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Produktion des ersten FCKW-freien Kühlschranks "Greenfreeze" im Kelon-Werk in Shunde, China.
© Alan Hindle / Greenpeace

Greenfreeze: Der FCKW-freie Kühlschrank

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

 

Februar 1991

Auf der Haushaltsmesse Domotechnica in Köln wird Greenpeace auf die sächsische Firma dkk Scharfenstein aufmerksam, die ihre Kühlschränke als einzige Firma nicht mit FCKW, sondern mit pentangeschäumtem Polystyrol isoliert. Bei den von anderen Herstellern angekündigten angeblich FCKW-freien Geräten - als neues Kältemittel wird R134a gepriesen - sollen die Ozonkiller weiterhin in der Isolierschäumung verwendet werden. Das sächsische Unternehmen sieht im Greenpeace-Vorschlag, mit der Propan/Butan-Technik etwas ganz Neues auf den Markt zu bringen, eine Chance.

Juli 1992

Greenpeace investiert 26.000 Mark, damit dkk Scharfenstein zehn Prototypen des ersten FCKW- und FKW-freien Kühlschranks produzieren und testen kann. Wolfgang Lohbeck tauft ihn Greenfreeze. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Die Treuhand will die Firma dkk liquidieren; gleichzeitig geben die "Chlorreichen Sieben" der westdeutschen Kühlschrankhersteller - Bosch, Siemens, Liebherr, Miele, Electrolux, AEG und Bauknecht - eine "freiwillige Selbstverpflichtung" ab, FCKW durch R134a zu ersetzen und verkaufen ihre Kühlschränke als "Ökogeräte".

August 1992

Greenpeace startet eine breitangelegte Anzeigenkampagne für Greenfreeze und geht mit dem Kühlgerät kreuz und quer durch die Bundesrepublik auf Werbetour. Ziel ist, dkk Scharfenstein und Greenfreeze die Zukunft zu sichern und die Ökolüge der "Chlorreichen Sieben" zu entlarven. Die Werbungskosten von 100.000 Mark erweisen sich als gut angelegt: In nur vier Wochen gehen 65.000 Vorbestellungen ein, darunter Großbestellungen von Versandfirmen wie Neckermann. Die Treuhand muss von ihren Liquidationsabsichten Abstand nehmen, 540 Menschen behalten ihren Arbeitsplatz.

Erstmals hat Greenpeace ein Produkt mit allen Mitteln des modernen Marketings auf den Markt gebracht. Nicht alle Greenpeace-Fördererinnen und Förderer waren zu Beginn von dieser Strategie begeistert. Wieso "verkauft" ein gemeinnütziger Verein einen Kühlschrank? Doch das war ein Missverständnis: Greenpeace hat keinen einzigen Kühlschrank verkauft, sondern allein die dkk. Die Treuhand hatte zu Beginn der Aktion zwar süffisant vorgeschlagen, die "reiche Organisation" solle dkk doch übernehmen - ein Weg, den ein gemeinnütziger Umweltschutzverein schon aufgrund seiner Satzung und des Gemeinnützigkeitsgesetzes nicht einschlagen kann und will. Greenpeace hat an Greenfreeze keinen Pfennig verdient, alle Erlöse flossen direkt an dkk.

Oktober 1992

Greenpeace stellt seine Vorbestellungs-Aktion ein: Das vorläufige Ziel, der Erhalt von dkk Scharfenstein, ist erreicht. Greenfreeze funktioniert und findet Abnehmer. "Können oder wollen Sie nicht?" fragt Greenpeace daher in einer Anzeigenserie, die westdeutsche Hersteller zum Umstieg auf Propan/Butan auffordert. Die Branche reagiert pikiert: Das Ostprodukt sei explosiv und ein Stromfresser. Doch diese "Argumente" sind allzu durchsichtig: In jedem Greenfreeze steckt kaum mehr Gas als in einem Feuerzeug, und im Stromverbrauch bewegt sich der Ökokühlschrank bereits 1992 durchaus im Mittelfeld der Konkurrenzmodelle.

 

Februar 1993

Auf der Hausgerätemesse Domotechnica ist dkk Scharfenstein, inzwischen in "Foron" umbenannt, nicht mehr der einzige Anbieter FCKW- und FKW-freier Kühlgeräte. Die Verunglimpfungskampagne der "Chlorreichen Sieben" hat den Erfolg von Foron nicht stoppen können. Jetzt wollen einige unter ihnen den Sachsen die Schau stehlen. Bosch, Siemens, Liebherr und Miele haben erste Greenfreeze-Modelle im Sortiment und wollen darüber hinaus ihre gesamte Gerätepalette auf pentangeschäumtes

Isoliermittel umstellen - eine technische Revolution. AEG isoliert und kühlt seinen angeblichen Ökokühlschrank hingegen nach wie vor mit dem Klimakiller R134a. Grund für Greenpeace, den Daimler-Benz Ableger, der in ganzseitigen Anzeigen vollmundig erklärt, "Einer muss der erste sein", mit der Variante "Einer muss der letzte sein" auf der Messe zu empfangen.

Frühjahr 1994

 

Ein Jahr, nachdem die ersten großen Hersteller mit dem Umstieg begonnen haben, weiß nur Bauknecht nicht, was Kunden wünschen. Alle anderen führenden deutschen Elektrohersteller stellen ihre Geräte in Isolation und Kühlung auf Naturgase um. Damit ist endgültig Lohbecks Befürchtung vom Tisch, die auf der Domotechnica präsentierten Prototypen würden als Ökoalibi ein Nischendasein fristen. Das "Unmögliche" ist plötzlich möglich - in ganz Deutschland. Doch für das Greenfreeze-Team war seit Beginn der Kampagne klar: Der Ausstieg in Deutschland konnte nur ein erster Schritt sein. Denn die Zerstörung der Ozonschicht und des Klimas ist ein weltweites Problem. Was mit dem Weltklima und der Ozonschicht passiert, entscheidet sich zu einem guten Teil in China, Indien, Südostasien und Lateinamerika. Besonders in China spielt sich derzeit das gewaltigste "Wirtschaftswunder" der neueren Geschichte ab, mit einer atemberaubenden jährlichen Wachstumsrate von mehr als zwölf Prozent und einem unaufhaltsamen Drang nach klassischen Statussymbolen und westlicher Technik. Bis heute haben die wenigsten der 1,1 Milliarden Chinesen einen Kühlschrank, der Absatz von jährlich rund sechs Millionen (1993) wird in den nächsten Jahren gewaltig ansteigen. Schon früh richtete Greenpeace das Augenmerk auf diesen Markt.

Petition

https://act.greenpeace.de/vw-klage

Für ein Recht auf Zukunft, nicht Verbrenner

Für ein Recht auf Zukunft, nicht Verbrenner. Greenpeace klagt gemeinsam mit mit dem Bio-Landwirt Ulf Allhoff-Cramer und Fridays for Future-Klimaaktivistin Clara Mayer mehr Klimaschutz bei Volkswagen ein. Unterstützen Sie die Klage mit Ihrer Unterschrift!

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