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Greenpeace-Camp in Sibirien spürt nach einer Woche 125 Ölunfälle auf

Verseucht!

Seit einer Woche dokumentieren Greenpeace-Aktivisten in der Komi-Republik das Ausmaß der durch Ölunfälle angerichteten Schäden. Jetzt präsentierten sie einen erschreckenden Zwischenstand.

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An 125 Stellen in der Region Usinsk stießen die Aktivisten auf Verschmutzungen durch Ölunfälle. Das Team - hauptsächlich bestehend aus ehrenamtlichen Helfern - hat in mühevoller Aufräumarbeit bereits 50 Tonnen Öl geborgen.

"Statt das Öl zu beseitigen - so wie es die Regulierungen vorsehen - schütten die Ölunternehmen einfach Sand auf die betroffenen Stellen oder vermischen das Öl mit dem Boden," erklärt Wassilij Jablokow, Leiter des Ölcamps und Fachmann für Kartografie. "Die Folge sind die Kontaminierung von Tausenden von Hektar Land und Verschmutzungen der Flüsse und des Grundwassers. Um das zu verhindern müssen die gesetzlichen Schlupflöcher geschlossen werden, dank derer die Unternehmen ungestraft davonkommen."

Die Ölverschmutzungen, die die freiwilligen Helfer und Experten während ihrer täglichen Patrouillen entdeckt haben, sind zum Teil erst wenige Wochen und Monate alt. Andere Stellen lassen auf Unfälle schließen, die sich vor mehr als zehn Jahren ereignet haben. Die Größe der betroffenen Flächen schwankt zwischen  wenigen dutzenden bis hin zu tausenden Quadratmetern. Greenpeace Russland wird nach Abschluss des Camps bei den zuständigen Behörden einfordern, die verantwortlichen Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Aufräumarbeiten der Aktivisten machen deutlich, dass es wesentlich schwieriger ist, einmal ausgetretenes Öl wieder zu beseitigen, als die Leckagen von vornherein zu verhindern. Mit Hilfe von Vakuum-Pumpen, Schaufeln und Eimern konnten die Helfer bislang mehr als 50 Tonnen Öl einsammeln. Der gesammelte Ölschleim soll in einer speziellen Reinigungsanlage recycelt werden.

Das Camp - aktiv in der Komi-Republik und im angrenzenden autonomen Kreis der Nenzen - ist ein gemeinsames Projekt zwischen Greenpeace Russland und der Organisation "Save the Petchora" (Schützt die Petschora). Das Team bleibt noch bis zum 22. August vor Ort, um auf das Problem allgegenwärtiger Ölverschmutzungen in der Region aufmerksam zu machen. Ölexperte Jörg Feddern von Greenpeace Deutschland hat die Komi-Republik zuletzt 2011 besucht und seine Erlebnisse für uns in einem Online-Magazin festgehalten.

Die verschmutzen Stellen befinden sich teilweise in weniger als 50 Kilometer Entfernung vom Polarkreis. Vor der russischen Küste fördert derweil Gazprom als erster Konzern weltweit Öl aus arktischen Gewässern - trotz immenser Risiken für Mensch und Natur. Helfen Sie uns, den Konzern zum Umdenken zu bewegen.

Mehr zum Thema erfahren Sie im im Blogbeitrag von Lukas Meus und im aktuellen Podcast mit unserem Ölexperten Christian Bussau:
 

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