Textilindustrie vergiftet Gewässer

Mehr als 90 Prozent unserer Kleidung stammen aus Asien, insbesondere aus China, Bangladesch oder Indien – und verursachen dort gewaltige Umweltschäden. Die Textilindustrie vergiftet Flüsse und Trinkwasser, die Bevölkerung Chinas ist der schlimmsten Wasserverschmutzung weltweit ausgesetzt.
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Über zwei Drittel der chinesischen Flüsse und Seen sind als verschmutzt klassifiziert. Giftstoffe aus den Fabriken werden oft ungeklärt abgeleitet und tauchen später im Trinkwasser und Essen auf. In Tieren und Menschen sind diese Schadstoffe immer häufiger nachweisbar und schaden der Gesundheit. 

Als Teil der Detox-Kampagne hat Greenpeace zuletzt in dem Report „A Little Story About A Monstrous Mess“ nachgewiesen, dass Textilfabriken giftige Abwässer ins Meer leiten. Auf Satellitenbildern ist zu erkennen, dass die Abwässer sich wie eine riesige schwarze Wolke – so groß wie fünfzig olympische Schwimmbecken – im Meer ausbreiten. Greenpeace suchte und fand den Verursacher dieser Umweltkatastrophe: das Industriegebiet „Wubao Dyeing“ in der Nähe der chinesischen Stadt Shishi, in dem ein Großteil der chinesischen Kinderkleidung für den Export produziert wird. Greenpeace-Tests der Fabrikabwässer wiesen einen ganzen Cocktail gefährlicher Chemikalien nach, darunter Nonylphenol, Antimon oder Chlorbenzole.

Die Vergiftung des Wassers in Shishi ist nur die Spitze des Eisbergs. Von 435 registrierten Abfluss-Stationen in China hielten sich 2012 zwei Drittel nicht an Umweltstandards. Und jede Vierte ignoriert sie einfach ganz. Die Chemikalien reichern sich im Sediment an und schaden Wasserorganismen und Menschen.

Die Produzenten in China profitieren von den schwachen Umweltauflagen

Gerade Sportartikelhersteller wie Adidas und Nike spielen mit einem sportlichen und fairen Image. Die Verbraucher erfahren nichts von den eingesetzten Schadstoffen – auf den Etiketten wird nicht darauf hingewiesen. Und die Hersteller waschen den Großteil der Kleidung während der Produktion mehrfach, damit sich kaum Rückstände der Schadstoffe im fertigen Produkt finden. Dabei profitiert die Textilindustrie von den mangelhaften Umweltschutzauflagen der Produktionsländer in Asien und Mittel- und Südamerika. Die Chemikalien werden oft ungeklärt in die Flüsse geleitet oder die Kapazität der Kläranlagen reicht nicht aus – und die Flüsse werden zu Kloaken, sauberes Trinkwasser zu Mangelware.

Greenpeace setzt sich dafür ein, dass auch in den Produzentenländern die gesetzlichen Auflagen verschärft werden.

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