Wälder

Natürliche Klimaretter

Wälder sind unsere natürlichen Verbündeten gegen die Klimakrise. Gleichzeitig sind sie Schatzkammern der Artenvielfalt. Doch die Schützer brauchen Schutz.

Schutz für die Schützer

Weltweit bedrohen Abholzung, Übernutzung und die Klimakrise die Wälder. Dabei brauchen viele Pflanzen und Tiere sie zum Leben – und auch wir Menschen.

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In intakten Waldgemeinschaften finden sich Bäume aller Generationen. Niemand räumt auf, niemand greift ein. Sterbende Bäume und Totholz am Boden spenden Leben. Sie bieten Nahrung und Unterschlupf für Pilze, Insekten, Vögel. Solche Waldgemeinschaften haben nichts mit Baumplantagen zu tun. Sie werden nicht forstwirtschaftlich genutzt und speichern große Mengen Kohlendioxid. Je älter der Wald und je mehr Totholz darin verrotten darf, desto wichtiger seine Rolle als Klimaschützer.

Doch weltweit ist nur noch etwa ein Fünftel der Wälder in solch einem ursprünglichen Zustand, Tendenz sinkend. Immer weiter fräst sich der Mensch in diese Ökosysteme hinein. Insbesondere der weltweit wachsende Konsum von Fleisch und Milchprodukten führt zu mehr Flächenbedarf in der Landwirtschaft – rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen dienen der Tierhaltung und zur Erzeugung von Futterpflanzen. Aber auch steigender Siedlungsdruck und Wetterveränderungen durch die Klimakrise, die zu Dürren und großflächigen Waldbränden führen, dezimieren Waldflächen. Die Probleme können vor Ort variieren, doch die Bedrohung der Wälder als solche ist global. 

Gleichzeitig wäre ein Verschwinden ursprünglicher Wälder für die zwei großen Umweltkrisen unserer Zeit fatal: Die Klimakrise würde angeheizt, während der schon jetzt dramatische Schwund der Artenvielfalt ungekannte Ausmaße annehmen würde – was beides unmittelbar auch uns Menschen bedroht. 

Ergänzend steigt die Gefahr von Pandemien, wenn die Wildnis schwindet und Wildtiere dadurch zwangsweise häufiger in Kontakt mit Menschen kommen. Infektionskrankheiten wie Covid-19, bei denen die Erreger überspringen, nehmen weltweit zu.

Um die Erhitzung auf weniger als 1,5 Grad zu begrenzen, müssen wir unter anderem Wälder schützen. Dafür muss insbeondere der Flächenfraß in der Landwirtschaft aufhören, vor allem durch weniger Tierzucht und Konsum von Fleisch und Milchprodukten.

Vielfältige Ökosysteme, vielfältig bedroht

Futtersojaanbau und Tierhaltung bedrohen Wälder in Südamerika, Palmölplantagen jene in Indonesien. Sibiriens Wälder sind besonders von Klimaveränderungen mit Rekorddürren und -hitzen sowie daraus folgenden Waldbränden betroffen, bei denen die Kapazitäten fehlen, sie zu löschen. In Zentralafrikas Wäldern begünstigen Holzfäller mit ihren Schneisen der Zerstörung eine Ausbreitung des Wanderfeldbaus in Gebieten, die zuvor von Wald bedeckt waren. Noch hat kommerzielle Landwirtschaft mit Ölpalmen- und Kautschukplantagen oder Soja-Monokulturen hier nicht die Bedeutung wie im Amazonas-Gebiet oder in Südostasien, doch das droht sich gerade zu ändern. In Deutschland wiederum sinkt heutzutage nicht mehr die Waldfläche selbst, das Vernichten der Ökosysteme wurde schon in der Vergangenheit erledigt - das Problem ist hierzulande vielmehr, dass wir zwar von Wald reden, aber Baumplantagen meinen statt Urwälder.

Baumplantagen sind auch, was leider oft gemeint ist, wenn die Menschen nun über Wiederaufforstung zum Klimaschutz reden. Wälder wiederherzustellen kann beim Klimaschutz helfen, aber dabei ist wichtig, dass keine Monokulturen entstehen, denn diese bringen der Artenvielfalt wenig und dem Klima auch deutlich weniger, als echte Wälder. Der erste Schritt muss also immer sein, das Bestehende zu schützen, wachsen zu lassen und aufzuwerten – das ist zudem viel günstiger und effizienter.

