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In der Sächsischen Schweiz löschen Einsatzkräfte den Waldbrand
S. Baum / @fire

Sächsische Schweiz: erst die Flut, nun die Brände

Was die Menschen rund um den Nationalpark Sächsische Schweiz binnen eines Jahres erleben müssen, lässt sich nur mit einem Wort beschreiben: Klimakrise. Ein Greenpeace Lagebericht

 

Eine Straße, die sich plötzlich in einen reißenden Fluss verwandelt, weggespülte Autos und abgebrochene Felskanten – diese Bilder, so erzählt Johannes Paul habe er noch im Kopf, als sei es gestern gewesen. Vor einem Jahr stand er hier in der sächsischen Schweiz bei Bad Schandau knietief im Wasser. Jetzt blickt der 72-Jährige schon wieder besorgt auf die nächste Katastrophe: Waldbrände – nur wenige Kilometer Luftlinie von seiner Hütte entfernt. Dabei sind die Schäden vom Hochwasser immer noch unübersehbar.

„Es ist unglaublich“, sagt Paul. „Im letzten Jahr haben wir gegen die Fluten gekämpft, wir haben noch nicht mal die Hochwasserschäden beseitigt und nun kommt schon wieder das nächste Wetterextrem.“

Seit Wochen wüten in der Sächsischen Schweiz Waldbrände. Wir von Greenpeace sind vor Ort, wollen uns selbst ein Bild von der Lage machen. In Bad Schandau treffen wir Stefan Fellner von @fire. Er und seine Kolleg:innen gehören zu den rund 2000 ehrenamtlichen Helfer:innen, die bei der Brandbekämpfung unterstützen und gerade im Einsatzzentrum neue Kraft tanken.

Zwar sei die Situation mittlerweile unter Kontrolle, aber bis die Feuer vollständig gelöscht seien, wird es noch Wochen dauern, so Fellner. Seinen Angaben zufolge stellen vor allem die Glutnester tief im Boden eine Herausforderung für die Feuerwehrleute dar. Der Boden müsse in mühsamer und kräftezehrender Arbeit aufgerissen und dann stark gewässert werden. Schwere Geräte oder Fahrzeuge könnten in dem felsigen und steilen Gelände nicht eingesetzt werden. Hinzu komme der fehlende Regen und anhaltende Dürre.

Saxon Switzerland during the Forest Fires

Greenpeace-Ehrenamtlicher Johannes-Paul zeigt den trockenen Wald bei Ottendorf

Naturnahe Wälder wichtiger denn je

Es knistert, ein Duft von ätherischen Ölen liegt in der Luft, typisch für Nadelhölzer.

Johannes Paul hat seine Hütte am Rande des Nationalparks in Ottendorf verlassen und führt uns durch ein angrenzendes Waldgebiet. Die Trockenheit ist auch hier omnipräsent; und besonders Fichten leiden unter der Klimakrise. Großflächig haben sich einst dunkelgrüne Bäume in Baumfriedhöfe voll dürrer, brauner Skelette verwandelt. Trockene und heiße Sommer wie dieser machen die Bäume zudem anfällig für Borkenkäferattacken. 

Um Szenarien wie diese zu vermeiden, setzt sich Greenpeace für naturnahe Wälder und mehr echten Waldschutz ein. Besonders Monokulturen aus Nadelhölzern sind Brandbeschleuniger.

Die Gründe für die Feuer selbst, so wird uns vor Ort nochmal bewusst, sind vielfältig und erhitzen die Gemüter fast so sehr wie die Waldbrände selbst. Einig sind sich Nationalpark, Einsatzkräfte und Anwohner jedoch über eines. Das Wetter wird immer extremer. Verdorrte Wiesen und Äcker, ausgetrocknete Bäche, abgestorbene Wälder – die vergangenen Dürrejahre sind laut Helmholtz- Zentrum für Umweltforschung die schlimmsten seit 250 Jahren. Vielerorts fehlen um die 100 bis 150 Liter Wasser pro Quadratmeter im Boden.

Nach den Überschwemmungen, nun die Feuer

  • Sommer 2021: Überflutete Straße in der sächsischen Schweiz

    Sommer 2021: Überflutete Straße in der sächsischen Schweiz

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  • Etliche Häuser fielen den Wassermassen zum Opfer

    auch etliche Häuser und deren Eingänge fielen dem Hochwasser 2021 zum Opfer

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  • Nach den Fluten jetzt die Brände. Hauptgrund: Wetterextreme und Dürren führen zu Trockenheit auch im Wald

    Sommer 2022: Brände. Ein Hauptgrund sind Wetterextreme sie führen zu Trockenheit - auch im Wald

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  • Besonders trockene Nadelhölzer und Monokulturen sind Brandbeschleuniger.

    Besonders trockene Nadelhölzer und Monokulturen sind Brandbeschleuniger.

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Vor Jahren abgebranntes Waldgebiet erholt sich im Nationalpark schnell

Hoffnung macht ein abgebranntes Waldgebiet unweit der aktuellen Feuer, das wir uns zum Abschluss ansehen: eine Brandfläche an der Bastei, einer Felsformation mit Aussichtsplattform in der Nähe von Rathen. Dort, wo vor vier Jahren Flammen wüteten, Erde verbrannte und Bäume verkohlten, sprießt nun neues Leben. Heidekraut, Farne und sogar kleine Bäume. Wer nicht weiß, dass es hier brannte, sieht davon heute nichts mehr. Am Telefon erklärt uns Nationalparksprecher Hanspeter Mayr die Vegetation. „Das wird hoffentlich ein neuer Riff-Kiefernwald, typisch für die Sächsische Schweiz und genau der Wald, der hier auch von Natur aus wachsen würde.“ Das zeigt, was möglich ist, welches großes Potenzial die Natur besitzt, sich ihren Lebensraum wieder zurückzuholen. Wenn man sie denn lässt.

Waldbrand, Hochwasser, Hitzewelle und ein Hoffnungsschimmer – die Menschen rund um den Nationalpark Sächsische Schweiz erleben innerhalb eines  Jahres katastrophale Wetterextreme. Wer denkt, dass wir Zeit haben, irrt. Wir erleben bereits jetzt, was in Zukunft nur noch schlimmer wird. Umso wichtiger, dass wir unsere Wälder stärken, anstatt sie weiter zu schwächen. Denn sie sind unersetzliche Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise und Artenvielfalt.

 

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