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Pärchen, auf der Handfläche die Welt als Herz
Sandra Hoyn / Greenpeace

Deutschland erreicht Erdüberlastungstag – früher als viele andere Länder

Kein neues Handy, kein neues Shirt – und streng betrachtet auch keine Schokolade, nicht mal ein kleines Stückchen. Zumindest in diesem Jahr. Denn Deutschland hat die ihm anteilig zustehenden Ressourcen für dieses Jahr verbraucht. Nach nur gut vier Monaten. Rechnerisch versteht sich, denn sonst würde es ziemlich düster für die weitere Versorgung der Bevölkerung aussehen. Damit aber alles weiterlaufen kann, lebt das Land auf Pump. 

Auszubaden haben das künftige Generationen: überfischte Meere, abgeholzte Wälder, durch Überdüngung und Chemikalien aus Industrien verunreinigtes Grundwasser – die Liste ließe sich natürlich problemlos verlängern. Etwa um die hohen Treibhausgasemissionen. Sogar das Bundesverfassungsgericht sah das Wohl kommender Generationen gefährdet. Ihnen würde durch die fortschreitende Erderhitzung eine enorme Last aufgebürdet. In der Debatte ging es um das Recht auf Zukunft und um Generationengerechtigkeit. 

Es geht auch um die Lebensgrundlagen anderer Länder

Apropos Gerechtigkeit: Würden alle so viel konsumieren wie wir, bräuchten wir drei Planeten. Den sogenannten Overshoot-Day ermittelt jährlich das Global Footprint Network. Bis 1970 lag der Verbrauch natürlicher Ressourcen innerhalb der planetaren Grenzen. Seitdem ist die Erdbevölkerung gewachsen – und der Pro-Kopf-Verbrauch an Rohstoffen. Weltweit wird der Erdüberlastungstag vermutlich im August erreicht. Es gibt aber auch Staaten, die keinen Überlastungstag haben, weil sie nicht die Ressourcen verbrauchen, die ihnen rechnerisch zustehen.

Wie sich unser Konsum auf das Leben in anderen Erdteilen auswirkt, bleibt oft abstrakt. Die Dürre in vielen Ländern lässt sich nicht eins zu eins dem klimaschädlichen Autoverkehr in Deutschland zuordnen. Anders sah es allerdings bei einer Recherche jüngst in Kenia und Tansania aus: Greenpeace-Konsumexpertin Viola Wohlgemuth ist mit einem Fotografen in die Länder gereist, um zu dokumentieren, wie viel unseres Plastik-Konsummülls in ostafrikanischen Ländern ankommt. Das Ergebnis: einiges!

Fast Fashion auf Mülldeponien

Nike, Gucci, Superdry oder H&M – auf riesigen Mülldeponien landet das, was in Ländern wie Deutschland aussortiert wird, weil der Kleiderschrank zuhause oder die Lager der Modeketten zu voll sind. „Nach der erfolgreichen Detox-Kampagne  ist nicht mehr die umweltschädliche Produktion das Hauptproblem der Modeindustrie“, sagt Wohlgemuth, „sondern die Masse. Die Überproduktion von Kleidung vermüllt nicht nur die Umwelt, sie ist auch schlecht fürs Klima. Jede Tonne Kleidung verursacht in ihrem Lebenszyklus 15 bis 30 Tonnen CO2.“

Textil- und Plastikmüll auf der Dandora-Mülldeponie in Nairobi

Viola Wohlgemuth bei ihrer Textilrecherche in Nairobi, Kenia.

Zwar würden viele Fast-Fashion-Unternehmen mit Recycling, also Kreislaufwirtschaft, werben, doch laut Wohlgemuth seien das haltlose Behauptungen: Lediglich ein Prozent der neu hergestellten Textilien bestehe aus recycelten Textilfasern.

Gemeinsam mit Verbraucher:innen hat die Kampagne für nachhaltigen Konsum schon viel erreicht: Die Modebranche hat ihre Produktion entgiftet. Und seit Oktober 2020 gibt es immerhin ein Vernichtungsverbot für Neuwaren – die sogenannte Obhutspflicht.

Auf den Deponien fand das Greenpeace-Team allerdings auch neue Ware. „Ein Vernichtungsverbot für neue und gebrauchsfähige Waren sowie die Pflicht, transparent zu dokumentieren, was mit den Textilien passiert, haben Verbraucher:innen gemeinsam mit Greenpeace bereits durchgesetzt“, so Wohlgemuth. „An der Kontrolle und strafrechtlichen Ahndung hapert es aber noch.“ Das gilt übrigens nicht nur für die Modeindustrie. Auch Drucker, Handy oder Laptop müssen so gearbeitet sein, dass sie problemlos zu reparieren sind oder Ersatzteile ausgetauscht werden können.

Unterstützen Sie auch unseren nächsten Schritt für mehr Ressourcenschutz: Die Vernichtung von Neuwaren muss strafrechtlich verfolgt werden – nur so findet sie ein Ende. Fordern Sie gemeinsam mit Greenpeace, die im Kreislaufwirtschaftsgesetz vorgeschriebene Obhutspflicht konsequent umzusetzen.

„Wenn Unternehmen ihren Warenüberschuss nicht einfach so vernichten oder in den globalen Süden schieben können, müssen sie endlich verantwortlicher mit unser aller Ressourcen umgehen“, schließt Wohlgemuth.

Redaktionell empfohlener externer Inhalt

(Teile des Textes wurden am 5. Mai 2021 erstveröffentlicht)

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