Wie alle übrigen Pflanzen und Tiere variieren Bäume je nach Klima und Lage sehr stark: von winzigen Zwergbirken in der Arktis über Açaípalmen am Amazonas bis zu über 100 Meter hohen Mammutbäumen in Kalifornien. Dementsprechend variiert auch das Artenvorkommen in Wäldern, und die Herausforderungen sind, bei allen Gemeinsamkeiten, teilweise sehr unterschiedlich. Im Amazonasgebiet etwa geht die Wissenschaft von rund 16.000 Baumarten aus. In Mitteleuropa dagegen würden an vielen Standorten von Natur aus Rotbuchen am stärksten vorkommen. 

Deutscher Wald: Mehr Plantage als Wald

Insgesamt ist heute in Deutschland fast 90 Prozent der Waldfläche in einem schlechten naturschutzfachlichen Zustand. Das bedeutet: Zu wenig Baumarten, nicht genug natürlicherweise vorkommende Eichen und Buchen, und was wächst, ist zu jung und wird zu früh gefällt. Lediglich auf 4,5 % naturnaher Waldflächen wachsen Bäume, die älter als 140 Jahre sind. Und nur 0,2 % dieser ökologisch besonders wertvollen Waldflächen mit alten Baumbestand sind dauerhaft geschützt. Dabei sind alte Bäume für Artenvielfalt und Klimaschutz gleichermaßen wichtig.

Insgesamt gibt es über 40 einheimische Baumarten in deutschen Wäldern, darunter nur sieben Nadelbaumarten. Andere Baumarten sind ursprünglich nicht bei uns heimisch, werden aber seit langem angepflanzt. Dazu gehören die Roteiche, die Douglasie und die Robinie. Nadelbäume kommen natürlicherweise in nördlichen Breiten, Mittelgebirgen und alpinen Lagen vor. Je kälter und rauer das Klima, desto mehr Nadelbäume. In borealen Wäldern hoch im Norden stehen neben einigen Birken nur Fichten, Kiefern, Tannen und Lärchen.

Europa erfand im 18. Jahrhundert die Forstwirtschaft. Auch das Prinzip Nachhaltigkeit war – in Folge großer Holznot – erstmals Thema: nicht mehr Bäume fällen als nachwachsen können. Doch anstelle heimischer Baumarten pflanzte die Forstwirtschaft schnell wachsende, vermeintlich wirtschaftliche Nadelbäume. Und noch ein Fehler passierte: die Monokultur. Reine Fichten- oder Kiefernplantagen sind arm an Arten, anfällig für beispielsweise Borkenkäfer und kaum fähig, sich an die Klimaerhitzung anzupassen. 

Dieser Ansatz fällt Deutschland seit Jahren zunehmend auf die Füße. Die an ungeeigneten Standorten gepflanzten Fichten leiden unter der auch in Deutschland zunehmenden Trockenheit und infolgedessen unter Insektenbefall. Selbst Waldbrände, früher hauptsächlich ein Thema wärmerer und trockenerer Gegenden, werden zunehmend zum Problem. Eine naturnähere Bewirtschaftung sowie mehr Schutzgebiete ohne Holznutzung sind daher wichtiger denn je, um den Wald zu erhalten. Die Akteurinnen und Akteure haben das Problem “Fichtenplantage” zwar erkannt, das notwendige Umdenken - hin zur Betrachtung des Waldes als Ökosystems, weg vom Paradigma des Holzlieferanten -, findet bisher jedoch bei politischen Entscheidungsträger*innen und der konventionellen Forstwirtschaft nicht statt. Greenpeace zeigt mit den "Wegen aus der Waldkrise", welche Vorteile ein neues Denken beim Waldschutz hätte - auch für das Klima.

Amazonas-Regenwald: Nahe dem Kipppunkt

Das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet und der wichtigste beblätterte Klimaschützer weltweit ist der Amazonasregenwald. Greenpeace Deutschland legt deshalb einen Schwerpunkt auf den Schutz des Amazonas – denn verlieren wir das grüne Herz unserer Erde, verlieren wir auch den Kampf gegen die Klimakrise.

