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Bergarbeiter in Gorleben

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Online-Redaktion: Thomas, welche Kriterien haben 1977 zur Wahl von Gorleben als Endlager geführt?

Thomas Breuer: Absolut keine wissenschaftlichen. Die Entscheidung für Gorleben fiel aus rein politischen Gründen. Der kleine Ort lag an der Grenze zur DDR, also im Zonenrandgebiet - fast schon Niemandsland. Schon damals haben angesehene Geologen bezweifelt, dass der Salzstock Gorleben als Standort in Frage kommt. Spätestens seit Mitte der Achtzigerjahre ist klar: Er tut es nicht.

Online-Redaktion: Was spricht gegen den Salzstock Gorleben als atomares Endlager?

Thomas Breuer Gorleben wird den Anforderungen an ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll nicht gerecht. Vor allem fehlt das zum Schutz der Menschen und der Umwelt zwingend notwendige Mehrbarrierensystem.

Ein Mehrbarrierensystem besteht aus den geologischen, den technischen und den geotechnischen Barrieren eines Endlagers. Der Salzstock Gorleben hat kein ausreichendes durchgehendes Deckgebirge, das dauerhaft das Austreten von Radioaktivität in die Umwelt verhindern könnte. Damit fehlt eine wichtige Barriere, um den strahlenden Müll für mindestens eine Million Jahre zu isolieren.

Online-Redaktion:

Wenn das alles längst bekannt ist, warum wird dann immer weiter strahlender Müll nach Gorleben gebracht und dort zwischengelagert?

Thomas Breuer: Da geht es für RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW ans Eingemachte. Die Energieversorger haben bis heute trotz der Nichteignung des Salzstockes 1,3 Milliarden Euro in Gorleben investiert. Dieses Geld wollen sie getreu ihrem Grundprinzip Wirtschaftlichkeit geht vor Sicherheit nicht verlieren. Darüber hinaus versuchen sie anhand von Gorleben der Bevölkerung vorzugaukeln, dass eine Endlagerung von Atommüll möglich ist. Aber das stimmt nicht und schon gar nicht in Gorleben.

Online-Redaktion: Was muss passieren? Was fordert Greenpeace?

Thomas Breuer: Greenpeace fordert die Aufgabe des geplanten Endlagerstandortes Gorleben. Die Bundesregierung muss eine ergebnisoffene alternative Endlagersuche einleiten. Darüber hinaus muss sich die Regierung für einen schnelleren Atomausstieg einsetzen als er jetzt geplant ist, um die Risiken zu reduzieren und die Atommüllmenge zu begrenzen.

Online-Redaktion: Danke für das Gespräch, Thomas.

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