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Ein Haufen herausgefiltertes Mikroplastik aus Kosmetikprodukten
Fred Dott / Greenpeace

Mikroplastik in Kosmetik: Greenpeace veröffentlicht Firmen-Ranking

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Die wenigsten Verbraucher wissen, wieviel Plastik sie mit ihren Kosmetikprodukten kaufen. Und zwar nicht mit der Verpackung – sondern in den Reinigungsgels, Shampoos, Lotionen und Lippenstiften selbst. Darum ist die Bezeichnung für diese Form von Mikroplastik auch den wenigsten geläufig: Microbeads, grob übersetzt Mikroperlen, sind winzige Plastikpartikel, die beispielsweise als Schleifmittel in Peelings zur Reinigung und Glättung der Haut eingesetzt werden.

Greenpeace hat die 30 umsatzstärksten Kosmetikhersteller hinsichtlich Qualität und Fortschritt ihrer Selbstverpflichtung analysiert und bewertet. Das Ergebnis: Beiersdorf, Colgate Palmolive, Henkel und L Brands teilen sich zwar den obersten Platz, verfehlen jedoch den aus Greenpeace-Sicht nötigen Standard. Zusammengefasst besagt der: Mikroplastik gehört nicht in Körperpflegeartikel und Kosmetika.

Andere bekannte Hersteller wie L’Oréal, Procter & Gamble, Johnson & Johnson oder Glaxo Smith Kline schneiden noch schlechter ab. Am Kostenfaktor liegt es nicht: Auch einige Hersteller im teuren Luxussegment, wie Chanel und Estée Lauder, sind noch weit von umweltfreundlichen Lösungen entfernt.

Definition nach Gutdünken

Mit dem Begriff Microbeads haben nicht nur Verbraucher, sondern auch die Hersteller selbst ihre liebe Not. Die großen Kosmetikfirmen scheinen sich nämlich nicht einig zu sein, was er genau beinhaltet – das heißt, wie streng sie ihn jeweils definieren. Hinzu kommt, dass jeder Hersteller nach eigenem Gutdünken festlegt, auf welche Produktgruppen sich der freiwillige Verzicht bezieht und in welchem Zeitrahmen dieser umgesetzt wird. So entstehen große Schlupflöcher und Verzögerungen.

Die meisten Auflagen sind also zu lax – das ist die Schlussfolgerung des aktuellen Greenpeace-Firmenrankings. „Da die Industrie es alleine nicht schafft, muss die Umweltministerin den Einsatz von Microbeads verbieten“, sagt Sandra Schöttner, Greenpeace-Expertin für Plastik, deutlich an Barbara Hendricks‘ Adresse gerichtet. „Sie sind ohnehin meist völlig überflüssig.“

Primäres Mikroplastik – umweltschädlich ab Werk

Bei Microbeads handelt es sich um sogenanntes primäres Mikroplastik: Es entsteht nicht beim Zerfall größerer Plastikteile durch Fremdeinwirkung oder Umwelteinflüsse, sondern sozusagen gebrauchsfertig in der Fabrik – und wird Produkten absichtlich beigemischt. Über die Abwässer geraten die winzigen Teilchen ungefiltert in Flüsse und Meere, wo sie zu einem riesigen Problem werden: Giftstoffe lagern sich an den Partikeln an, die von Fischen und anderen Meerestieren verschluckt werden, in die Nahrungskette gelangen und so schließlich auch auf unseren Tellern landen.

Das Problem erkannten auch die Kosmetikhersteller, die sich in den vergangenen Jahren auf Druck von Umweltschützern zu einem freiwilligen Verzicht durchrangen – der in vielen Fällen nichts wert ist, wie Greenpeace belegt. „Auch die deutschen Hersteller Beiersdorf und Henkel machen es sich zu leicht“, so Schöttner.

Im Zweifel: Naturkosmetik

Laut Zahlen des Umweltbundesamts verarbeitet die Kosmetikindustrie jährlich rund 500 Tonnen Polyethylen in ihren Produkten, dazu kommen andere Kunststoffsorten wie Polypropylen und Nylon. Täglich geraten sie ins Abwasser. Ohne gesetzliche Lösung wird sich die Lage nicht bessern – die Industrie hat unter Beweis gestellt, dass sie nicht fähig ist, selbst entgegenzuwirken.

Konventionelle Kosmetik ohne Mikroplastik zu erkennen, ist aufgrund des chemischen „Lateins“ auf der Produktverpackung auch für umweltbewusste Verbraucher oft zu anspruchsvoll. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift deshalb zu Naturkosmetik – oder rührt sich sein Peeling einfach selbst an.

  • Hand mit Häufchen Mikroplastik

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  • Wasserproben mit Plastik auf der Beluga

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