unabhängige Studie fest, dass Hazim in der Konzession UFA 10-030 insgesamt 20.000 Hektar illegal eingeschlagen hatte - einschließlich 8.000 Kubikmeter der CITES-geschützten Art Afromorsia.

Obwohl der Wert des eingeschlagenen Holzes allein in dieser Konzession bei über 26 Millionen US-Dollar liegt, wurde Hazim von der MINEF bisher nur mit Geldstrafen von zusammen 243.700 US-Dollar belegt - offensichtlich zu wenig, um von weiteren Verstößen gegen die Forstgesetze abzusehen.

Danzer und die Waffenhändler in Liberia

In Liberia unterhält Interholco enge Beziehungen zur Inland Logging Company (ILC) - sie sind deren Exklusivagent für den Export des eingeschlagenen Rundholzes . Die ILC gehört nach Angaben der UN den beiden Brüdern Maurice und Oscar Cooper. Maurice Cooper gilt als Berater des Präsidenten Charles Talyor .

Die UN sieht in Charles Talyor den Drahtzieher hinter den Aktivitäten der RUF-Rebellen in Sierra Leone. Die RUF hält die Diamantenfelder Sierra Leones besetzt und schafft Diamanten illegal über Liberia außer Landes, vor allem nach Belgien.

Aus diesem Grund hat die UN im März 2001 ein Verbot des Handels mit Diamanten von und Waffen nach Liberia verhängt, sowie 130 Personen aus dem engeren Kreise Charles Taylors mit einem Reiseverbot belegt. Dazu gehört auch Maurice Cooper, Eigner der ILC.

Der ILC wird zudem die Unterhaltung einer Privatarmee vorgeworfen, welche die lokale Bevölkerung drangsaliert. Auch sollen den offiziellen Exporten der ILC von knapp 20.000 Kubikmetern (2000) laut UN-Berichten in Wahrheit 50.000 Kubikmeter gegenüber stehen.

Neben der ILC bezieht Interholco aus Liberia auch Holz von der Oriental Timber Company (OTC). Deren Manager, der Holländer Gus van Kouwenhouven, wird von der UN als Schlüsselfigur in der Logistik illegaler Waffenschiebereien nach Liberia angesehen.

Importe nach Deutschland

Holz aus den oben beschriebenen Quellen vertreibt Danzer/Interholco weltweit - auch nach Deutschland über den niedersächsischen Hafen Nordenham bei Bremerhaven.

Falsche Versprechungen

Die Danzer-Furnierwerke in Reutlingen versprachen in einem Schreiben vom 10. Januar 2002: Die Danzer-Gruppe und all ihre Tochterfirmen werden keinerlei Geschäfte mit Firmen tätigen, die mit Waffen handeln. ... In unseren Business-to-Business Beziehungen entscheiden wir alleine nach unseren Maßstäben und wir möchten keinesfalls, dass unsere Geschäftsbeziehungen zur Finanzierung von Waffenkäufen oder Bürgerkriegen missbraucht werden.

Doch die Realität sieht anders aus. Danzer finanziert durch seinen Handel mit liberianischem Holz indirekt den kriegstreibenden Präsidenten Charles Taylor. Die UN betrachtet den Holzeinschlag als wichtigste Einkommensquelle Taylors neben dem Handel mit Diamanten.

Auf ihrer firmeneigenen Homepage www.danzer.de heißt es: Wir fühlen uns für Holz verantwortlich. Verantwortlich für seine gekonnte Verarbeitung. Verantwortlich für seine sparsame Verwendung. Verantwortlich für seine ökologisch vertretbare Nutzung.

Auch hier ist die Realität eine andere. Das Holz für die Sägewerke und Furnierwerke der Danzer-Gruppe stammen zu einem hohen Anteil aus Urwaldzerstörung. Holz aus glaubhaft zertifizierter Forstwirtschaft (zum Beispiel FSC) spielt für Danzer keine Rolle. Doch die letzten intakten Urwälder der Erde sind von großer Bedeutung für das Klima und den Erhalt der Artenvielfalt.

Greenpeace fordert:

  • Deutsche Importeure dürfen kein Holz nach Deutschland importieren, für das Urwälder zerstört wurden.
  • Keine Holzimporte von Firmen oder Personen, die mit illegalem Waffenhandel in Verbindung stehen.
  • Importeure von Holz aus Urwaldregionen sollten auf unabhängig zertifiziertes Holz nach den Kriterien des FSC (Forest Stewardship Council) umsteigen.

Urwaldschutz als internationale Aufgabe

Der Schutz der letzten großen intakten Urwälder der Erde und damit das Überleben der Tiere und Menschen im Wald muss für alle Beteiligten in Politik, Handel und Zivilgesellschaft eine vorrangige Aufgabe sein. Das heißt:

  • Motorsägen anhalten: keine industriellen Abholzungen oder andere industrielle Vorhaben in den verbliebenen Urwäldern, bis Schutz- und Nutzungskonzepte für die letzten Urwälder vorliegen.
  • Maßnahmen: Für alle Urwälder müssen langfristige Schutzkonzepte entwickelt werden. Das bedeutet, weite Teile der Urwälder unter Schutz zu stellen, andere Gebiete ökologisch zu bewirtschaften und gegen illegale Abholzungen vorzugehen.
  • Moneten: Da dieser Nutzungsverzicht für die betroffenen Länder zunächst zu finanziellen Einbußen führt, müssen die reichen Länder durch einen internationalen Fonds für Ausgleich sorgen.

 

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