Dima Litwinow: Die dritte Generation

Für Greenpeace arbeitet Dima schon lange. Der Anthropologe ist nicht der erste in seiner Familie, der für friedlichen Protest im Gefängnis saß. Als er nach drei Monaten wieder in seiner Heimat ankommt, betont er noch einmal: Der Kampf um die Rettung der Arktis ist nicht vorbei.
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Dima vereint gleich drei Nationalitäten in sich. Er wurde in Russland geboren, zog aber mit seiner Familie im Alter von zehn Jahren in die USA. Dort studierte er später Anthropologie. Heute lebt er mit seiner Frau Anita und seinen drei Kindern im Alter von 13, 19 und 26 Jahren in Stockholm. Dima ist sowohl amerikanischer als auch schwedischer Staatsbürger.

Der 51-Jährige arbeitet schon seit 1989 für Greenpeace Russland, USA und International. Seine Laufbahn begann im Bereich der Mitarbeiterwerbung in den Staaten. Bald kämpfte er gegen Atomwaffentests in Russland und gegen illegale Fischerei in der Arktis. Greenpeace Nordic setzte ihn als Campaigner ein. Bei Greenpeace Russland sitzt er in der Geschäftsleitung. Sein vielseitiger Einsatz für die Umwelt kam am 18. September abrupt zum Halt.

"Neue Geschichten kommen und gehen"

Dimas Schwester Lara stand ihrem Bruder aus der Ferne bei. "Er ist acht Jahre älter als ich, also war er immer mein großer Bruder und ich habe immer zu ihm aufgeschaut." Traurig, aber entschlossen blickt sie Anfang November in die Kamera. "Ich hoffe, die Welt vergisst es nicht. Neue Geschichten kommen und gehen und ich will einfach sicherstellen, dass immer genug Menschen darüber sprechen [...] Auch wenn Dima sehr stark ist, will ich nicht, dass er lange dort bleibt. [...] Wir wollen seine Freilassung, sobald wie möglich. Wir lieben ihn und denken an ihn [...] Wir wollen, dass er heimkommt."

Familientradition

"Dima könnte möglicherweise die dritte Generation politischer Gefangener in unserer Familie werden - eine traurige Ehre." In einem Artikel für die Washington Post berichtet Dimas Vater Pawel von dem "Desaster", das "uns zu Hause widerfahren ist." Einmal mehr sitzt ein engagiertes Familienmitglied zu Unrecht in Haft.

Dass er mit friedlichen Protesten auf unbequeme Wahrheiten aufmerksam macht, liegt gewissermaßen in der Familie. Sowohl Dimas Vater als auch sein Großvater saßen für Regimekritik und Protest im Gefängnis. "Ich weiß nur zu gut, was eine Haftstrafe in Russland bedeutet. Mich hat man festgenommen, weil ich 1968 gegen die russische Invasion in der Tschechoslowakei demonstriert habe", schreibt Pawel, "Lew Kopelew, Dimas Großvater mütterlicherseits, ein sowjetischer Autor, verbrachte acht Jahre in sowjetischen Arbeitslagern, weil er gegen die Plünderung und Vergewaltigung der deutschen Bevölkerung durch sowjetische Offiziere und Soldaten während des zweiten Weltkrieges protestiert hatte, als er die Nazis bekämpfte."

In Russland nichts Neues

Auch für Dima ist eine Inhaftierung in Russland nicht neu. "Weil er fließend russisch spricht, lud ihn Greenpeace als Dolmetscher zur ersten Aktion auf der Arktis-Insel Nowaja Semlja ein, wo die sowjetische Regierung Atommüll von jahrelangen Waffentests vergrub. Sowjetische Behörden nahmen die Aktivisten, auch Dima, fest und brachten sie nach Murmansk." Die Aktivisten kamen ein paar Tage später frei, auf Befehl des damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow. "Es war eine Zeit, die von Hoffnung auf eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Russland und dem Westen und der Kooperation im Umweltschutz geprägt war."

"Die Sowjetunion existiert nicht mehr", schließt Pawel seinen Artikel ab, "aber Dima wurde unter dem russischen Präsidenten Wladimir Putin festgenommen, einem ehemaligen Mitglied des sowjetischen Geheimdienstes, dem KGB. Ist es nicht langsam Zeit, den Kreis zu durchbrechen?“

"Der Kampf ist noch nicht vorbei"

Am 22. November durfte auch Dima das Gefängnis in St. Petersburg auf Kaution verlassen. "Es ist fantastisch, wieder frei zu atmen", ruft er in die Kamera und hält eine Fahne mit der Aufschrift "Save the Arctic" hoch. "Aber der Kampf ist noch nicht vorbei. Wir sind draußen, also ist das erst mal ein Schritt in die richtige Richtung [...] Aber die Arktis ist noch immer in Gefahr."

Zum Weiterlesen:

Die Chronologie der Arctic 30

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