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Tag der Meere

Tiefseebergbau, Förderpläne und Überfischung:  Zum „Tag der Meere“ protestieren Greenpeace-Aktivisten gemeinsam mit anderen Organisationen für mehr Meeresschutz. 

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Mit einer 5 Meter hohen Skulptur protestieren die Aktivisten an den Bremer Messehallen gegen die fortschreitende Ausbeutung unserer Weltmeere. Die Skulptur aus Tiefsee-Förderplattform, Öltanker, Fischerei-Trawler und verrostenden Atommüllfässern symbolisiert die „Bremer Stadtmusikanten der Meereszerstörung“.

Ausbeutung und „Blaues Wachstum“

Anlass des Protestes ist der Startschuss zur Konferenz „Blaues Wachstum“ zum europäischen Tag der Meere. Zwei Tage lang folgen Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft sowie Administratoren der Einladung von EU-Kommission und Bundesrepublik und beraten über Möglichkeiten die Ressourcen der Meere noch effektiver ausbeuten zu können.

Auch Deutschland ist an dieser Ausbeutung nicht unbeteiligt. Künftig sollen in einem 7500 Quadratkilometer großen Tiefsee-Gebiet Manganknollen gefördert werden. Demgegenüber beruht unser gesamtes biologisches Wissen über Tiefsee-Arten auf der Untersuchung eines Bereichs von lediglich 250 Quadratmetern weltweit. Die Umweltrisiken durch die Förderung von Tiefsee-Metallen sind daher nicht ansatzweise kalkulierbar.

Bisheriger Schutz: längst nicht genug

Obwohl sich die Mitgliedsländer der Europäischen Union bereits in zahlreichen regionalen und internationalen Abkommen wie den Meeresstrategie-Rahmenrichtlinien oder der Biodiversitätskonvention zum Schutz der Meere verpflichtet haben, dominiert immer noch die industrielle Ausbeutung der Ozeane die Diskussion.

“Der Klimawandel sorgt bereits dafür, dass die Meere versauern oder sich erwärmen. Die steigenden Temperaturen bedrohen zahlreiche Meeresorganismen. Nur durch sofortige Ausweisung und Kontrolle großflächiger Meeresschutzgebiete können die Effekte der globalen Katastrophe abgemildert werden. Die Ausbeutung der Tiefsee muss solange verboten sein, bis die Industrie durch Umweltverträglichkeitsprüfungen und Risikobewertungen ihre Nachhaltigkeit bewiesen hat, “ fordert Thilo Maack, Meeresexperte von Greenpeace.

Dabei gibt es längst festgesetzte internationale Standards wie das Vorsorgeprinzip oder der okösystemare Ansatz. Durch das Vorsorgeprinzip sollen Umweltschäden verhindert werden, bevor sie entstehen. Es werden keine wissenschaftlichen Daten abgewartet, die ein Problem beschreiben, sondern es wird aus Vorsorge gehandelt. Der ökosystemare Ansatz rückt das gesamte Ökosystem auf lange Sicht in den Mittelpunkt.  Auch menschliche Aktivitäten dürfen dabei nicht unberücksichtigt bleiben. Das bedeutet: Alle Gesellschaftsgruppen müssen sich ihrer Verantwortung bewusst werden und  erforderliche Maßnahmen mittragen. 

Diese längst etablierten Standards werden jedoch viel zu häufig ignoriert. Neben der Schaffung von neuen, muss daher vor allem die Durchsetzung bereits etablierter  Standards gewährleistet werden. „Tiefseebergbau, Hochseefischerei und Ölförderung zerstören das Ökosystem der Meere. Die EU muss den Industrie-Wildwuchs stoppen und endlich funktionierende Schutzsysteme einrichten, “ so Maack. Deswegen ist es dringend an der Zeit, dass die Bundesregierung sich für ein international verpflichtendes Völkerrechtsinstrument, das die Hohe See schützt, einsetzt. Es muss auf Ebene der Vereinten Nationen angesiedelt und seine Umsetzung durch die UN kontrolliert werden.
 

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