Greenpeace-Report zu den Umweltfolgen deutschen Plastikmülls in Malaysia

Exportschlager Umweltgifte

Deutschland löst sein Plastikproblem nicht, es schiebt es nur weiter – in Länder, die mit der Bewältigung überfordert sind. Ein Greenpeace-Report beleuchtet die Gesundheitsfolgen.

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Mineralwasser aus der Glasflasche oder im leichten PET-Kanister? Frische Kräuter aus dem Topf oder in der Plastikschale mit Kunststofffolie drumherum? Aus Bequemlichkeit greifen die Deutschen beim Einkauf oft zu Plastik – immerhin trennen wir ja unseren Müll, damit solche Einwegverpackungen recycelt werden. 

Beim Blick auf Abfallberge in Südostasien löst sich das gute Gewissen allerdings jäh in Luft auf. Alleine im vergangenen Jahr verschiffte Deutschland rund 130.000 Tonnen Plastikmüll nach Malaysia, die zum Teil auf illegalen Mülldeponien landen. Ein neuer Greenpeace-Report zeigt das Ausmaß der Umweltverschmutzung – und wie sie die Gesundheit der Menschen dort gefährdet.

Mythos Recycling

Mit dem Mythos Recycling rechtfertigen wir unsere Konsumgewohnheiten – doch die Wiederverwertung funktioniert schon in Deutschland nicht besonders gut, nur ungefähr die Hälfte des anfallenden Plastikmülls wird tatsächlich recycelt. Zum einen können miteinander verklebte, unterschiedliche Kunststoffsorten – etwa bei Joghurtdeckel und -becher – in der Wertstoffanlage nur noch aussortiert werden. Zum anderen ist es einfach viel zu viel Müll: Was nicht recycelt wird, landet in der Verbrennung, in der Umwelt oder wird verschifft. Von den jährlich in Deutschland vorsortierten 5,2 Millionen Tonnen Plastikmüll gehen mehr als 15 Prozent in den Export, zumeist in südostasiatische Länder.

Seit 2018 hat sich die Lage dort noch verschlimmert. Damals verhängte China einen Importstopp für Plastikmüll, weswegen Länder wie Indonesien, Thailand oder eben Malaysia umso stärker unter der Last internationaler Müllexporte leiden. Erlaubt ist das, weil die Plastikabfälle offiziell in die Wiederverwertung gehen sollen – allerdings fand Greenpeace einen erheblichen Teil nicht-recyclebarer Materialien auf den Deponien.

Gefahr für Mensch und Umwelt

Diese Plastikabfälle machen krank. Wo nicht recyclebarer Plastikmüll in Malaysia unkontrolliert auf Freiflächen gelagert oder gar verbrannt wurde, fanden sich im Boden Rückstände von bromierten Flammschutzmitteln, außerdem Schwermetalle wie Antimon, Cadmium und Blei. Die gemessenen Konzentrationen sind so hoch, dass zumindest an zwei Standorten ein Risiko für die Flora und Fauna, allerdings auch für die Gesundheit der dort lebenden Menschen besteht. Die gefundenen Schadstoffe können das Nervensystem schädigen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen und sich bei Kindern entwicklungshemmend auswirken. 

Im Teich einer Fischzucht in der Nähe einer Plastikmülldeponie wiesen die Proben Metalle und Metalloide wie Antimon, Nickel und Kupfer auf. „Die Schadstoffe können in die Nahrungskette gelangen und für die Bevölkerung ein erhebliches gesundheitliches Risiko darstellen“, sagt Manfred Santen, Greenpeace-Experte für Chemie. Eine schnelle Reinigung von Böden und Gewässern sei darum dringend erforderlich.

Wege aus der Plastikkrise

Auch Deutschland trägt dafür eine Verantwortung. Im Februar wandte sich ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis einschließlich Greenpeace mit 15 Forderungen an die Bundesregierung, die Wege aus der Plastikkrise beschreiben. „Das globale Problem mit dem Plastikmüll können wir nur lösen, indem wir den Verbrauch von Einwegplastik drastisch reduzieren“, so Santen. Aber das ist nicht genug. Deutschland soll sich auch an den Kosten der in Malaysia und anderswo entstandenen Schäden beteiligen. Wer den Dreck gemacht hat, muss ihn auch wegräumen – so einfach ist das.

>>> Hier finden Sie die 15 Forderungen an die Bundesregierung.

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