Jetzt spenden
Studie Corona und demokratische Teilhabe
Shutterstock / Greenpeace

Juristische Expertise zu demokratischer Teilhabe der Zivilgesellschaft

Unsere Demokratie ist wertvoll. Es gilt sie zu schützen. Wie stark diese Demokratie ist, zeigt sich – wie in anderen Beziehungen auch – in Krisen. Die Corona-Pandemie hat abrupt Einfluss genommen auf die demokratische Teilhabe von zivilgesellschaftlichen Organisationen. Eilverfahren, Online-Lösungen, Corona-Hilfen: Auswirkungen der Krise und wie Politik in kommenden Krisen handeln sollte, hat die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) in einer Kurzstudie im Auftrag von Greenpeace dargestellt.

Zivilgesellschaftliche Organisationen spielen eine wichtige Rolle in unserer Demokratie. Sie verschaffen Themen und Menschen Gehör, die sonst in der Politik oder in anderen Machtstrukturen wenig repräsentiert sind. Weil ihre Stimmen leiser sind oder sie als wirtschaftlich unbedeutender eingeordnet werden. Gerade zu Beginn der aktuellen Krise gab es zahlreiche Beispiele, bei denen Entscheidungen über die Bedürfnisse von bestimmten Bevölkerungsgruppen hinweg getroffen wurden. Strukturelle Probleme spiegelten auch die Ergebnisse der Leopoldina-Studie wider. Kein Zufall, bestand deren Autor*innen-Team aus 26 Mitgliedern mit einem Durchschnittsalter von über 60 Jahren, davon lediglich zwei Frauen. Bayern beschloss im Eilverfahren und ohne nennenswerte Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteur*innen das Landesinfektionsgesetz. Virtuelle Hauptversammlungen erschweren seitdem eine wirkungsvolle Kritik von Anteilseigner*innen.

Neue digitale Beteiligung und Rettungsschirm Zivilgesellschaft

Die Analyse der GFF benennt klare Handlungsempfehlungen an die Politik: Trotz des Drucks, schnell handeln zu wollen, darf Politik die Stimme von zivilgesellschaftlichen Organisationen nicht übersehen. Auch in Krisen müssen Menschen die Möglichkeit und das Recht behalten, sich zu informieren und einzubringen, in manchen Situationen online. „Mitentscheidungsrechte muss der Staat gerade in Krisenzeiten schützen“, sagt Greenpeace-Politexpertin und Juristin Anna von Gall. Gerade wenn in diesen Zeiten finanzielle und auch technischen Voraussetzungen fehlen.

Statt Geld für Rüstungsunternehmen oder Autobauer bedarf es neben eines grünen Konjunkturprogramms vor allem auch finanzieller Unterstützung der vielfältigen gesellschaftlichen Stimmen. So plädiert die GFF für einen „Rettungsschirm für die Zivilgesellschaft“. Dieser sollte gerade kleinere gemeinwohlorientierte und nicht vornehmlich gewerblich tätige Organisationen schützen. Bislang existiert keine solche Unterstützung, obwohl dieser Sektor etwa 600.000 gemeinnützige Organisationen mit 30 Millionen Engagierten und mehr als 3 Millionen Angestellten betrifft. Kleinere gemeinnützige Vereine, die sich kritisch in gesellschaftspolitische Geschehen einbringen, werden in der aktuellen Krise übersehen.

In der Corona-Krise sind sehr schnell neue Online-Lösungen für Anhörungs- und Beteiligungsverfahren entstanden, die die Politik nun weiter analysieren und ausbauen sollte. Softwarelösungen für ein rechtssicheres Sammeln von Unterschriften sind zu prüfen. Allerdings müssen digitale Alternativen tatsächlich gleichwertig sein. Wenn ein persönlicher Austausch notwendig ist, lässt sich dieser nicht durch rein schriftliche Anfragen ersetzen. Da in Deutschland noch immer ein bedeutender Anteil der Menschen nicht das Internet nutzt, kann ein reines Onlineangebot nur eine vorübergehende Lösung sein.

Demokratische Teilhabe der Zivilgesellschaft in der Corona-Pandemie

Demokratische Teilhabe der Zivilgesellschaft in der Corona-Pandemie

Anzahl Seiten: 12

Dateigröße: 258.73 KB

Herunterladen

Alles, was bewegt

Immer auf dem Laufenden bleiben mit unserem Newsletter. Wir informieren über Kampagnen, Mitmachmöglichkeiten und spannende Events und freuen uns, wenn Sie dabei sind!

Newsletter abonnieren

Mehr zum Thema

Martin Kaiser mit Regenbogen

Wie weiter nach der Wahl in Sachsen-Anhalt?

Fast jede zweite Stimme in Sachsen-Anhalt ging an eine gesichert rechtsextreme Partei. Greenpeace-Chef Martin Kaiser ist, wie wir alle, schockiert. Warum wir jetzt erst recht weitermachen.

mehr erfahren über Wie weiter nach der Wahl in Sachsen-Anhalt?
Demonstration against Right-Wing Extremism in Berlin

10 Tipps zum Schutz der Demokratie

Unsere Demokratie ist bedroht. Zugleich stehen überall Menschen auf, um sie zu verteidigen. 10 Tipps, was jede:r Einzelne für mehr Menschlichkeit und Miteinander und gegen Hass und Hetze tun kann.

mehr erfahren über 10 Tipps zum Schutz der Demokratie
Greenpece-Aktiver Henry Schubert vor Greenpeace-Banner

„Die Gemeinschaft gibt mir viel Kraft“

Henry Schubert ist seit 2010 für Greenpeace aktiv. In Magdeburg kommt er dabei mit den Menschen in Kontakt. Ein Gespräch über Engagement in hitzigen Zeiten.

mehr erfahren über „Die Gemeinschaft gibt mir viel Kraft“
Schiffe in der Straße von Hormus

Die wahren Kosten des Kriegs im Iran

Während Öl- und Gaskonzerne Rekordgewinne einstreichen, zahlen andere die Rechnung: mit ihrem Zuhause, ihrer Gesundheit, ihrem Trinkwasser und ihrem Leben.

mehr erfahren über Die wahren Kosten des Kriegs im Iran
Gaza: Ceasefire Now - Action in Madrid

Greenpeace zum Nahostkonflikt

Der Nahostkonflikt bringt unendliches Leid. Greenpeace versucht, Menschlichkeit und Umwelt im Fokus zu behalten. Hier finden Sie unsere Position zum Krieg in Nahost.

mehr erfahren über Greenpeace zum Nahostkonflikt
Italian Tornado at Steadfast Noon Maneuver in Noervenich

Kräftevergleich Nato gegen Russland

Neue Greenpeace-Studie: Die europäischen Nato-Staaten sind Russland auch ohne die USA in wesentlichen militärischen Kategorien überlegen. Aber sie verzetteln sie sich in Kleinstaaterei.

mehr erfahren über Kräftevergleich Nato gegen Russland