Skip to main content
Jetzt spenden
Schlauchbootaktion vor St. Petersburg
© Greenpeace

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Rücksichtslos erhöhte der Frachter seine Geschwindigkeit statt die Maschinen zu stoppen. Zugleich zielte die Besatzung mit Hochdruckschläuchen auf die Aktivisten in den Schlauchbooten - obwohl die Hafenbehörde sie dazu aufforderte, keine Gewalt anzuwenden. Die Greenpeacer mussten die Aktion abbrechen, die sich gegen den Import westeuropäischen Atommülls nach Russland richtete. Der Abfall wird aller Voraussicht nach das Land niemals wieder verlassen.

Das Uran an Bord des Frachters liegt als Uranhexafluorid vor. Das fällt bei der Urananreicherung für Brennstäbe an. Eine industrielle Nutzung gibt es für diesen Abfall nicht. So hat sich weltweit schon mehr als eine Million Tonnen dieses gefährlichen und giftigen Stoffes angesammelt.

Der Import wird von der russischen Atomenergiebehörde Rosatom (früher Minatom) durchgeführt. Das Abfallprodukt Uranhexafluorid (AUHF) soll laut den offiziellen Papieren dem so genannten Wiederaufarbeitungsprozess unterzogen werden. Dabei bleiben jedoch bis zu 90 Prozent des Abfalls zurück. Sie müssen dann in Russland gelagert werden. Eine direkte Lagerung wäre nach den russischen Gesetzen verboten. Deswegen dieser offizielle Schleichweg.

Lagerung unter katastrophalen Verhältnissen

In Russland werden bereits über 100.000 Tonnen AUHF gelagert - allerdings unter völlig unzureichenden Bedingungen. Die Stahlbehälter sind der Witterung ausgesetzt und verrosten. Sie sind nicht von der Internationalen Atomenergieaufsicht abgenommen. So halten sie einem Feuer nicht mindestens 30 Minuten stand, sondern explodieren bereits nach 13 Minuten. Dadurch würde der radioaktive und giftige Inhalt kilometerweit verbreitet.

Uranhexafluorid reagiert leicht mit Wasser - schon mit der Luftfeuchtigkeit. Dabei entsteht Gas und eine ätzende Säure. Die Haut wird angegriffen und die Lungen. Es strahlt radioaktiv.

Wenn während des Transportes oder Ladevorgang dieser AUHF-Behälter etwas passiert, hätte das in einer dicht besiedelten Region wie in Sankt Petersburg schlimme Folgen - für Bewohner und ausländische Touristen, warnt Wladimir Schuprow, Atomexperte von Greenpeace Russland. Der Ruf der Stadt wäre ruinert. Wer wird sich schon kulturelle Attraktionen anschauen wollen, an einem Ort, wo die lokalen Behörden nicht auf die Menschen achten?

Greenpeace fordert den illegalen Import für die Endlagerung in Russland sofort zu stoppen.

Mehr zum Thema

Die vier Kühltürme des Atomkraftwerks Mochovce in der Slowakei

Falsches Grün

  • 04.11.2021

Kapern Atomenergie und Gas gerade den Green Deal der EU und machen ihn damit unbrauchbar? Ein geleaktes Paper aus Brüssel legt genau das nahe.

mehr erfahren
Expert:innen in Tschernobyl

Gefährliches Gestern

  • 25.04.2021

Die Katastrophe von Tschernobyl rückt in die Vergangenheit, ihre Folgen verschwinden aber nicht aus der Gegenwart. Sie sind eine Mahnung – auch an Atomkraftbefürworter:innen.

mehr erfahren
Dunkle Wolken über Fukushima

Gefährliche Mythen

  • 13.04.2021

Mit bewussten Fehleinschätzungen wird der Plan gerechtfertigt, Millionen Liter radioaktives Wasser aus Fukushima ins Meer abzulassen. Greenpeace entkräftet diese Halbwahrheiten.

mehr erfahren
Luftbild vom Atomkraftwerk Fukushima

Der ewige Denkzettel

  • 11.03.2021

Die Katastrophe ist nicht vorbei: Auch zehn Jahre nach dem Atomunfall in Fukushima leiden japanische Bürger:innen unter den Folgen – während die Regierung Normalität vorgaukelt.

mehr erfahren
AKW Gundremmingen

Nichts gelernt

  • 03.03.2021

Hat die Nuklearkatastrophe von Fukushima zu mehr Sicherheit in europäischen Atomkraftwerken geführt? Offenbar nicht: Ein aktueller Greenpeace-Bericht belegt die Versäumnisse.

mehr erfahren
Demonstration gegen Castor-Transport in Deutschland

Katastrophal nachgebessert

  • 08.12.2020

Eine Novelle des Atomgesetzes, die berechtigte Klagen unterbände, hätte fatale Auswirkungen – nicht nur für die Anwohnerinnen von Atomanlagen, sondern auch für den Rechtsstaat.

mehr erfahren