Skip to main content
Jetzt spenden
Aktivisten protestieren am Kühlturm des AKW Neckarwestheim gegen mangelhafte Atomaufsicht, Februar 2011
Martin Storz / Greenpeace

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Im Atomkonsens des Jahres 2000 ist festgelegt, wie viel Strom die deutschen AKW noch produzieren dürfen. Haben sie diese Menge erzeugt, müssen sie vom Netz. Steht ein AKW vorübergehend still oder produziert es weniger Strom als normal, so verlängert sich die Laufzeit. EnBW hat sich wie die anderen Stromkonzerne im Atomkonsens verpflichtet, die Vereinbarung über den Atomausstieg umzusetzen.

Neckarwestheim 1 produzierte von 1990 bis 2006 jährlich zwischen 5,4 und 6,3 Terawattstunden Strom. 2007 sank die Produktion jedoch auf 4,7 Terawattstunden, 2008 sogar auf nur noch 3,8 Terawattstunden ab. Die Drosselung hat das Betriebsende somit deutlich über den Termin der Bundestagswahl hinaus bis in den Februar 2010 verschoben. Laut EnBW-Papier von 2008 sollte das Ende sogar erst im April 2010 erreicht werden.

Das ist der Beweis für den vorsätzlichen Verstoß eines Energiekonzerns gegen den Atomkonsens. Die Öffentlichkeit und Politiker von SPD, Grünen und Linken wurden zwei Jahre lang getäuscht, sagt Tobias Münchmeyer, Atomexperte bei Greenpeace. Das zeigt, dass EnBW kein vertrauenswürdiger Akteur für weitere Energiepläne in Deutschland ist.

Öffentlich begründete der Konzern die Drosselung damit, den Kraftwerkspark wirtschaftlich optimal zu fahren (Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 07.12.2008). Die internen Dokumente beweisen jedoch, dass EnBW den Weiterbetrieb erreichen wollte. Sie führen sogar auf, welche Unions- und FDP-Politiker in den Plan eingeweiht werden sollten.

Greenpeace liegen zwei interne Präsentationen des EnBW-Vorstands aus den Jahren 2007 und 2008 vor. In dem Papier von 2007 wird eine kommunikative Vorbereitung für die Drosselung der Stromproduktion vorgeschlagen. Diese solle in einer zeitnahen Unterrichtung eines ausgewählten Kreises erfolgen, zu denen auch der Bundeswirtschaftsminister, damals Michael Glos, sowie die Fraktionsspitze der Union, Volker Kauder, gezählt wurden. Weiter heißt es, von einer proaktiven Unterrichtung der Presse sei abzuraten.

Greenpeace fordert von den im Papier genannten Politikern eine Stellungnahme, ob sie über die politisch motivierte Drosselung informiert waren.

Es ist unfassbar wie skrupellos die EnBW ihren alten Schrottmeiler über die Wahlen gerettet hat, so Münchmeyer. Neckarwestheim 1 ist der zweitälteste und zweitstöranfälligste Reaktor in Deutschland. Greenpeace fordert von EnBW, endlich mit den Taschenspielertricks aufzuhören und den Schrottmeiler stillzulegen.

Zum Weiterlesen: Kein Rückfall ins Atomzeitalter

Risiko Restlaufzeit - Zusammenfassung

Risiko Restlaufzeit - Zusammenfassung

7 | DIN A5

98.45 KB

Herunterladen

Mehr zum Thema

Martin Kaiser, Executive Director of Greenpeace Germany

Atomkraft – keinen Tag länger!

  • 04.10.2022

Warum wir weiter für den Atomausstieg am 31.12.2022 sind.

mehr erfahren
Exit Projection at the Isar 2 NPP

Atomkraftwerke abschalten

  • 28.09.2022

Atomkraft ist nicht nur riskant, sondern auch keine Lösung für die Energiekrise: deutsche AKW sind unsicher, leergebrannt und derzeit nicht einsetzbar. Die Fakten.

mehr erfahren
Fukushima Map

Fukushima

  • 23.09.2022

Der 11. März 2011 versetzte Japan in einen Ausnahmezustand, der bis heute anhält. Die dreifache Katastrophe von Erdbeben, Tsunami-Flutwelle und Super-GAU traf das Land bis ins Mark.

mehr erfahren
Staff Portrait of Gianna Martini

Atomausstieg: Keinen Tag länger

  • 29.08.2022

Ich will, dass deutsche Atomkraftwerke am 31.12. vom Netz gehen. Und keinen Tag später. Denn Atomkraft ist gefährlich - und hilft uns in der derzeitigen Gasmangellage nicht weiter.

mehr erfahren
So funktioniert ein Druckwasserreaktor, Grafik

Wie funktioniert ein AKW?

  • 24.08.2022

Atomkraftwerke nutzen die Energie von Wasserdampf, um an Stromgeneratoren gekoppelte Turbinen anzutreiben. Die Wärme entsteht durch die Kernspaltung.

mehr erfahren
Transporter vor AKW-Kühlturm

Greenpeace radiation investigation at Chornobyl

  • 18.07.2022

Near the ruins of the Chornobyl nuclear power plant, an international team of radiation experts led by Greenpeace Germany is examining abandoned Russian positions for radioactive contamination.

mehr erfahren