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Die Katastrophe in Bhopal hält an und wird wahrscheinlich sogar schlimmer werden, wenn Dow Chemical sich nicht endlich bewegt und seine Verantwortlichkeiten erfüllt, heißt es in dem Brief. Weiter verlangen die Kongress-Abgeordneten von Dow-Chef William Stavropoulos, sicher zu stellen, dass ein Union Carbide-Verantwortlicher in Indien vor Gericht erscheint. Ferner dass die Opfer medizinisch und ökonomisch versorgt werden, das Gelände um die frühere Pestizidfabrik dekontaminiert und für sauberes Trinkwasser gesorgt wird.

Dow Chemical-Sprecher John Musser wies schon vor Erhalt des Briefes jegliche Verantwortung des Konzerns zurück. Die Angelegenheit sei seit über zehn Jahren abgeschlossen, sagte er. Weder Union Carbide noch Dow Chemical hätten noch irgendwelche Verpflichtungen zu erfüllen. Begrüßt wurde die Initiative dagegen von der Internationalen Kampagne für Gerechtigkeit in Bhopal, in der auch Greenpeace mitarbeitet und die sich seit Jahren für die Überlebenden der Katastrophe engagiert.

Greenpeace-Experte Andreas Bernstorff bezeichnete den Brief als einen wichtigen Schritt, der endlich eine Einzelfalllösung für Bhopal möglich mache. Die Menschen brauchen unbedingt medizinische Versorgung und sauberes Trinkwasser, sagte er. Boden und Wasser sind hochverseucht. Zudem hätten Volksvertreter der amerikanischen Nation endlich anerkannt, dass ein US-Unternehmen ein Problem auch für den Ruf der Vereinigten Staaten darstelle. Bernstorff wies darauf hin, dass verbindliche Haftungsregelungen für multinationale Unternehmen dringend erforderlich seien.

In Bhopal waren 1984 rund 8.000 Menschen innerhalb von drei Tagen gestorben, nachdem es in der Union Carbide-Fabrik aufgrund unzulänglicher Sicherheitsvorkehrungen zum Entweichen eines tödlichen Gasgemischs gekommen war. Insgesamt hat das Desaster bis heute um 20.000 Todesopfer gefordert. Rund 500.000 Menschen waren betroffen, 150.000 litten oder leiden noch unter schweren gesundheitlichen Schäden. Inzwischen geht das Leiden in die zweite Generation.

Union Carbide einigte sich 1989 mit der indischen Regierung auf eine Entschädigungszahlung von 470 Millionen US-Dollar. Auch der Erlös aus dem Verkauf der Fabrik, 90 Millionen US-Dollar, ging nach Indien. Alles in allem reichten diese Zahlungen bei weitem nicht aus, um die dauerhafte Versorgung der schwer geschädigten Menschen sicher zu stellen.

Auch um das verseuchte Gelände kümmerte sich niemand. Die rund 10.000 Menschen im Umfeld der Fabrik leben unter unsäglichen Bedingungen. Teiche und Tümpel sind so vergiftet, dass kein Fisch darin überleben könnte. Kinder spielen buchstäblich in Dows Giftmüll.

Warren Anderson, der damalige Leiter der Fabrik und Verantwortliche für die gezielt aus Kostengründen versäumten Sicherheitsmaßnahmen, ist immer noch auf freiem Fuß. Greenpeace-Aktivisten hatten ihn 2002 in Long Island, New York, aufgespürt. Dennoch wird der heute 82-Jährige als unauffindbar geführt.

Es ist bedrückend zu sehen, heißt es im Brief der US-Kongressabgeordneten, dass ein Unternehmen wie Dow, das von sich selbst bekundet, die chemische Industrie in Richtung Verantwortungsbewusstsein zu führen, sich aus eben dieser Verantwortung stiehlt, sobald sie wahrhaftig gezeigt werden kann.

Weitere Informationen über die Tragödie der Menschen von Bhopal finden Sie auf unserer Seite Bhopal - die andauernde Katastrophe. (sit)

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