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Zerstörtes Wasserkraftwerk nach Gletscherabbruch
picture alliance / Associated Press

Gletscherabbruch im Himalaya: Gebirge in Not

Der Gletscherabbruch in Indien, bei dem mindestens 49 Menschen ums Leben kamen, ist eine Tragödie – und Vorbote weiterer Katastrophen, die mit der Klimakrise zusammenhängen können.

Die Katastrophe ereignete sich am Morgen des 7. Februars im indischen Bundesstaat Uttarakhand: In rund 2000 Meter Höhe löste sich ein Gletscher vom Nanda Devi, dem zweithöchsten Berg Indiens. Der Abbruch löste eine Sturzflut aus, bei der nach jetzigem Wissen mindestens 49 Menschen ums Leben gekommen sind. Unter der massiven Flut wurden auch zwei Wasserkraftwerke begraben, in denen zur Zeit der Katastrophe etliche Arbeiter:innen tätig waren. Noch immer werden mehr als 150 Menschen vermisst, die vermutlich nur noch tot geborgen werden können.

Das Vorher-Nachher-Bild zeigt die betroffene Region Uttarakhand und die besonders stark von der Flut überschwemmte und zerstörte Baustelle des Tapovan-Wasserkraftwerks. (Zum Vergleich den Schieberegler bewegen.)

Wie konnte das passieren? Seit Jahren beobachten Forscher:innen weltweit den Rückgang von Gletschern aufgrund der Erderhitzung – auch in Deutschland. Umkehren lässt sich dieser Trend kaum noch, selbst wenn der globale Temperaturanstieg unter den geforderten 1,5 Grad Celsius bleibt – jene Grenze, auf die sich die Weltgemeinschaft beim Pariser Klimaabkommen geeinigt hat, um die schlimmsten Auswirkungen der Klimaveränderungen aufzuhalten. Ein Drittel des sogenannten Ewigen Eises im Himalaya wäre auch dann unwiederbringlich verloren, so die Autor:innen einer vor knapp zwei Jahren veröffentlichten Studie des Internationalen Zentrums für Gebirgsentwicklung in Kathmandu. Macht die Welt so weiter wie bisher, könnten die Gletscher im größten Gebirge der Welt bis zum Ende des Jahrhunderts weitgehend verschwunden sein.

Gletscher im Stress

Die Gletscher stehen unter Klimastress – und die Temperaturen in der Himalaya-Hindukusch-Region steigen laut der erwähnten Studie sogar noch stärker als im globalen Mittel. Der Gletscherabbruch am Nanda Devi ist möglicherweise eine Folge dieser Klimakatastrophe. Und weitere Auswirkungen drohen. „Es bilden sich nach dem Rückzug der Gletscher große Gletscherseen, die die darunter gelegenen Ortschaften und Menschen bedrohen“, sagt Karsten Smid, Greenpeace-Experte für Klima. „Es ist zu befürchten, dass es eine wachsende Anzahl von extremen Sturzfluten gibt, wenn die Temperaturen ansteigen und die Berggletscher sich zurückziehen.“

Als Ursache des Unglücks kommt aber auch ein Felsabbruch in Folge von seismischen Aktivitäten in der Region in Frage. „Auch das Auftauen von Permafrost bei steigenden Temperaturen kann die Stabilität von Hängen verringern und die Wahrscheinlichkeit von solchen Felsabbrüchen oder Erdrutschen erhöhen“, so Smid. „Mit letzter Sicherheit lässt sich die Ursache der Katastrophe kaum feststellen.“


Das Satellitenbild gibt eine Ahnung der gewaltigen Masse, die vom Gletscher abbrach und eine Sturzflut auslöste.

Die Katastrophe ist nicht zu Ende

Der Verlust der Gletscher im Himalaya hat auch Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung der dort lebenden Bevölkerung, da sich Süßwasserquellen aus deren Schmelzwasser speisen. Bis zu 800 Millionen Menschen erhalten ihr Wasser zumindest teilweise von den umliegenden Gletschern, so eine Studie aus dem Jahr 2019. Wenn die Menschheit die Erderhitzung nicht entschlossen bekämpft, steht ihnen die größte Katastrophe noch bevor. 

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