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Jugendliche mit "Zu klein für 1,5 Grad" vor Berliner Eifeltürmchen
© Sina Niemeyer / Greenpeace

EU beschließt Klimaziel – Wird es ausreichen?

Auf dem EU-Gipfel heute und morgen legen die Staatschefs das neue EU-Klimaziel fest. Notwendig wären 65 Prozent Klimagas-Minderung bis 2030. Ob die EU auf die Wissenschaft hört?

Bei Corona ist mittlerweile Licht am Ende des Tunnels zu sehen – es gibt vielversprechende Impfstoffe, noch ein paar harte Wintermonate, dann wird bei dieser Krise hoffentlich das Schlimmste überstanden sein. Doch bei einer anderen, bei einer sogar noch viel größeren Krise ist dieser Punkt noch lange nicht erreicht: Trotz aller Versprechen und Maßnahmen ist eine Trendwende bei der Klimakrise noch nicht in Sicht. Die Treibhausgase steigen weltweit immer weiter an.

Heute und morgen, wenn in Brüssel der Europäische Rat tagt, werden die Staats- und Regierungschef*innen der europäischen Mitgliedstaaten ihr neues Klimaziel für 2030 verabschieden. Zusammen sind sie der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasen, nach China und den USA. Wirtschaftlich stark, top entwickelt – und tun sich doch so schwer, beim Klimaschutz zu liefern. 

Wissenschaftlich notwendig wären 65 Prozent Minderung 

Denn eigentlich müsste die EU den Ausstoß ihrer Treibhausgase innerhalb von zehn Jahren um 65 Prozent senken. Nur so kann Europa seinen Beitrag dazu leistet, dass die Weltgemeinschaft es schafft, die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen – das Ziel, auf das sich die Staaten vor fünf Jahren im Pariser Klimaschutzabkommen geeinigt haben, das Ziel, das notwendig ist, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimakollaps zu verhindern. 

Nun sind Beschlussvorlagen vorab durchgesickert, laut denen die EU nur eine Reduzierung um „netto“ 55 Prozent anstrebt. „Netto“ bedeutet, dass Emissionen abgezogen werden, die von Wäldern und Böden gespeichert werden. Durch diesen Rechentrick läge die tatsächliche Reduktion des Ausstoßes klimaschädlicher Gase bei lediglich 50,5 Prozent. Und das reicht nicht.

Wenn uns das Jahr 2020 eins gelehrt hat, dann doch: Dass sich Krisen nicht mit schönen Worten und halbherzigen Taten in den Griff bekommen lassen. Wenn die Kurve runter muss, dann muss sie runter, auch wenn es dazu harter Einschnitte bedarf. Das gilt für die Infektionszahlen von Covid 19 genauso wie für die Treibhausgasausstöße der einzelnen Länder.

Die Klimakrise wird mehr Menschenleben kosten als Corona, sie wird mehr Familien in Armut stoßen als Corona und sie wird die Wirtschaft schlimmer beuteln als Corona. Noch haben wir Menschen aber die Chance das Blatt zu wenden. Im Moment liegen außerdem finanzielle Mittel in Milliardenhöhe auf den Tischen, um die Wirtschaft nach der Corona-Krise wieder in Schwung zu bringen. Wenn wir diese Gelder klug nutzen, wenn die EU und andere Wirtschaftsräume sich jetzt ambitionierte Klimaziele setzen – dann können wir auch diese zweite, die Klimakrise, in den Griff bekommen.

 

+++++ Up-Date 11. Dezember  11 Uhr +++++

Chance verpasst!

Es ist dann leider doch nur der Minimalkonsens geworden: In den Morgenstunden haben die EU-Staatsoberhäupter ihr neues Klimaziel beschlossen, und es ist schwach. Bis 2030 soll der jährliche Kohlendioxidausstoß in der EU formal um 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 sinken n.  Einziges Zugeständnis an ernstzunehmenden Klimaschutz: Es wurde das Wort „mindestens“ nicht auch noch aus der Schlussvereinbarung gestrichen.

 

Allerdings soll erstmals die Speicherfähigkeit von Wäldern und Böden mitgerechnet werden, so dass der reale Ausstoß an Treibhausgasen lediglich um 50,5 Prozent sinken muss. Viel zu wenig, mahnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Vereinten Nationen . Dazu meint Martin Kaiser, Geschäftsführender Vorstand von Greenpeace:    

 

Während Millionen Menschen auf einen großen Sprung im Klimaschutz hofften, machte der EU-Rat mit der Vorsitzenden Angela Merkel lediglich einen frustrierenden Trippelschritt. Die Kanzlerin und der Rat scheuten die notwendige Auseinandersetzung mit der Öl-, Gas- und Kohleindustrie. Das neue Klimaziel wird die Menschen nicht ausreichend vor kommenden Wetterextremen schützen. Nun liegt es am europäischen Parlament, sich für ein höheres Ziel einzusetzen.

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