In Ländern wie Brasilien ist das Problem dabei ein anderes als in Deutschland. Der Amazonas-Regenwald ist keine Holzplantage, sondern ursprünglich – dort, wo er noch da ist. Doch ihm machen die weiter andauernde Abholzung und Brandrodungen, die unter dem rechten Präsidenten Jair Bolsonaro ein neues, trauriges Hoch erreicht haben, zu schaffen. Das beunruhigende Ergebnis: Das Amazonasbecken nähert sich immer weiter dem so genannten Kipppunkt. Wenn die aktuelle Entwicklung nicht bald gestoppt wird, wird der Wald laut Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in absehbarer Zukunft kollabieren und “umkippen”. Die folgende großflächige Versteppung hätte verheerende Folgen für die Artenvielfalt dort und die Klimakrise weltweit. Greenpeace engagiert sich daher vor Ort gegen die Waldvernichtung, unter anderem in Zusammenarbeit mit indigenen Gemeinschaften. Gleichzeitig setzt sich die Organisation für einen Wandel im Umgang mit dem Thema in Deutschland und Europa ein, was Gesetzesvorhaben betrifft: beispielsweise für waldvernichtungsfreie Lieferketten und einen Handel, der Menschenrechte und die Umwelt achtet – anders als etwa das geplante EU-Mercosur-Handelsabkommen.

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Häufig gestellte Fragen

  • Warum sind Wälder wichtig?

    (Ur)wälder sind Hotspots der Biodiversität und Lebensgrundlage unseres Planeten: Sie regulieren unser Klima, mildern extreme Klimaverhältnisse wie Hitze, Frost, Trockenheit und Stürme. Sie produzieren Sauerstoff, reinigen Luft, Wasser und verhindern Bodenerosion. Sie binden und speichern den größten Teil  des an Land gebundenen Kohlenstoffs. Umgekehrt setzt Waldzerstörung klimaschädliches CO2 frei – netto insgesamt ein Achtel aller CO2 Emissionen bzw ein Zehntel aller freigesetzten Treibhausgase.

  • Wodurch werden Wälder bedroht?

    Das ist unterschiedlich: In Argentinien und Brasilien müssen Urwälder immer häufiger der Rinderzucht oder dem Anbau von Soja weichen. Nordische Wälder in Europa und Kanada landen als Zeitschriften- und Toilettenpapier in unseren Läden, als Holzpellets in unseren vermeintlich umweltfreundlichen Öfen und als Kartons in den Lagern der Onlineversandhandel. Indonesiens Regenwälder weichen riesigen Plantagen für die Palmöl- und Zellstoffproduktion. Neben unserem viel zu hohen Ressourcenverbrauch spielt zunehmend die Klimakrise eine Rolle: Durch Dürren ausgetrocknete Wälder geraten leichter in Brand.

  • Wie ist es um unsere heimischen Wälder bestellt?

    Heute sind fast 90 Prozent unserer Wälder in einem schlechten Zustand: zu wenig echter, naturnaher Wald, zu jung, zu viel Plantagen. In Zeiten der Klimakrise wird das Problem dringlicher, denn Baumplantagen bestehen noch immer oft aus Fichten, und die sind viel weniger widerstandsfähig. In der Waldvision zeigt Greenpeace, dass eine ökologische Waldnutzung auch Klima und Artenvielfalt dienen würde.

  • Welche Rolle spielen Wälder für den Klimaschutz?

    Der Verlust der Wälder hat Konsequenzen für die Klimakrise. Besonders gilt dies für den Amazonas-Regenwald, der sich durch Waldzerstörung und Klimaerhitzung seinem Kipppunkt nähert - und dann droht, großflächig zu versteppen. Naturnahe und gesunde Wälder zeichnet eine enorme Kohlenstoff-Speicherfähigkeit aus, geht es dem Wald schlecht, kann er hingegen im schlechtesten Fall sogar Kohlendioxid abgeben. Auch der Amazonas-Regenwald fiele dann als Klimaschützer aus.

  • Was kann ich tun, um die Wälder weltweit zu schützen?

    Wir können alle in unserem Alltag waldfreundlicher leben: zum Beispiel auf unseren Holz- und Papierverbrauch achten und weniger Fleisch und Milchprodukte konsumieren. Ausführliche Tipps finden Sie hier

  • Forderungen

    • Kein Handel auf Kosten des Amazonas! Die Bundesregierung darf das EU-Mercosur- Abkommen nicht unterzeichnen.
    • Echter Schutz der verbliebenen Urwälder, insbesondere des Amazonas-Regenwalds.
    • Der Wald ist kein Holzlager: Waldwirtschaft muss ökologisch und sozial gerecht erfolgen.

    Veröffentlichungen zu diesem Thema