Interaktive Karten zeigen Ausmaß der Stickoxidbelastung in sechs Städten

Städten in die Karten gucken

Wie ist die Luftqualität am Wohnort, auf dem Weg zur Arbeit und in die Schule? Interaktive Karten zeigen Stadtbewohnern, wie stark Hauptstraßen mit Stickoxiden belastet sind.

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Die Wohnung ist  verkehrsgünstig gelegen, gerade noch erschwinglich, hat einen großen Balkon. Und endlich bekäme jedes der Kinder ein eigenes Zimmer. Die Familie ist entschlossen, sie zu kaufen. Doch lässt es sich im vermeintlich schönen neuen Eigenheim tatsächlich gut leben? Oder gefährdet die Schadstoffbelastung an der Straße die Gesundheit? Hinweise geben heute von Greenpeace veröffentlichte interaktive Karten

Darauf leuchten nicht nur vielbefahrene Hauptrouten, sondern auch kleinere zweispurige Straßen in einem nichts Gutes verheißenden Signalrot. Eine Farbe, die auf den Karten für die Überschreitung des Stickoxidgrenzwertes steht. Dieser liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel. Für bislang sechs Städte ­– Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt – hat Greenpeace die offiziellen Daten zu Stickstoffdioxid (NO2) in Pläne übertragen. Stadtbewohner können sich virtuell durch ihre Stadt bewegen und unkompliziert herausfinden, wie stark die durchschnittliche Belastung  am Wohnort, an der Schule oder auf dem Weg zur Arbeit ist.

Ganzes Stadtgebiet betroffen

Schnell ist klar, dass sich die vor allem durch Dieselabgase verursachten Luftprobleme auf Straßen im gesamten Stadtgebiet erstrecken. Bislang jedoch versuchen Städte die  gesundheitsschädlichen Stickoxidwerte mit Dieselfahrverboten auf wenigen Straßenabschnitten in den Griff zu bekommen. „Wir brauchen saubere Luft für alle Stadtbewohner und nicht nur rund um Messstationen“, sagt Benjamin Stephan, Greenpeace-Experte für Mobilität. „Deshalb müssen dreckige Diesel umgehend aus den Städten verschwinden.“

Veröffentlicht werden die NO2-Werte von den Städten; es sind modellierte Daten. Da nicht jede Straße eine NO2-Messstation hat, berechnen Wissenschaftler die Werte für das Stadtgebiet. Dafür nutzen sie die Ergebnisse der Messstationen, aber auch Faktoren, die die Stickoxidbelastung beeinflussen: Wetter, Verkehrsaufkommen und Bebauung.

So ist auch zu erklären, warum eine zwar vielbefahrene, aber kaum bebaute Straße teilweise besser abschneidet als eine weniger frequentierte, aber eng bebaute. Im ersten Fall kann bereits ein leichter Wind die Schadstoffe vertreiben, während sie in Straßenschluchten hängenbleiben. Für die Modellierungen müssen alle Daten aus einem Jahr stammen, die neuesten liegen für Hamburg aus dem Jahr 2014 vor, für Berlin und München aus 2015 und für die hessischen Städte aus dem Jahr 2017. Zudem wird in den Modellierungen nur die Belastung entlang der Hauptstraßen ermittelt, weshalb Greenpeace auch nur diese in den Karten darstellen kann.

Schnelle Hilfe

Abhilfe muss von den Städten und Landesregierungen kommen. Sie können mit weiträumigeren Fahrverboten für dreckige Diesel schnell für bessere Luft sorgen. Diese wären über eine blaue Plakette für Autos leicht zu organisieren. Dafür und für verbindliche Hardwarenachrüstungen auf Kosten der Hersteller muss Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) endlich den Weg frei machen. Längerfristig jedoch kann nur eine Verkehrswende die Lösung sein: weg vom privaten Pkw, hin zu geteilter Elektromobilität wie Bus und Bahn – und zum Fahrrad.

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