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Mit der Rettungskapsel an der Ankerkette der Stena Carron im September 2010
Will Rose / Greenpeace

Aktivisten erklettern Bohrschiff vor Shetlands

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Geschafft! Das Bohrschiff Stena Carron wird seine geplante Ölbohrungen in 500 Metern Tiefe vor den Shetland-Inseln vorläufig nicht durchführen. Greenpeace-Aktivisten konnten das Schiff erklettern. 

Mit Schlauchbooten rasten die Aktivisten am frühen Dienstagmorgen auf das 228 Meter lange Bohrschiff der Ölfirma Chevron zu und kletterten über die riesige Ankerleine aufwärts. Die deutsche Greenpeace-Aktivistin berichtet per Satellitentelefon vom Schiff: Unglaublich, diese riesige Ankerkette zu erklimmen. Die Kettenglieder waren etwa so groß wie ich und das Chevron-Schiff ist eins der größten, die ich je gesehen habe. Beide Aktivisten harrten über Nacht in Zelten auf der Ankerkette hängend aus. Am folgenden Morgen befestigten Greenpeace-Mitglieder von Schlauchbooten aus eine Überlebenskapsel und tauschten die Aktivisten vor Ort aus. Die gelbe Kapsel misst etwa zwei Meter im Durchschnitt und ermöglicht es dem neuen Team, bis zu einem Monat auszuharren.

Das bedeutet, die Stena Carren wird zunächst kaum mehr ihr Ziel erreichen: Das Lagavulin-Ölfeld, etwa 200 Kilometer nördlich von den Shetlands.

Dort wittert Chevron mehr als 600 Millionen Barrel Öl und plant 18 neue Explorations-Bohrungen. Zum Vergleich: Das Macando-Ölfeld im Golf von Mexiko soll laut BP-Chef Tony Hayward lediglich 50 bis 100 Millionen Barrel enthalten. Wie viele andere seiner Branche weigert sich Chevron, ihren Notfallplan im Falle einer möglichen Ölkatastrophe offenzulegen. Obwohl der genaue Hergang des Unglückes der Deepwater Horizon immer noch nicht geklärt ist, machen die Ölfirmen weiter, als wäre nichts geschehen, sagt Jörg Feddern, Ölexperte bei Greenpeace. Auch vor unseren Küsten ist ein Unglück wie im Golf von Mexiko jederzeit möglich.

Signal an die OSPAR-Konferenz in Bergen

Pünktlich zur diesjährigen OSPAR-Konferenz zum Meeresschutz von Nordost-Atlantik und Nordsee unterstreicht die Greenpeace-Aktion den deutschen OSPAR-Antrag: Umweltminister Röttgen hatte - auch auf Druck von Greenpeace - das Thema Tiefseebohrungen auf die Konferenz-Agenda gesetzt. Inhaltlich überzeugt der Antrag allerdings kaum. Und: Minister Röttgen wird im Gegensatz zu einigen Amtskollegen nicht einmal am Ministerial Meeting teilnehmen, um seinem Anliegen Druck zu verleihen. Zum Schutz unserer Küsten müssen die OSPAR-Staaten ein Verbot von Tiefseebohrungen verhängen. Nur so haben wir die Chance, unsere Küsten effektiv vor den Auswirkungen eines Unfalls zu schützen. Immerhin sind mindestens 25 Tiefseeprojekte im Raum der OSPAR in Planung, so Feddern. Greenpeace ist als Beobachter in Bergen vor Ort und fordert die OSPAR-Vertragsstaaten auf, den riskanten Run auf die Tiefsee zu beenden.

Raus aus der Tiefsee!

Die Aktion ist Teil der internationalen Go Beyond Oil-Kampagne von Greenpeace. Das Greenpeace-Schiff Esperanza ist unterwegs, um auf die gefährlichen Tiefseebohrungen der Ölindustrie aufmerksam zu machen. Bereits der alltägliche Förderbetrieb verschmutzt schleichend die Meere - im Falle einer Ölkatastrophe ist kein Ölkonzern gerüstet. Zuletzt konnten vier Aktivisten vor der Westküste Grönlands die riskanten Bohrversuche der britischen Ölfirma Cairn Energy für mehr als vierzig Stunden stoppen.

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  • Greenpeacer an der Ankerkette der Stena Carron im September 2010

    Protest in der Nordsee

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25 Jahre Brent Spar

25 Jahre Brent Spar

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