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Feuer in Tschernobyl
© Oksana Parafeniuk / Greenpeace

34. Jahrestag der Reaktorexplosion in Tschernobyl

Vor 34 Jahren explodierte Block vier des Atomreaktors von Tschernobyl. Wie schwer der Super-GAU noch Jahrzehnte später wiegt, zeigen die derzeitigen Waldbrände.

Bis zum 26. April 1986 war Tschernobyl lediglich der Name einer kleinen Stadt im Norden der Ukraine und nur wenigen ein Begriff: In den Siebzigern ging nahe des Ortes der erste Kernreaktor des Landes ans Netz. Seit diesem Tag im Frühjahr vor 34 Jahren ist das anders: Eine Explosion im Block vier des damals sowjetischen Atomkraftwerks führte zum Super-GAU, den bislang beispiellosen “größten anzunehmenden Unfall”. Bis heute ist Tschernobyl synonym mit der schwersten Katastrophe in der zivilen Nutzung der Atomkraft. Wie Hiroshima, Nagasaki oder Fukushima ist der Name für immer verbunden mit nuklearem Schrecken.

Die Explosion des Reaktors schleuderte damals eine radioaktive Wolke in die Atmosphäre, die über ganz Europa zog. 150.000 Quadratkilometer Land – eine Fläche größer als Griechenland – wurden so stark radioaktiv kontaminiert, dass rund 350.000 Menschen umgesiedelt wurden oder flüchteten. Insgesamt waren über acht Millionen Menschen betroffen – und die Folgen prägen die Region bis heute.

Rauchfahne bis Kiew

Wie sehr die Katastrophe nachwirkt, zeigen die nach wie vor nicht vollständig gelöschten Waldbrände im Sperrgebiet um die Atomruine. Noch nie haben Feuer dort so gewütet wie in diesem Jahr – eine Folge der derzeitigen Trockenheit. 30 Kilometer ringsum die Atomruine von Tschernobyl dürfen Menschen nach wie vor nur mit Sondergenehmigung hinein, aus gutem Grund, wie die jüngsten Entwicklungen erneut deutlich vor Augen führen. Die Böden um Tschernobyl sind nach wie vor kontaminiert, und durch die Feuer geht die Belastung über die Grenzen der Sperrzone hinaus. Radioaktiver Staub wird aufgewirbelt, der Rauch – und mit ihm nachweislich radioaktives Cäsium-137 – zog bis ins über 100 Kilometer entfernte Kiew. Löscharbeiten sind aufgrund der Strahlung mühsam und gefährlich.

34 Jahre nach dem Super-GAU ist die Atomkatastrophe von Tschernobyl noch nicht zu Ende. Das gilt es im Gedächtnis zu behalten, wenn Atomkraft wieder einmal von Lobbyisten als klimafreundlichere Alternative zu fossilen Energien ins Spiel gebracht wird. „Das ist eine menschenfeindliche und eine sehr kostspielige Technologie – die sich zudem hinter Stacheldraht verbirgt“, sagt Heinz Smital, Greenpeace-Experte für Atomenergie. Einen „Rückfall in alte Atomträume“ dürfe es deshalb nicht geben.

Deutschlands Atomproblem

Urantransporte, wie sie derzeit erneut aus dem westfälischen Gronau nach Russland gehen, führen auch hier zu Lande vor Augen, dass die Altlast Atomkraft weiterhin ein Problem ohne Lösung ist. Die Firma Urenco schickt tonnenweise abgereichertes Uran zur erneuten Anreicherung in russische Aufbereitungsanlagen. „Es handelt sich hier nicht um einen Wertstoff zur Weiterverwendung, wie die Bundesregierung glauben machen will“, sagt Smital, „sondern in Wahrheit um Atommüll, dessen Export verboten ist.“ Ein Verschiebespiel, mit dem Urenco die Crux der Endlagerung zu umgehen versucht – denn die müsste laut Gesetz in Deutschland stattfinden.

Die Brände in der Ukraine sind ein Weckruf für eine Abkehr von der Atomenergie. Die ist auch in Deutschland noch nicht vollzogen: Erst wenn die noch bestehenden Atomfabriken in Lingen und Gronau endlich dichtmachen, ist der deutsche Atomausstieg nicht bloß beschlossen, sondern vollendet.

Geisterstadt Pripyat bei Tschernobyl

Im Sperrgebiet: Das einst belebte Pripyat ist seit der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 verlassen.

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