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Greenpeace-Experte Jörg Feddern im Schlauchboot mit Boje
© Daniel Müller / Greenpeace

Greenpeace simuliert Unfall: So könnte sich Öl in der Nordsee verbreiten

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Die traurigen Bilder von Ölkatastrophen sind bekannt: Verschmutzte, verendete Seevögel, schwarze Schlieren auf der Wasseroberfläche, Helfer in Overalls, die aufräumen und Steine schrubben. Einmal ausgetreten, lässt sich das Öl nur schwer wieder aus dem Meer beseitigen. Wo Tanker fahren, wo Pipelines verlaufen und gebohrt wird, besteht immer das Risiko eines schweren Unfalls; im schleswig-holsteinischen und niedersächsischen Wattenmeer steigt die Gefahr eines Ölunglücks, wenn der Ölkonzern Dea hier seine Erkundungsbohrungen durchsetzt – mitten im Nationalpark.

Um zu demonstrieren, wie sich Öl in dem empfindlichen Ökosystem verbreiten könnte, brachten Greenpeace-Aktivisten heute Morgen vier frei schwimmende Bojen mit GPS-Sendern in der Nordsee aus, jeweils in der Nähe der geplanten Bohrstellen: drei im schleswig-holsteinischen, eine im niedersächsischen Wattenmeer. Öl breitet sich insgesamt zwar etwas anders aus – doch wo sie hintreiben, würde im Ernstfall auch ausgetretenes Öl landen. (Unsere Simulation nach Abschluss des Experiments zeigt, wie sich die Bojen im Wattenmeer verteilten.)

Zerbrechlicher Lebensraum für Millionen Tiere

Leidtragende eines Unglücks wären die Tiere des Wattenmeers, das seit 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt. Der Nationalpark ist der Lebensraum von Schweinswalen und Robben; bis zu zwölf Millionen Vögel rasten, brüten oder überwintern hier jährlich. „Ein Ölunfall würde das fragile Ökosystem des Wattenmeers massiv beschädigen“, sagt Jörg Feddern, Biologe und Greenpeace-Experte für Öl.

Darum wendet sich Greenpeace an die politischen Entscheider. Die Umweltminister Robert Habeck in Schleswig-Holstein und Stefan Wenzel in Niedersachsen, beide Bündnis 90/Die Grünen, müssen die Probebohrungen erst noch genehmigen. Greenpeace fordert die Minister auf, ihre Zustimmung zu den Plänen zu verweigern und Dea nicht im Schutzgebiet bohren zu lassen.

Bei der Risikoabwägung kommt ins Spiel, dass es sich bei der im Wattenmeer vermuteten Ölmenge um ein eher geringes Reservoir handelt: 20 Millionen Tonnen Öl, soviel verbraucht Deutschland in gerade einmal zwei Monaten. Dafür die Artenvielfalt im Meer und an den Küsten dauerhaft aufs Spiel zu setzen, ist unverhältnismäßig und verantwortungslos. „Das müssen die Minister mit einem klaren Nein zu Deas Plänen verhindern“, so Feddern.

Beluga II auf Küstentour

Das Greenpeace-Aktionsschiff Beluga II ist in den kommenden Wochen unterwegs, um über die Bohrpläne von Dea zu informieren. Nach der Flusstour, auf der die Besatzung den Plastikmüll in den Meeren zum Thema machte, fährt die Beluga nun entlang der Nordseeküste und legt in elf Häfen an. Eine Ausstellung an Bord zeigt die jeweils aktuellen Standorte der Bojen, außerdem können Besucher selbst protestieren und Postkarten an die Umweltminister unterzeichnen (zum Tourplan). Los geht es am 26. Juli in Norderney.

Simulation: Welche Gebiete würde ein Ölunfall verschmutzen?

>> Mitten im Nationalpark Wattenmeer will der Ölkonzern Dea erneut nach Öl bohren. Fordern Sie Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck auf, die Probebohrungen nicht zu genehmigen.

  • Greenpeace-Ölexperte Jörg Feddern beim Ausbringen der Bojen auf der Nordsee

    Auf den Weg geschickt

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  • Beluga im Wattenmeer

    Aktionsschiff vor Ort

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  • Greenpeace-Aktivisten errichten eine Bohrturm-Attrappe im Wattenmeer

    Aktivisten mit Attrappe

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  • Ölplattform Mittelplate im Wattenmeer

    Mittelplate in Sichtweite

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