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Greenpeace-Aktivisten schwimmen mit Banner und Gepäck zur Ölplattform
Andrew McConnell / Greenpeace

Klimaschutz-Protest auf Plattform in der Nordsee: Keine neue Öl- und Gasförderung

Vier Aktivisten in Neoprenanzügen im Bug der Rainbow Warrior

Letztes Foto an Bord der Rainbow Warrior.

Vier Aktivist*innen haben eine Ölplattform besetzt. Sie fordern, jede weitere Ausbeutung von Öl und Gas sofort zu stoppen. Offshore-Wind statt Öl ist ihre Devise gegen Klimakrise.

Kalt war das Wasser, gestern am frühen Morgen, doch ruhig lag die See. Zum Glück, denn der Weg war weit: Mitten in der Nordsee, Stunden von jedem Ufer entfernt, gingen vier Aktivistinnen und Aktivisten von Bord des Greenpeace-Schiffes Rainbow Warrior ins Wasser, um zur 500 Meter entfernten dänischen Ölplattform “Dan Bravo“ zu schwimmen. Weiter dürfen sich Schiffe Ölplattformen nicht nähern. Ihr Gepäck – Essensvorräte, Schlafsack, Zahnbürste und Handy, zogen sie mit sich mit. In wasserdichten Säcken verpackt, tanzte es auf den Wellen. Denn die Umweltschützer – eine Frau und drei Männer, darunter zwei Deutsche – haben nicht vor, die Ölplattform so schnell wieder zu verlassen. In Zeiten des aus den Fugen geratenden Klimas noch weiter auf klimaschädliches Öl zu setzen, halten sie für ein Verbrechen an künftigen Generationen.

 „Ich fordere von meiner Regierung, sofort jede weitere Suche nach Öl und Gas zu verbieten“, erklärt die 21-jährige dänische Aktivistin Ida Marie, eine der vier Aktivistinnen und Aktivisten. „Wegen des Mangels an Verantwortung meiner Regierung nutze ich mein Recht auf friedlichen Protest, um eine alte, von fossilen Brennstoffen angetriebene Welt zu beenden. Die dänische Regierung bremst den grünen Aufschwung, den wir jetzt brauchen".                              

#Kein Geld für gestern

Aktivisten an Bord der Dan Bravo

Angekommen auf der dan Bravo.                                                                                                             

Denn die Nordsee ist ein riesiges Industriegebiet mit über 400 Plattformen. Mit 55 Bohrinseln im dänischen Teil der Nordsee ist Dänemark der größte Ölproduzent und der siebtgrößte Gasproduzent in der Europäischen Union. Deswegen kommt dem kleinen Land mit eigentlich fortschrittlichem Image auch eine besondere Verantwortung zu. Nicht nur die Verbrennung, auch die Förderung fossiler Brennstoffe ist ein großes Umweltproblem: Erst kürzlich dokumentieren Greenpeace-Aktive in der Nordsee ein großes Methan-Leck sowie – an einer anderen Plattform – eine starke Ölverschmutzung des Meeres.

Auch in der deutschen Nordsee stehen eine Öl- und eine Gasplattform, und ein Umdenken der deutschen Regierung in Sachen fossile Brennstoffe ist nicht in Sicht. Die Gasplattform „A6-A“ liegt im äußerten Bereich der deutschen Nordsee im sogenannten Entenschnabel, 300 Kilometer nordwestlich der Elbmündung. Die Ölförderplattform „Mittelplate“ liegt im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, sieben Kilometer vor der Küste.

Windenergie ausbauen

Ölplattform Dan Bravo

Der erste Abend auf der Dan Bravo.

„Die Öl- und Gasindustrie befeuert seit Jahrzehnten die Klimakrise und belastet unsere Meere", sagt der deutsche Aktivist Fabian. "Diese Industrie gehört nicht in die neue grüne Welt, die wir nach der Pandemie aufbauen müssen. Wir brauchen einen schnellen Wandel zu Erneuerbaren Energien, wir müssen den Ausbau von Windenergieanlagen forcieren, nicht an den Technologien von gestern festhalten.“

Nutzung und Ausbau der Offshore-Windenergie finden in deutschen Gewässern hauptsächlich in den Hochseegewässern der deutschen Nord- und Ostsee statt. Insgesamt waren 2019 rund 1.470 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Gesamtkapazität von etwa 7.500 MW am Netz. An Land standen in Deutschland standen 2019 insgesamt 29.456 Onshore-Windenergieanlagen.

Windkraft wird ausgebremst

Doch der Windkraft-Ausbau stockt in Deutschland, obwohl Windenergie für die Energiewende zentral ist. Auf 65 Prozent soll der Anteil Erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2030 ansteigen. So hat es die Bundesregierung im Klimaschutzprogramm 2030 und im Klimaschutzgesetz beschlossen.

Allerdings ist der Ausbau der Windenergie in den letzten Jahren praktisch zum Erliegen gekommen ist. Immer kompliziertere Genehmigungsverfahren, regional unterschiedliche Abstandsregelungen und jede Menge „falscher Fakten“ machen es zusehends schwerer, neue Windräder in Betrieb zu nehmen. Dabei liegt der naturverträgliche Bau neuer Windanlagen an Land im „öffentlichen Interesse“ und müsste daher leichter genehmigt werden. Zu diesem Schluss kommt ein neues Rechtsgutachten, das der Ökoenergieanbieters Greenpeace Energy erstellt hat.

Bedingungen für Zukunftstechnologien verbessern

Banner auf Heli-Deck der Dan Bravo

Banner auf Heli-Deck der Dan Bravo

„Die Bundesregierung muss die Bedingungen für Zukunftstechnologien wie Windenergie verbessern" sagt Greenpeace-Expertin Sandra Schöttner.. Wir brauchen eine ökologische Modernisierung unserer Wirtschaft nach der Corona-Krise und zwar mit Konjunkturhilfen und neuen rechtlichen Rahmensetzungen." Die globale Energieversorgung bis 2050 vollständig auf Erneuerbare umzustellen, ist technisch möglich, finanziell attraktiv und kann Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen. Es muss jetzt ein Fahrplan zur Beendigung der deutschen Offshore-Industrie beschlossen werden. 

Im Moment ist die Meeresexpertin aber erst einmal froh, dass die vier gut auf der Ölplattform angekommen sind. „Sie konnten sich ein Lager einrichten und haben die erste Nacht gut dort oben verbracht. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn das Meer kann rau sein. Auch wenn ich schön öfter dabei war: Ich bewundere immer wieder den Mut unserer Aktivistinnen und Aktivisten, so alleine auf eine Ölplattform zu klettern und sich einer gigantischen, milliardenschweren Industrie mit ihrem Körper in den Weg zu stellen.“ Um ein Zeichen zu setzten: Die Klimakrise zwingt uns, endlich zu handeln.

Up-Date 20.8.: Die Crew der Rainbow Warrior meldet, dass alle vier Aktivisten wieder heil an Bord des Greenpeace-Schiffes angekommen sind. Weil Unwetter drohen, haben die Umweltschützer in der Nacht die Ölplattform verlassen.

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