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Hoffen und Bangen in Japan, nach dem Erdbeben besteht die Gefahr eines Atomunglücks

Japan ist in den letzten Tagen von einer schweren Naturkatastrophe getroffen worden. Erst erschüttert das schlimmste Erdbeben, das es je gab, das Land. Kurze Zeit später wurde die Küste im Nordosten Japans von einem Tsunami, einer bis zu zehn Meter hohen Flutwelle überrollt. Der Schock bei den Menschen sitzt tief und die Zerstörungen sind groß.

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In einem AKW wird es ohne Kühlung heiß, zu heiß

Große Sorgen bereitet den Menschen das Atomkraftwerk Fukushima. Die japanischen AKW sind zwar erdbebensicher gebaut, aber einem Beben dieser Stärke sind sie offenbar nicht durchweg gewachsen. Im AKW Fukushima ist durch das Beben die Kühlung ausgefallen. In einem Atomkraftwerk wird die Wärme der Brennstäbe genutzt um Strom zu produzieren. Die Stromproduktion im AKW ist jetzt zwar abgeschaltet, aber die Kühlung ist weiterhin notwendig. Ein AKW lässt sich nicht ausschalten wie eine Lampe, sondern muss langsam heruntergefahren werden. Die Brennstäbe hören nicht sofort auf, Wärme zu entwickeln und so entsteht eine Nachwärme, die noch sehr stark werden kann. Fällt die Kühlung aus, dann besteht die Gefahr, dass die Brennstäbe so heiß werden, dass sie schmelzen. In diesem Fall spricht man von einer Kernschmelze. Dabei entsteht sehr viel Hitze und Druck.

Vorsorglich werden viele Menschen in Sicherheit gebracht

Richtig gefährlich wird es für die Menschen und die Umwelt erst, wenn die Schutzmäntel im AKW der Hitze nicht mehr Stand halten und Radioaktivität in die Umwelt gelangen kann. Am Samstagmorgen ist die äußere Schutzhülle des Kraftwerks durch eine Explosion völlig zerstört worden. Die innere Schutzhülle um die Brennstäbe ist aber noch intakt und hält den Großteil der radioaktiven Strahlung zurück. Die Mitarbeiter in Fukushima sind mit aller Kraft dabei den Austritt radioaktiver Strahlung zu verhindern. Mit der Einleitung von Meerwasser in das Kraftwerk wollen sie die Brennstäbe vor dem Schmelzen schützen.

Weil jetzt schon in der Umgebung des Kraftwerkes eine zu hohe Belastung durch radioaktive Strahlung gemessen wird hat die japanische Regierung angeordnet vorsorglich die Menschen aus der Umgebung des Atomkraftwerks zu evakuieren. Mehr als 140.000 Menschen müssen ihre Häuser und ihren verbliebenen Besitz zurücklassen, damit sie nichts von der eventuell austretenden Radioaktivität abbekommen. Außerdem wird gemeldet, dass die japanische Regierung ein medizinisches Notfallteam in die Nähe des Kraftwerks geschickt hat. Ihre Aufgabe wird es sein, zu helfen, falls dort Menschen radioaktive Strahlung abbekommen. Zu dem Team gehören Ärzte, Pflegepersonal und Fachleute für die Messung von Radioaktivität.

Die Folgen der Katastrophe sind noch nicht einschätzbar

Die Menschen beginnen mit dem Aufräumen nach der Naturkatastrophe, aber ihre wirklichen Ausmaße sind noch nicht wirklich begreifbar. Auch die möglichen Folgen der Schäden im AKW Fukushima sind noch nicht abschließend erkennbar. Heinz Smital, der Atomexperte bei Greenpeace, sagt zu der Situation in Japan: Die Folgen der Fukushima-Katastrophe sind im Moment nicht einschätzbar. Die Auswirkungen hängen von folgenden Faktoren ab: 1. von der Menge der radioaktiven Freisetzung und 2. den Wetterbedingungen, sprich der Windstärke, Windrichtung und den Niederschlägen. Wir bei Greenpeace hoffen alle, dass es so wenig Menschen wie möglich trifft.

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