Energiewende

100 Prozent Erneuerbare sind machbar

Die Erneuerbaren Energien können schon in wenigen Jahrzehnten den Strombedarf in Deutschland hundertprozentig decken.

Sicher, umweltfreundlich und bezahlbar

Können die Erneuerbaren Energien uns sicher versorgen, auch wenn die Sonne nicht scheint und kein Wind weht? Eine oft gestellte Frage. Die Antwort lautet: ja. Die Erneuerbaren decken schon heute mehr als ein Viertel unseres Strombedarfs. 

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Greenpeace hat bereits 2007 mit der Studie „Klimaschutz: Plan B. Nationales Energiekonzept bis 2050“ aufgezeigt, wie der zügige Umbau der Energieerzeugung funktionieren kann, ohne dass die Lichter ausgehen. 

Natürlich ist der Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare kein Selbstläufer: Eine sichere und preiswerte Versorgung durch Erneuerbare Energien steht und fällt auch mit der Technik, Strom ohne große Verluste transportieren und Energie speichern zu können. Um die Transportwege möglichst kurz zu halten, setzt man verstärkt auf dezentrale – also auf viele Standorte verteilte – Kraftwerke nahe an den Verbrauchern.

Altes Stromnetz neu gemacht

Unser Stromnetz wurde vor circa 40 bis 60 Jahren entwickelt – ausgerichtet auf eine Verbindung zwischen Großkraftwerken und großen Verbrauchszentren, den Städten. Auch in Zukunft wird es einige große Stromerzeuger geben – wie die gewaltigen Windparks in der Nordsee oder die solarthermischen Kraftwerke, die mit hunderten Spiegeln das Sonnenlicht bündeln – beispielsweise in Südeuropa oder Afrika.

Der Großteil des zukünftigen Versorgungssystems wird aber aus zehntausenden kleiner Solarmodule, Windenergieanlagen oder anderen erneuerbaren Energien gespeist werden. Diese werden dezentral, also in unmittelbarer Nähe der Abnehmer errichtet, was lange, verlustreiche Transporte reduziert. Trotzdem brauchen wir auch zukünftig Netze, die saubere Energie sicher und effizient transportieren, um beispielsweise Großkraftwerke wie Offshore-Windanlagen oder Wüstenstrom aus Afrika mit ihren Abnehmern zu verbinden.

Mit den Bürgern zusammen planen

Eine innovative Netzinfrastruktur ist ein wesentlicher Schlüssel zum Systemwechsel auf Erneuerbare Energien: Greenpeace schlägt zum Beispiel vor, entlang von Bahntrassen oder Autobahnen systematisch Stromkabel zu verlegen. In der Nähe von Siedlungsgebieten sollten Kabel vorrangig unter der Erde verlegt werden. Bei neuen Oberleitungen helfen Mindestabstände zu Wohnhäusern, um berechtigte Interessen der Anwohner zu berücksichtigen. Die frühzeitige Einbindung von Betroffenen in die Planung und Umsetzung ist eine Voraussetzung dafür, Maßnahmen wie den Bau von Stromleitungen vergleichsweise schnell und mit Zustimmung der Bevölkerung umzusetzen. Eine Energiewende ist nur mit den Menschen, nicht gegen sie durchzusetzen.

Saubere Energie speichern – als Windgas

Unsere Industrie und Haushalte brauchen vorhersehbar konstante Energiemengen. Abhängig von Witterungsbedingungen werden Erneuerbare Energien bisher jedoch schwankend produziert: wenn die Sonne scheint, wenn der Wind weht. Unser heutiges Stromnetz kann schwankende Mengen sauberer Energie aber nicht aufnehmen, geschweige denn speichern. Was also machen? Ein Hoffnungsträger könnte die Herstellung von Windgas durch Greenpeace Energy sein. Die Technologie ermöglicht, Ökostrom zu speichern und bei Bedarf später als Energie zu nutzen.

Der Mix ist entscheidend

Nicht jede Energieform ist überall gleich verfügbar und jede hat andere Eigenschaften. Deswegen gilt es klug zu entscheiden, was man womit kombiniert. Erneuerbare Energien sollten grundsätzlich in einem sinnvollen Mix regional vernetzt werden. Ländergrenzen brauchen dabei keine Rolle zu spielen, Anwohnerinteressen jedoch sehr wohl.

