Greenpeace fordert verbindliche Vorgaben für klimafreundliche Angebote in staatlichen Kantinen

Klimaschutz auf den Speiseplan

In 46 Städten protestierten am Wochenende Greenpeace-Gruppen gegen die fleischlastige und klimaschädliche Verpflegung in städtischen Kantinen.

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Der wachsende weltweite Fleischkonsum ist nicht nur mit vielfachem Tierleid verbunden, sondern verursacht auch hohe Folgekosten für Mensch und Umwelt – sei es die Verschlechterung der Wasserqualität durch Nitrat in der Gülle oder klimaschädliche Emisionen wie Methan oder CO2. Immerhin gehen rund 14 Prozent der Treibhausgasemissionen weltweit auf das Konto der Tierhaltung – das macht sie ähnlich klimaschädlich wie den Transportsektor. „Die deutschen Klimaziele sind nur erreichbar, wenn wir die Tierhaltung und auch den Fleischkonsum hierzulande deutlich reduzieren“, erklärt Dirk Zimmermann, Greenpeace-Experte für Landwirtschaft. 

Umstellung der öffentlichen Verpflegung

Grund genug für Greenpeace-AktivistInnen in ganz Deutschland im Rahmen eines bundesweiten Aktionstags eine naheliegende Konsequenz einzufordern: „Die Städte müssen mit gutem Beispiel vorangehen und das Angebot in den öffentlichen Kantinen klimafreundlicher machen. Das heißt: mehr Bio, mehr vegetarisch und vegan – und vor allem kein Billigfleisch aus Massentierhaltung“, fordert Zimmermann.  Städte wie Kopenhagen zeigen, was möglich ist: Dort werden in nahezu allen städtischen Kantinen bereits bis zu 90 Prozent Bio-Lebensmittel angeboten. 

In den Innenstädten von Aachen, Wuppertal, München und 43 weiteren Städten informierten die UmweltschützerInnen am Samstag deshalb mit Infoständen über den Zusammenhang von Fleisch, Klimakrise und Waldzerstörung. In einer Straßenumfrage brachten sie in Erfahrung, wie die BürgerInnen zum Thema klimafreundliche Umstellung der städtischen Kantinen stehen. Die Ergebnisse werden die Greenpeace-Gruppen auswerten und ihrer Stadt zur Verfügung stellen. 

Fleisch killt Wald und Klima

Wie der wachsende globale Fleischkonsum und die damit einhergehende Nachfrage nach Soja-Futtermitteln mit der Vernichtung wertvoller Ökosysteme für den Anbau von Soja zusammenhängt, haben die verheerenden Brände im Amazonas-Regenwald gezeigt: Rund 43.600 Quadratkilometer – eine Fläche so groß wie die Schweiz – sind 2019 bis Ende August im Amazonas abgebrannt. „Ohne eine Ernährungswende können wir Wälder und Klima nicht schützen“, stellt Dirk Zimmermann klar.  Unterstützung in dieser Sache kommt auch aus der Forschung. Zum diesjährigen Gipfeltreffen der 94 Städte des internationalen Klimaschutz-Netzwerks C40 im Oktober in Kopenhagen haben mehr als 200 internationale WissenschaftlerInnen die Stadtoberhäupter in einem Offenen Brief aufgefordert, den Fleischanteil in öffentlichen Kantinen zu reduzieren. 14 der C40-Städte, darunter Paris und London, verpflichteten sich daraufhin in einer Deklaration, den jährlichen Fleischkonsum der Bevölkerung auf 16 Kilogramm pro Person zu senken und das Angebot in den öffentlichen Kantinen auf dieses Ziel auszurichten. Derzeit liegt der weltweite durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch noch bei 44 Kilogramm.

Selbst aktiv werden?

Wer Lust bekommen hat, sich in der eigenen Stadt für besseres Essen in städtischen Kantinen einzusetzen, findet mehr Informationen auf der Greenpeace-Mitmachplattform Greenwire.

Wir brauchen eine Agrarwende und mehr Transparenz bei der Lebensmittelproduktion

Greenpeace setzt sich für eine Landwirtschaft ein, die sorgsam mit Tieren, Biodiversität und Klima umgeht, gute und gesunde Nahrungsmittel produziert und schonend wirtschaftende LandwirtInnen fördert. Das bedeutet für Europa und Deutschland vor allem, die Tierhaltung deutlich zu reduzieren und EU-Agrarsubventionen an Umwelt- und Klimakriterien zu binden. Mit der Einführung eines umfassenden Lieferkettengesetzes könnte zudem sichergestellt werden, dass deutsche Unternehmen zukünftig für zerstörerische Praktiken in ihrer Lieferkette haftbar gemacht werden – das würde auch Produkte aus Waldzerstörung wie Soja oder Palmöl betreffen. Interessierte, die dieses Anliegen unterstützen möchten, konnten am Infostand der Greenpeace-Gruppen eine Petition für ein Lieferkettengesetz unterzeichnen.

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