Massentierhaltung verschmutzt Europas Flüsse

Schlechter Einfluss

Die Massentierhaltung hinterlässt Spuren auch jenseits der Stallmauern. Greenpeace untersuchte europäische Gewässer und fand insbesondere Antibiotika und Pestizide.

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Wenn es richtig kalt ist, stapfen Kinder mit Schlittschuhen zum nahe gelegenen Bach. Im Sommer flitzen sie in Badehose zum Flüsschen. Bäche, Kanäle und Flüsse sind Freizeitvergnügen, Lebensadern oder – wenn der Fisch denn anbeißt – Nahrungsquellen. Und sie sind – und das ist weit weniger vergnüglich – ein Sammelbecken für Pestizide, Antibiotika und Nährstoffe, die allesamt aus der industriellen Massentierhaltung stammen.

Greenpeace hat in zehn EU-Staaten aus 29 Gewässern, die durch Regionen mit intensiver Tierhaltung fließen, jeweils eine Stichprobe genommen und im Labor untersucht. In allen Proben stellten die Wissenschaftler Pestizide fest – insgesamt mehr als 100 verschiedene Wirkstoffe. Eingesetzt werden diese beim Anbau von Obst und Gemüse, aber auch auf Äckern mit Futterpflanzen wie Mais. Einige dieser Gifte sind schon seit Jahren verboten.

Gülle verteilt Antibiotika und Nitrat

In fast 80 Prozent der Proben fanden sich Rückstände von Arzneimitteln, darunter zwölf Antibiotika und zwei Wirkstoffe, die ausschließlich in der Tierhaltung eingesetzt werden. Das beunruhigt insofern, da Mediziner die Zunahme von multiresistenten Keimen beklagen. Diese sind gegen die lebensrettenden Medikamente immun, da ihr Organismus durch den massiven Einsatz von Antibiotika gelernt hat, die Mittel abzuwehren. Dass die Rückstände aus der Tiermast über die Gülle in Gewässer gelangen, macht die Sache nicht einfacher. Erst vergangene Woche veröffentlichte Greenpeace einen Bericht über multiresistente Keime und Nährstoffe in deutschen Gewässern.

Die Nitratwerte lagen erstaunlicherweise unter dem EU-Grenzwert, was möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass der Sommer recht trocken war. Denn Regen spült die in der Gülle enthaltenen Nährstoffe wie Nitrat in Gräben und andere Gewässer. Für empfindliche Fische, Amphibien und wirbellose Wassertiere reichen die gefundenen Mengen aber allemal, um sie zu schädigen. Die Nitratwerte lagen zudem vielfach über dem für das Jahresmittel in Deutschland geltenden Zielwert für gute Gewässerqualität; auch zwei der deutschen Proben verfehlten zum Zeitpunkt der Probenahme diesen Wert.

Steuergelder neu verteilen

„Die Tierhaltung muss sich grundlegend ändern“, fordert Dirk Zimmermann, Experte für Landwirtschaft bei Greenpeace. „Die schlechte Haltung fördert Erkrankungen, zur Behandlung werden schnell und oft Antibiotika eingesetzt.“ Weniger Tiere wären ein Teil der Lösung – im einzelnen Stall, aber auch insgesamt. Denn die derzeitige Masse an Nutztieren, der damit verbundene Futtermittelanbau, die Menge an Gülle und die breite Gabe von Medikamenten verursachen massive Umweltschäden.

Eine Möglichkeit gegenzusteuern wäre, die Vergabe von Subventionen neu zu regeln. Derzeit bekommen die größten Höfe das meiste Geld. Die EU debattiert gerade, wie die Fördermittel ab dem Jahr 2020 verteilt werden sollen. „Die anstehende Reform der gemeinsamen Agrarpolitik der EU bietet die Chance, öffentliche Gelder nicht länger mit der Gießkanne zu verteilen“, so Zimmermann, „sondern sie an ökologische Leistungen und Anbaumethoden sowie eine bessere und umweltverträgliche Tierhaltung zu koppeln.“

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