2014 decken die Erneuerbaren Energien gut 27 Prozent des Strombedarfs. Wenn es weniger Stromeinspeisung aus Wind oder Sonne gibt, wird dies durch bestehende Kohle- oder Gaskraftwerke ausgeglichen. Zukünftig ist es wichtig, die Erneuerbaren intelligent zu vernetzen, beispielsweise Biomasseanlagen und Wasserkraftwerke stärker zu nutzen, wenn Wind und Sonne nicht zur Verfügung stehen. Auch die Erdwärme (Geothermie) birgt ein erhebliches Potenzial. Hier müssen Forschungs- und Entwicklungsgelder zur Verfügung gestellt werden. 
 

Zum Weiterlesen auf externen Seiten:
Umweltbundesamt: Erneuerbare Energien in Zahlen


 

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Häufig gestellte Fragen

  • Sind Wirtschaft und Arbeitsplätze in Gefahr?

    Bei den Erneuerbaren Energien sind bisher über 380.000 Jobs in Deutschland entstanden - rund sechsmal so viel wie in der Atom- und Kohleindustrie zusammen. Die Investitionen in saubere Energien kommen uns allen zugute: Sie bleiben im Land als Windparks oder Solaranlagen, die keine Brennstoffkosten mehr verursachen. Der Boom der Erneuerbaren schont die Umwelt und sichert Deutschland einen weltweiten Spitzenplatz beim Export grüner Technologie.  

  • Ist die Energiewende zu teuer?

    Den Ausstieg aus der Atomkraft gibt es nicht zum Nulltarif. Die Energiewende erfordert große Investitionen in neue Stromtrassen und Anlagen. Die Bundesregierung verschont die Industrie bisher jedoch weitgehend von den Kosten und bürdet sie vor allem den privaten Stromkunden auf. Atom- und Kohlestrom können allerdings nur deshalb billiger sein, weil ihre realen Kosten und Risiken auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. 

  • Welche Auswirkungen hat die Energiewende auf den Strompreis?

    Wie sich der Strompreis entwickelt, kann niemand mit Sicherheit voraussagen. Für Haushalte steigen die Kosten seit zehn Jahren kräftig. Obwohl alle Atomkraftwerke am Netz waren, haben sich die Preise um knapp 50 Prozent erhöht. Die Energiekonzerne machten in dieser Zeit Rekordgewinne von über 100 Milliarden Euro. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung erwartet für den Großhandelsstrompreis nur geringe Auswirkungen als Folge der Energiewende.

  • Warum steigt die EEG-Umlage?

    Einer der Preistreiber sind die großflächigen Vergünstigungen für stromintensive Industrien. Diese Unternehmen zahlen nur einen Bruchteil der EEG-Umlage und profitieren gleichzeitig von den günstigen Strompreisen an der Börse. Der starke Zuwachs an Photovoltaikanlagen sorgt zudem dafür, dass die garantierten Abgaben an diese Stromproduzenten steigen. Mehr Effizienzmaßnahmen könnten die höheren Kosten jedoch deutlich abmildern. 

  • Kommen jetzt bundesweite Stromautobahnen?

    Die Energiewende benötigt einen Umbau und Ausbau des Stromnetzes. Allerdings sollten die Netzoptimierung und die Netzverstärkung im Vordergrund stehen. Der aktuelle Netzentwicklungsplan setzt nach Ansicht von Greenpeace zu einseitig auf den massiven Ausbau (4000 Kilometer). Möglichkeiten wie ein funktionierendes Lastmanagement, Prüfung kommender Speichertechnologien oder die Stromproduktion vor Ort bleiben außer Acht.

  • Forderungen

    • Ausbau der Erneuerbaren im Strombereich: 60% bis 2030, 80% bis 2040, 100% bis 2050
    • Ausstieg aus der Kohle bis spätestens 2030
    • Beschleunigter Atomausstieg
    • Obergrenzen für den Energieverbrauch von Elektrogeräten

    Veröffentlichungen zu diesem Thema

    EU Kohle-Studie

    Die Studie "End of an era: Why every european country needs a coal phase-out plan" zeigt: Die CO2-Emissionen müssen dreimal schneller sinken.

    Klimaschutz: Der Plan

    Das Energiekonzept für Deutschland - mit der vorliegenden Studie aktualisiert Greenpeace das im Jahre 2007 erstmals als „Plan B“ veröffentlichte und zuletzt 2009 zum „Klimaschutz Plan B 2050“ erweiterte Szenario eines nahezu vollständig CO2-freien Deutschland.

    Erneuerbare Energien