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Kayaktivisten gegen Kinder Morgan
© Emma Cassidy / Greenpeace

Nach Protesten: Baut Kinder Morgan die Erweiterung der Trans-Mountain-Pipeline in Kanada?

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Die kanadische Trans-Mountain-Pipeline ist nicht nur Umweltschützern ein Dorn im Auge: Auch die Politik streitet um ihren Sinn. Nun sprach die Baufirma überraschend ein Machtwort.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung für Öl-Pipelines ist eigentlich recht simpel. Der Nutzen: Energie transportieren, logisch. Die Kosten: angesichts zu erwartender Umweltschäden belegbar hoch und somit unverantwortlich. Das zeigt auch eine vor kurzem veröffentlichte Studie. In der hat Greenpeace sich die Bilanz zweier US-amerikanischer Ölunternehmen vorgenommen und die Sicherheit ihrer Ölleitungen beurteilt: ETP, Sunoco sowie deren Ableger meldeten zwischen 2002 und 2017 insgesamt 527 Zwischenfälle an die Behörden. Bei den meisten trat Rohöl aus, in anderen Fällen bereits raffiniertes Öl und andere umweltschädliche Chemikalien – im Schnitt ein Unfall alle elf Tage. 

Größere Trans-Mountain-Pipeline  – größere Probleme

So eine anfällige Technologie weckt zu Recht kein Vertrauen. Weswegen an der kanadischen Pazifikküste ein erbitterter Streit um den Bau einer solchen Pipeline entbrannt ist. Das Unternehmen Kinder Morgan beabsichtigt, die Kapazität der bereits vorhandenen Trans-Mountain-Pipeline zwischen Edmonton und Vancouver um das Dreifache zu erweitern, auf einer Strecke von rund 1000 Kilometern – und stößt auf Protest, nicht nur bei der indigenen Bevölkerung Kanadas, durch deren Land die Leitung verläuft. Die Trans-Mountain-Pipeline ist in mehrerlei Hinsicht problematisch:

  • Das Öl stammt aus Teersand in der Provinz Alberta, eine der schmutzigsten Arten, Öl zu gewinnen. Ihr fallen große Waldflächen zum Opfer, gewaltige Mengen Wasser und Energie sind dafür nötig, außerdem produziert das Verfahren regelrechte Giftseen. 
  • Am Ende der Pipeline warten riesige Tankschiffe auf die Öllieferungen. Ihre Zahl würde sich mit der erweiterten Pipeline um das Siebenfache steigern, auf bis zu 408 Öltanker, die pro Jahr ablegen. Doch mit der Einrichtung eines „Supertanker“-Highways entlang der Pazifikküste wächst nicht nur das Risiko von schwer beherrschbaren Ölunfällen im Meer. Der erhöhte Schiffsverkehr stört auch das empfindliche Ökosystem der Pazifikküste. Dort leben zum Beispiel Schwertwale, die in der Region bereits nahezu ausgestorben sind; derzeit geht man noch von 76 Walen aus, die hier leben. Lärm und Verschmutzung durch einen kaum abreißenden Strom von Öltankern könnte das Schicksal der Meeressäuger endgültig besiegeln.
  • Auf der Strecke zwischen Alberta und dem Meer passieren immer wieder Unfälle, insgesamt 82 Lecks meldete Trans Mountain seit 1962 an die kanadische Energiebehörde NEB. Ausgetretenes Öl kann das Trinkwasser in der Region verunreinigen.

Wird die Pipeline gebaut?

Nach anhaltenden Protesten ist die entscheidende Frage allerdings nach wie vor nicht abschließend beantwortet: Wird die Kinder-Morgan-Pipeline gebaut? Greenpeace und Aktivisten der kanadischen First Nations sind sich sicher: Ganz gewiss nicht – und sie bekommen Rückendeckung vom Regierungschef der Provinz British Columbia, durch die der meerseitige Teil der Pipeline läuft. Der Politiker allerdings liegt im Clinch mit seiner Amtskollegin in Alberta, die den Ausbau befürwortet. Zuletzt mischte sich Kanadas Premierminister Justin Trudeau ein, mit einem Basta-Tweet, der so gar nicht auf sein fortschrittliches Image einzahlt: „The Trans Mountain expansion will be built“, schrieb er, auf Deutsch: Die Trans-Mountain-Erweiterung wird gebaut.

Doch so sicher ist der Bauherr da selbst nicht mehr. Kinder Morgan hat verlauten lassen, dass sie das Vorhaben erst einmal ruhen lassen, bis sie sicher sein können, das Projekt auch tatsächlich wie vorgesehen durchziehen zu können. Davon gehen sie derzeit offenbar nicht aus, aufgrund des politischen Tauziehens und der anhaltenden Proteste. Der Stichtag für die endgültige Entscheidung ist bereits der 31. Mai. Dass der Bau schlichtweg vertagt wird, ist unwahrscheinlich: Irgendwann schließt sich wegen des kanadischen Winters das Fenster für weitere Bauarbeiten; sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen, wäre für das Unternehmen Kinder Morgan nach eigener Aussage nicht wirtschaftlich

Trudeau: Energiepolitik gegen Klimaschutz

Gemeinsam mit der indigenen Bevölkerung Kanadas hat Greenpeace gegen den Bau der Pipeline protestiert, mit Märschen, an denen mehrfach rund 10.000 Menschen teilnahmen. Den kanadischen Premierminister verfolgt das Thema mittlerweile sogar auf Staatsbesuch in Großbritannien. Greenpeace-Aktivisten bauten vergangene Woche eine „Crudeau“- Pipeline vor die kanadische Botschaft in London – ein Wortspiel mit dem englischen Wort für Rohöl, „crude oil“.

Ein schmerzhafter Realitätscheck für Trudeau, der als Vorsitz der diesjährigen G7-Konferenz in Quebec das Thema Klimaschutz ganz oben auf die Agenda gesetzt hat. Wasser predigen und Wein trinken: So lange die kanadische Energiepolitik auf klimaschädliches Öl setzt, sind Trudeaus Bekenntnisse zum Klimaschutz wenig ermutigend.

  • Demo-Marsch in Vancouver

    Tausende gegen die Öl-Pipeline

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  • Eindeutiger Adressat

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  • Wachhaus in Metro Vancouver

    Das Wachhaus

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  • Crudeau-Pipeline vor der kanadsischen Botschaft

    Klimaschutz und Öl: Das geht nicht zusammen

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  • Crudeau-Pipeline vor der kanadischen Botschaft

    Oh, Kanada...

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