Brand Audit Report 2020 von Break Free From Plastic

Markenzeichen Müll

Plastikproduzenten ignorieren ihre Verantwortung für die Umwelt – und jene Menschen, die sie für sie übernehmen. Eine Markenanalyse nennt die größten Verschmutzer beim Namen.

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Ohne sie würde es nicht funktionieren: Müllsammler*innen in Ghana, Brasilien, Indien oder auf den Philippinen sind das oft zu Unrecht vergessene Rückgrat des Recyclingsystems. “Ich halte meine Stadt sauber, das verschafft mir Zufriedenheit”, sagt Asha, die in Indien Plastikabfälle einsammelt und nach Verwertbarkeit trennt. Menschen wie sie kämpfen an vorderster Front gegen die Plastikflut, und sie sehen am genauesten, wo die Probleme liegen.

Der jährliche Brand Audit der weltweiten Initiative Break Free From Plastic, an der sich auch Greenpeace beteiligt, ist eine Markenanalyse der größten Verschmutzer durch Einwegplastik. Das heißt, die Auswerter*innen schauen: Wer ist wo für wieviel Plastikmüll verantwortlich? In diesem Jahr befasst sich der Report auch mit der Lage der Müllsammler*innen, die in vielen Ländern die Wiederverwertung von Kunststoffen erst möglich machen. Obwohl sie unverzichtbare Arbeit leisten, erfüllen sie in den seltensten Fällen eine offizielle Funktion – sie machen das freiberuflich, um etwas Geld zu verdienen. 

Indem sie den recycelbaren Müll sortieren, helfen sie Unternehmen sogar, ihre Nachhaltigkeitsversprechen zu erfüllen. Dabei sehen die sogenannten “Wastepicker” allerdings auch, wo die Firmen sie brechen. Denn das, was tatsächlich in die Wiederverwertung geht, wirkt klein im Vergleich zu den Bergen an unverwertbarem Einwegplastik, das von multinationalen Konzernen produziert wird.

Die Überraschung bleibt aus, der Skandal nicht

Insgesamt 346.494 Plastikteile aus 55 Ländern hat Break Free From Plastic – unter anderem mit Hilfe der Müllsammler*innen – in diesem Jahr ausgewertet. Eine große Überraschung gab es dabei nicht und hat wohl auch niemand erwartet: Die Coca-Cola Company, PepsiCo und Nestlé sind erneut die größten Verursacher von Kunststoffmüll weltweit. Der Skandal ist deswegen aber nicht geringer: Nach wie vor weisen diejenigen, die den Planeten in die anhaltende Plastikkrise manövriert haben, jegliche Verantwortung von sich und betreiben – solange das Geschäft sich lohnt – weiter “business as usual”.

Führend ist zum dritten Mal in Folge Coca-Cola. In 51 Ländern wurden insgesamt 13.834 Stück Verpackungsmüll zum Konzern gehörender Marken registriert – mehr als die beiden im Ranking nachfolgenden Firmen PepsiCo und Nestlé zusammen. Diese Ergebnisse zeigen zudem einen deutlichen Anstieg der Müllmenge: 2020 kamen in 14 Ländern 2102 mehr Kunststoffmüll-Teile aus dem Hause Coca-Cola zusammen als bei der weltweiten Zählung des vergangenen Jahres.

Derweil gibt es seitens der Unternehmen bloß Greenwashing und Scheinlösungen. “Diese Unternehmen behaupten, die Plastikkrise anzugehen, investieren aber weiter in die falschen Antworten darauf. Dabei arbeiten sie mit Ölkonzernen zusammen, um noch mehr Plastik zu produzieren”, sagt Manfred Santen, Greenpeace-Experte für Chemie. “Um diese Entwicklung zu stoppen und die Klimakrise zu bekämpfen, müssen die Verursacher ihre Abhängigkeit von Einwegverpackungen beenden und sich von fossilen Brennstoffen lossagen.“

Dreimal so viel Plastik bis 2050?

Danach sieht es allerdings derzeit nicht aus, und die vorliegende Analyse bestätigt das erneut. Wenn die Entwicklung weitergeht wie bisher, könnte sich die Kunststoffproduktion bis 2030 verdoppeln und bis 2050 sogar verdreifachen, so die Verfasser*innen des Reports.

Für die Müllsammer*innen im globalen Süden, in Ländern ohne effiziente Entsorgungssysteme, bedeutet die vermehrte Produktion von nicht-wiederverwertbaren Plastikverpackungen außerdem, dass sie bald ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können: Geld gibt es nur für Wertstoffe, also Recyclebares. “Ich kann es mir nicht leisten, meine Arbeitszeit damit zu verbringen”, sagt Asha und zeigt auf Portionsbeutelchen für Ketchup und Instantkaffee. “Unsere Abflüsse verstopfen damit, während sich die großen Unternehmen die Taschen vollmachen.” Einwegplastik ist für alle ein mieses Geschäft – nur nicht für die Verschmutzer.

>>> Die Zukunft ist unverpackt oder gehört Mehrweglösungen! Schreiben Sie der Bundesumweltministerin Svenja Schulze, damit sie verpackungsfreies Einkaufen für Handel und Kund*innen möglich macht.

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