Skip to main content
Jetzt spenden

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Nach dringend notwendigen Reparaturen soll der Reaktor in Kürze wieder ans Netz gehen. Um noch vor dem geplanten Wiederanfahren des Reaktors Einsicht nehmen zu können, stellte Greenpeace am Dienstag beim Verwaltungsgericht Schleswig einen Eilantrag auf Herausgabe der Akten.

Vattenfall scheut eine Kontrolle der Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser, sagt Susanne Ochse, Atomexpertin von Greenpeace. Damit setzt sich der Konzern selbst dem Verdacht aus, dass er einiges zu verbergen hat. Der Fall Brunsbüttel ist zudem ein Musterfall für die deutschen Informationsgesetze: Wenn die Betreiber von Atomkraftwerken mit derart pauschalen Begründungen eine Freigabe der Akten verhindern oder ewig verschleppen können, reichen die Gesetze nicht aus.

Das Atomkraftwerk Brunsbüttel hält als ältester noch laufender Siedewassereaktor Deutschlands einen traurigen Rekord: Seit der Inbetriebnahme am 17.12.1976 summieren sich die Stillstandszeiten durch technische Defekte auf rund sieben Jahre. Manipulationen an Sicherheitssystemen, Risse in Rohrleitungen und falsch verbaute Materialien stellten immer wieder die Zuverlässigkeit der Betreiberfirma, damals noch die Hamburgischen Electricitätswerke (HEW), in Frage.

Im aktuellen Fall zerfetzte am 14. Dezember 2001 eine Wasserstoffexplosion eine Rohrleitung in unmittelbarer Nähe des Reaktorkerns. Die abgerissene Rohrleitung schließt an den Deckel des Reaktordruckbehälters an und dient beim Herunterfahren der Anlage zur Verkürzung der Abkühlzeit. Nur ein einziges Rückschlagventil trennt die Schadensstelle vom hochradioaktiven Innenraum des Reaktordruckbehälters. Der Schaden blieb jedoch zwei Monate unentdeckt, weil die HEW es ablehnte, den Reaktor für eine Inspektion herunter zu fahren. Stattdessen betrieb das Unternehmen die Anlage mit unverminderter Leistung weiter. Erst im Februar 2002 wurde der Unfall öffentlich bekannt.

Greenpeace beantragte vier Tage nach der Bekanntgabe am 22. Februar 2002 Akteneinsicht beim zuständigen Ministerium. Dem Antrag wurde - wenn auch mit großer Verzögerung - zugestimmt, allerdings ohne den Sofortvollzug anzuordnen. Dadurch hatte der Vattenfall-Konzern - seit Sommer 2002 Eigentümer der HEW - die Möglichkeit, mit einer Anfechtungsklage die Weitergabe der Akten vom Ministerium an Greenpeace zu verhindern. Bis die Gerichtsverfahren zu der Frage in der letzten Instanz abgeschlossen sind, können Jahre vergehen. Greenpeace will deshalb mit dem Eilantrag den Sofortvollzug im Ministerium durchsetzen - bevor der Reaktor Brunsbüttel wieder ans Netz geht.

Wenn in einem Atomreaktor ein so schwerer Unfall passiert, haben die Bürger ein Recht darauf, zu erfahren, was passiert ist, sagt Susanne Ochse.Welche Akten wann freigegeben werden, darf nicht in der Entscheidung der AKW-Betreiber liegen.

Mehr zum Thema

Castor Protest to Stick to Nuclear Phaseout

Keine Laufzeitverlängerung für AKW

  • 18.08.2022

Die Debatte um AKW-Laufzeitverlängerungen reißt nicht ab. Greenpeace-Aktivist:innen fordern von der Parteispitze der Grünen ein klares Bekenntnis zum Atomausstieg Ende 2022.

mehr erfahren
Transporter vor AKW-Kühlturm

Greenpeace radiation investigation at Chornobyl

  • 18.07.2022

Near the ruins of the Chornobyl nuclear power plant, an international team of radiation experts led by Greenpeace Germany is examining abandoned Russian positions for radioactive contamination.

mehr erfahren
Examination around Chornobyl for Radioactivity

Strahlenmessungen in Tschornobyl

  • 18.07.2022

Die Ergebnisse der Greenpeace-Messungen um Tschornobyl zeigen: Die Internationale Atomenergiebehörde verharmlost radioaktive Gefahren durch die russische Invasion.

mehr erfahren
Die vier Kühltürme des Atomkraftwerks Mochovce in der Slowakei

Greenwashing durch EU-Taxonomie

  • 06.07.2022

Das EU-Parlament kann die umstrittene Einstufung von Gas und Atom als nachhaltig nicht verhindern: Greenpeace kündigt darum eine Klage an.

mehr erfahren

Brände nahe Tschornobyl

  • 20.05.2022

Immer wieder kommt es zu Bränden um Tschornobyl, unter großem Einsatz der Feuerwehrleute vor Ort. Das zeigt: Ein GAU ist niemals abgeschlossen.

mehr erfahren
‘Taxonosaurus’ Dinosaur at EU Commission HQ in Brussels

EU-Taxonomie nach russischem Wunsch

  • 17.05.2022

Eine EU-Nachhaltigkeitstaxonomie, die Gas und Atomkraft fördert, begünstigt vor allem Russlands Wirtschaft. Kein Zufall: Darauf haben russische Unternehmen hinter den Kulissen hingewirkt.

mehr erfahren