Jetzt spenden
Zwei Frauen in Kleiderboutique
Shutterstock

Kurzer Kick beim Kleiderkauf

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Kleider machen Leute, sagt der Volksmund. Allerdings nicht glücklich, zumindest nicht für lange: Zu diesem Schluss kommt das Marktforschungsinstitut Nuggets, das im Auftrag von Greenpeace mehr als 1000 Frauen zwischen 18 und 40 Jahren zu ihren Konsumgewohnheiten befragt hat. „Es ging uns ganz bewusst um das emotionale Kaufverhalten genau dieser Zielgruppe“, erklärt Alexandra Perschau, Greenpeace-Expertin für Textilien, warum keine Männer an der Umfrage teilnahmen.

Die Freude über das neue Oberteil oder das Schnäppchen im Schuhladen überdauert bei vielen kaum den Heimweg, so der Ergebnisbericht. „Auf den Kick folgt der Kater“, sagt Perschau. 60 Prozent der Frauen fühlen sich der Umfrage zufolge nach dem Einkaufen erschöpft und ausgelaugt. Wirklich gebraucht wird das Wenigste, das im virtuellen oder echten Einkaufskorb landet; hier spielen psychologische Mechanismen eine Rolle: Gekauft wird, um sich aufzumuntern, um Stress abzubauen oder das Selbstwertgefühl zu steigern. Und das nicht einmal erfolgreich, wie die Ergebnisse der Befragung zeigen.

Einkaufen kann zur Sucht werden

Die Katerstimmung kommt nicht von ungefähr, das künstliche Hoch (und das darauffolgende Tief) einer Shopping-Tour bestätigt ein anderes Ergebnis der Umfrage: Einkaufen im Übermaß trägt deutliche Züge von Suchtverhalten. Die Symptome ähneln sich: Obwohl die Konsumentinnen sich selbst Obergrenzen gesetzt haben, geben sie regelmäßig mehr Geld aus, als sie wollten; jede Vierte verheimlicht, wieviel sie tatsächlich eingekauft hat. Besonders anfällig dafür sind Frauen, die entsprechenden Profilen in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram folgen. Die suggerieren: Regelmäßig ein brandneues Outfit ist völlig normal – auch wenn es vielleicht nur einmal getragen wird.

Das Problem am übermäßigen Einkaufen ist nicht der fehlende Platz im Kleiderschrank, sondern die miserablen Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern und die Belastung der Umwelt, die das irrwitzige Tempo der Industrie nicht verkraftet. Es wird weit mehr produziert als gebraucht wird: 60 Prozent der befragten Frauen sagen, dass sie mehr Kleidung besitzen, als sie benötigen. Eine Greenpeace-Umfrage von 2015 fand heraus, dass 5,2 Milliarden Kleidungsstücke in den deutschen Schränken liegen, 40 Prozent davon werden selten oder nie getragen. Doch jedes Kleidungsstück kostet etwas, und zwar nicht nur, was auf dem Preisschild steht: „In den Herstellungsländern vergiften schädliche Textilchemikalien Mensch und Umwelt“, sagt Alexandra Perschau.

Modebewusstsein bedeutet nicht Verzicht

Seit Jahren engagiert sich Greenpeace darum für bewussten Konsum und eine Textilherstellung ohne Schadstoffe. Für viele Konsumentinnen sind Nachhaltigkeit und Fairness allerdings eher nachrangig bei der Kaufentscheidung: 55 Prozent interessieren sich für die sozialen Bedingungen der Produktion, für noch etwas weniger, nämlich 52 Prozent, spielt die Umweltverträglichkeit eine Rolle. Weitaus wichtiger sind Aussehen (96 Prozent) und Preis (85 Prozent).

Doch es gibt Alternativen, und die bedeuten nicht zwangsläufig Verzicht. Schließlich gibt es eine Fülle von Second-Hand-Klamotten; Modeblogger zeigen, wie gebrauchte Stücke zu frischen Hinguckern werden. Unter Meinungsmachern in sozialen Netzwerken behautet sich ein neues Modebewusstsein zwischen Upcycling und Do-It-Yourself mittlerweile auch wacker gegenüber den Versuchungen wöchentlich wechselnder Fast-Fashion-Kollektionen. „Kleidung als Wegwerfware ist bei den Trendsettern out“, erklärt Perschau. Die Durchschnittskonsumentin ist bedauerlicherweise noch nicht so weit.

  • Frau mit Einkaufstüten

    Wie eine Sucht

    Überspringe die Bildergalerie
  • Mädchen beim Einkaufen

    Mehr als muss

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie
REPORT: KONSUMKOLLAPS DURCH FAST FASHION - 2017

REPORT: KONSUMKOLLAPS DURCH FAST FASHION - 2017

Die Textil-Trends von heute sind der Müll von morgen. In immer kürzeren Abständen produzieren Fast-Fashion-Modemarken neue Trends. Günstige Kopien von Designer-Mode werden massenhaft gekauft und wieder weggeworfen. Echtes Recycling findet kaum statt. Die einzige Lösung: Weniger ist mehr.

Anzahl Seiten: 8

Dateigröße: 2.79 MB

Herunterladen
Vogel über Müllberg

Mehr zum Thema

Studioaufnahme: Textilien von Shein auf einem Haufen

Schäm dich, Shein

Schnell, billig, rücksichtslos – das ist das Geschäftsmodell von Fast-Fashion-Konzern Shein. Greenpeace hat zum dritten Mal Produkte ins Labor geschickt – wieder mit beunruhigenden Ergebnissen.

mehr erfahren über Schäm dich, Shein
Vreni mit Sonnenbrille

Vreni Jäckle: Mode ist politisch

Vreni ist Gründungsmitglied der Fashion Changers. Im Interview zeigt sie, wie Mode eng mit Politik, Diskriminierung und Aktivismus verbunden ist.

mehr erfahren über Vreni Jäckle: Mode ist politisch
Phoebe steht vor einer Zimmertür.

Mit Phoebe die Masche der Industrie checken

In einer Welt, in der das nächste Kleidungsstück immer nur einen Klick weit entfernt ist, zeigt Phoebe, wo wir genauer hinschauen können – auf Verarbeitung, Materialien und die Versprechen der Marken.

mehr erfahren über Mit Phoebe die Masche der Industrie checken
Larissa fotografiert sich im Spiegel

Mit Larissa den eigenen Style finden

Larissa aka larytales zeigt auf Social Media, wie sie Slow Fashion mit dem ultimativen Organisations-Tool der Fashion-Welt lebt: der Capsule Wardrobe. Wie das klappt, verrät sie im Interview.

mehr erfahren über Mit Larissa den eigenen Style finden
Discokugel und Konfetti

Silvester ohne Umweltverschmutzung: 6 nachhaltige Tipps

Die Silvesterfeier ist ein guter Moment, um alte, unschöne Gewohnheiten hinter sich zu lassen und nachhaltiger ins neue Jahr zu starten.

mehr erfahren über Silvester ohne Umweltverschmutzung: 6 nachhaltige Tipps
Nach oben gereckte Arme hinter einem rosa Kleiderhaufen

Umfrage: Kaufverhalten bei Kleidung

Fünf Milliarden Kleidungsstücke – doch ein Drittel bleibt ungetragen. Eine Greenpeace-Umfrage zeigt: Kleidung wird immer schneller aussortiert.

mehr erfahren über Umfrage: Kaufverhalten bei Kleidung