Skip to main content
Jetzt spenden
Ihr Schulweg führt an der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield vorbei: Kinder aus dem nahegelegenen Ort Seascale, Mai 1990
© Steve Morgan / Greenpeace

Geschichte der Wiederaufarbeitung

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Der Traum vom geschlossenen Brennstoffkreislauf

In den sechziger und siebziger Jahren boomte der Bau von Atomkraftwerken. Prognosen sagten einen steilen Anstieg des Strombedarfs voraus. Findige Atomwissenschaftler hatten ein vermeintliches Patentrezept zur Lösung des Problems parat: Mit der bisher nur für militärische Zwecke gedachten Wiederaufarbeitungstechnik sollte aus abgebrannten Brennelementen Plutonium extrahiert und als Kernbrennstoff in sogenannten Brutreaktoren (Schnelle Brüter) eingesetzt werden - um noch mehr Plutonium zu erzeugen (erbrüten). Damit wäre eine Art Perpetuum Mobile, eine fast nie versiegende Energiequelle entstanden.

Wegen erheblicher technischer Probleme und explodierender Kosten konnte sich diese Art der Plutoniumnutzung allerdings nicht durchsetzen. 1991 kam auch für den einzigen in Deutschland geplanten Schnellen Brüter in Kalkar das endgültige Aus. Da der Brutreaktor in Kalkar nie in Betrieb genommen und somit nicht radioaktiv kontaminiert wurde, konnte das Gelände inzwischen in einen Erlebnispark umgebaut werden.

Der Traum vom geschlossenen Brennstoffkreislauf

In den sechziger und siebziger Jahren boomte der Bau von Atomkraftwerken. Prognosen sagten einen steilen Anstieg des Strombedarfs voraus. Findige Atomwissenschaftler hatten ein vermeintliches Patentrezept zur Lösung des Problems parat: Mit der bisher nur für militärische Zwecke gedachten Wiederaufarbeitungstechnik sollte aus abgebrannten Brennelementen Plutonium extrahiert und als Kernbrennstoff in sogenannten Brutreaktoren (Schnelle Brüter) eingesetzt werden - um noch mehr Plutonium zu erzeugen (erbrüten). Damit wäre eine Art Perpetuum Mobile, eine fast nie versiegende Energiequelle entstanden.

Wegen erheblicher technischer Probleme und explodierender Kosten konnte sich diese Art der Plutoniumnutzung allerdings nicht durchsetzen. 1991 kam auch für den einzigen in Deutschland geplanten Schnellen Brüter in Kalkar das endgültige Aus. Da der Brutreaktor in Kalkar nie in Betrieb genommen und somit nicht radioaktiv kontaminiert wurde, konnte das Gelände inzwischen in einen Erlebnispark umgebaut werden.

Vermeintlicher Ausweg: MOX-Brennelemente

Nach der Ernüchterung über die zahlreichen Probleme der ehrgeizigen Schnellbrüter-Programme verfiel man auf die Idee, die bestehenden und immer weiter wachsenden Plutoniumberge aus der Wiederaufarbeitung in herkömmlichen Leichtwasserreaktoren in Form sogenannter Mischoxid(MOX)-Brennelemente einzusetzen. Ein MOX-Brennelement enthält rund 3,5 Prozent spaltbares Plutonium. Auf diese Weise kann man wenigstens einen Teil des hochriskanten Stoffes loswerden. MOX-Brennstäbe sind in rund der Hälfte der deutschen Atomreaktoren im Einsatz. Der Einsatz von MOX-Brennelementen ist allerdings mit einigen Nachteilen verbunden: Abgebrannte MOX-Brennelemente strahlen wesentlich stärker als abgebrannte Uran-Brennelemente. Somit sind die abgebrannten MOX-Brennelemente komplizierter zu handhaben und die Strahlenbelastung für die Beschäftigten ist größer. Die Handhabung von MOX-Brennelementen ist für die Arbeiter in den Brennelementfabriken wesentlich gefährlicher als die Herstellung von Brennelementen aus Uran, denn frischer MOX-Brennstoff ist wegen seines Plutoniumgehalts stärker radiotoxisch als Uran-Brennstoff. Aus physikalischen Gründen reduziert der Einsatz von MOX-Brennstoff die Wirksamkeit der Steuerstäbe, macht den Reaktor instabiler und erhöht das Risiko, dass ein Unfall zur Katastrophe wird.

Mehr zum Thema

Projektion am AKW Grohnde: Für ein atomstromfreies Europa

Anti-Atomkraft-Appell an die Bundesregierung

  • 21.01.2022

Die EU will Energie aus Gas und Atomkraft als nachhaltig einstufen. Greenpeace und weitere Verbände fordern in einem gemeinsamen Appell von der Bundesregierung, dieses Vorhaben zu verhindern.

mehr erfahren
Die vier Kühltürme des Atomkraftwerks Mochovce in der Slowakei

Falsches Grün

  • 07.01.2022

Kapern Atomenergie und Gas gerade den Green Deal der EU und machen ihn damit unbrauchbar? Umweltschützende protestieren gegen den Plan, Risikotechnologien als nachhaltig zu verkaufen.

mehr erfahren
Expert:innen in Tschernobyl

Gefährliches Gestern

  • 25.04.2021

Die Katastrophe von Tschernobyl rückt in die Vergangenheit, ihre Folgen verschwinden aber nicht aus der Gegenwart. Sie sind eine Mahnung – auch an Atomkraftbefürworter:innen.

mehr erfahren
Dunkle Wolken über Fukushima

Gefährliche Mythen

  • 13.04.2021

Mit bewussten Fehleinschätzungen wird der Plan gerechtfertigt, Millionen Liter radioaktives Wasser aus Fukushima ins Meer abzulassen. Greenpeace entkräftet diese Halbwahrheiten.

mehr erfahren
Luftbild vom Atomkraftwerk Fukushima

Der ewige Denkzettel

  • 11.03.2021

Die Katastrophe ist nicht vorbei: Auch zehn Jahre nach dem Atomunfall in Fukushima leiden japanische Bürger:innen unter den Folgen – während die Regierung Normalität vorgaukelt.

mehr erfahren
AKW Gundremmingen

Nichts gelernt

  • 03.03.2021

Hat die Nuklearkatastrophe von Fukushima zu mehr Sicherheit in europäischen Atomkraftwerken geführt? Offenbar nicht: Ein aktueller Greenpeace-Bericht belegt die Versäumnisse.

mehr erfahren