Wegfallende Pendelfahrten senken CO2-Ausstoß um 5,4 Millionen Tonnen pro Jahr

Klimaschutz im Kleinraumbüro

Zuhause zu arbeiten, spart Zeit, CO2 und entlastet den Verkehr. Eine Studie kalkuliert den Klimavorteil - und fordert eine staatliche Förderung von mehr Homeoffice-Tagen.

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Ende März schafft ein Virus, woran die meisten seit Jahren scheitern. Der plötzliche Lockdown drosselte den hohen, manchmal zu hohen Takt unseres Alltags. Vormals fromme Wünsche – weniger Rastlosigkeit, mehr Zeit mit der Familie – wurden plötzlich wissenschaftlich verordnet. Ein mobiles Büro in der Wohnung aufzuschlagen, ist für einige unmöglich, für manche belastend – für viele aber ein Segen. Zu den Profiteuren des unvermittelten Homeoffice-Booms gehören nicht nur Menschen, die gut aus den eigenen vier Wänden arbeiten können und die neue Flexibilität zu schätzen wissen. Von den wegfallenden Pendelwegen profitiert auch das Klima. Wie stark, das hat Greenpeace nun in einer Studie von der Berliner Denkfabrik IZT kalkulieren lassen. 

Zur Hochzeit der Pandemie im Frühjahr stieg die Zahl der Menschen, die ausschließlich von zuhause arbeiteten, sprunghaft an. Experten gehen davon aus, dass im April allein ein Viertel aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland durchgehend aus der eigenen Wohnung arbeiteten. Der Anteil derer, die zumindest teilweise von zuhause gearbeitet haben, lag noch viel höher. Mit den gelockerten Auflagen kehren viele von ihnen zumindest teilweise zurück ins Büro. Die Autorinnen der Greenpeace-Studie gehen entsprechend davon aus, dass die meisten Menschen auch künftig nur zeitweise von zuhause arbeiten wollen oder können. 

 5,4 Millionen Tonnen weniger CO2 pro Jahr

Die Spannbreite der Möglichkeiten deckt die Studie mit zwei Szenarien ab: Ein konservatives, in dem 25 Prozent aller Arbeitnehmenden ein oder zwei zusätzliche Tage im Homeoffice arbeiten. Konservativ ist diese Annahme deshalb, weil schon vor der Pandemie Unternehmen und ihre Mitarbeiter davon ausgegangen sind, dass etwa 40 Prozent aller Angestellten auch von zuhause arbeiten könnten. Diese 40 Prozent nimmt das zweite, fortschrittliche Szenario an und kalkuliert auch hier jeweils mit einem und mit zwei zusätzlichen Homeoffice-Tagen.

Das Ergebnis sollte die Bundesregierung aufhorchen lassen: Im fortschrittlichsten Fall, dass 40 Prozent zwei zusätzliche Tage pro Woche von zuhause arbeiten, senken die wegfallenden Pendelfahrten den CO2-Ausstoß um 5,4 Millionen Tonnen pro Jahr. Das entspricht 18 Prozent aller beim Pendeln entstehenden Emissionen. Nebenbei würde eine konsequente Förderung von Homeoffice das alltägliche Verkehrschaos in vielen Städten entspannen. Rund 35 Milliarden Personenkilometer – die allermeisten davon mit dem Pkw zurückgelegt – würden im fortschrittlichen Szenario pro Jahr entfallen. 

Gerade erst hat der Klimaschutzbericht der Bundesregierung den Rückstand des Verkehrs beim Klimaschutz unterstrichen. In den vergangenen Jahrzehnten sind die Emissionen hier nicht wie nötig zurückgegangen, sondern sogar gestiegen. Die von Verkehrsminister Andreas Scheuer ergriffenen Maßnahmen liefern allesamt deutlich weniger als von ihm angekündigt. Weil das absehbar war, räumte CSU-Mann Scheuer im Frühjahr selbst Nachholbedarf ein. Mehr Homeoffice wird die enorme Lücke nicht schließen, aber sie kann sie kleiner machen. 

Greenpeace fordert

Ein Recht auf Homeoffice: Arbeitende, deren Tätigkeiten sich auch von zuhause erledigen lassen, sollten daran von ihren Arbeitgebern rechtlich nicht gehindert werden können. 

Gutes Netz für alle: Durch einen raschen Ausbau von Glasfaseranschlüssen und der Einführung eines flächendeckenden 5G-Netzes sollen für alle Haushalte, auch in ländlichen Regionen, die Voraussetzungen für Telearbeit geschaffen werden.

Steuervorteile für Home Office und Abschaffung der Pendlerpauschale: Wer im Home Office arbeitet sollte die dadurch entstehenden Kosten einfach und unkompliziert steuerlich absetzen können. Parallel sollte die Pendlerpauschale, die einen Anreiz setzt für weite Arbeitswege, abgeschafft werden. Die so gewonnen Steuereinnahmen sollten in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs fließen, um auch Menschen zugute zu kommen, die nicht aus dem Homeoffice arbeiten können.

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