Skip to main content
Jetzt spenden
Das AKW Biblis und die Stadt Bensheim 24.03.2009
Andreas Varnhorn / Greenpeace

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Wie würde sich der Beschuss mit einer tragbaren panzerbrechenden Lenkwaffe auf ein älteres deutsches Atomkraftwerk auswirken? Mit dieser Frage hat sich Greenpeace an die Diplom-Physikerin Oda Becker von der Fachhochschule Hannover gewandt.

Dass die Gefahr für unzulänglich gesicherte AKW auch vom Boden ausgehen kann, ist seit langem bekannt. Anfang 1982 wurde das im Bau befindliche französische Kraftwerk Creys-Malville aus einem tragbaren Raketenwerfer mit Raketen beschossen. Das Gebäude wurde nur leicht beschädigt. Doch seitdem sind diese Waffen erheblich weiterentwickelt worden. Sie sind stärker, treffen sicherer und weisen eine höhere Reichweite von bis zu fünf Kilometern auf.

Becker wählte die russische Panzerabwehrlenkwaffe AT-14 Kornet-E, um die Wirkung eines Beschusses zu berechnen. Diese Waffe wird weltweit verkauft. Sie lässt sich mit sogenannten thermobarischen Gefechtsköpfen bestücken, Gefechtsköpfen also, die Sprengstoff enthalten. Durch die enorme hitzeentwickelnde Sprengkraft könnte eine solche Waffe den Reaktorbehälter eines älteren AKW durchschlagen und zur Kernschmelze führen. Die AT-14 Kornet-E ist selbst bei Nacht noch auf 3,5 Kilometern Entfernung einsetzbar.

Russische Tests, vor Jahren am Modell durchgeführt, zeigten, dass auch ein neuer Reaktortyp dem Beschuss mit modernen Panzerabwehrlenkwaffen nicht standhalten würde. Es ist anzunehmen, dass das Gleiche auch für neuere deutsche AKW gilt. Mit Sicherheit gilt es für die älteren AKW, die nicht einmal gegen den Absturz eines kleineren Verkehrsflugzeugs gesichert sind.

Die Folgen wären verheerend. Innerhalb weniger Stunden könnte die Strahlung den behördlichen Grenzwert für eine Evakuierung um das Tausendfache übersteigen. Bis zu 100.000 Quadratkilometer Boden in der weiteren Umgebung könnten derart radioaktiv verseucht sein, dass niemand mehr dort leben kann.

Es ist unverantwortlich, die alten und besonders gefährdeten Atomkraftwerke weiterlaufen zu lassen. Sie sind nukleare Minen, die jederzeit zünden können, sagt Heinz Smital, Atomexperte bei Greenpeace. Das Risiko durch Terrorangriffe ist Bundeskriminalamt und Aufsichtsbehörden lange bekannt, es wird jedoch von der schwarz-gelben Bundesregierung vorsätzlich ignoriert. Profitinteressen der Atomkonzerne sind für Merkel offenbar wichtiger als die Sicherheit der Bürger.

Das BKA warnte das Bundesinnenministerium schon 2001 in einem internen Schreiben vor Terroranschlägen auf kerntechnische Einrichtungen. Was Becker jetzt für Greenpeace untersucht und gefunden hat, ist von solcher Brisanz, dass Greenpeace nur eine gekürzte Fassung des Gutachtens veröffentlicht. Die vollständige Studie wurde dem Bundesinnenministerium, dem Bundesverteidigungsministerium und dem Bundeskriminalamt zugestellt.

Gefährdung deutscher Atomkraftwerke durch den Absturz von Verkehrsflugzeugen

Gefährdung deutscher Atomkraftwerke durch den Absturz von Verkehrsflugzeugen

13 | DIN A4

126.64 KB

Herunterladen

Jetzt mitmachen

Du willst Teil der Energiewende sein?

Menschen stellen die Energiewende dar - von der Atomkraft zur Windkraft 15.04.2011

Dann besuche in unserer Mitmach-Community Greenwire die Energiewende-Themengruppe und tausche dich mit Anderen aus, finde weitere Mitmachangebote und erfahre mehr über unsere Kampagnen.

Hier lang zur Themengruppe-Energiewende

Themengruppe auf

Menschen stellen die Energiewende dar - von der Atomkraft zur Windkraft 15.04.2011

Mehr zum Thema

Shut Down of Nuclear Power Plants: AKW Dinosaur in Berlin

Am Ende der Atomkraft

  • 15.04.2023

Welche Wirkung die Gnadenfrist für deutsche Atomkraftwerke hatte, zeigt eine Studie im Auftrag von Greenpeace und Green Planet Energy: kaum eine. Der Abschied von der Atomkraft fällt leicht.

mehr erfahren
Last Resistance Party in Gorleben, Germany

Adieu, Atomkraft

  • 14.04.2023

Nach Jahrzehnten des Protestes steigt Deutschland endlich aus der Atomkraft aus. Roland Hipp, geschäftsführender Vorstand von Greenpeace Deutschland, blickt zurück - und mit Freude in die Zukunft.

mehr erfahren
Projection for Final Shutdown at Neckarwestheim NPP

Die Mär von der Renaissance der Atomkraft

  • 05.04.2023

Auch wenn vielerorts eine “Renaissance der Atomkraft” herbeigeredet wird, die Fakten sprechen dagegen: Atomenergie ist in Deutschland, im Rest Europas und weltweit auf dem absteigenden Ast.

mehr erfahren
Projektion zum Atomausstieg am AKW Isar 2

Atomkraftwerke abschalten

  • 03.04.2023

Atomkraft ist nicht nur riskant, sondern auch keine Lösung für die Energiekrise. Vor dem Jahrestag der Fukushima-Katastrophe fordern Greenpeace-Aktivist:innen, die deutschen AKW endlich abzuschalten.

mehr erfahren
"Shut Down"-Projektion am AKW Emsland

Atomausstiegsfest

  • 03.04.2023

Die Vorfreude steigt: Nach jahrzehntelangem Einsatz vieler mutiger Menschen steigt Deutschland endlich aus der Atomkraft aus. Diesen Erfolg wollen wir mit euch feiern. In München und Berlin!

mehr erfahren
Balloons on the 'Plein' at The Hague

Scheinlösung Kernfusion

  • 27.03.2023

Ein technologischer Meilenstein, aber kein Modell für die Zukunft: Warum der gelungene Versuch der Kernfusion nicht die Probleme der Gegenwart löst.

mehr erfahren