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Familie in Bangladesch
Uwe H. Martin / Greenpeace

Zwei Jahre nach Textilfabrik-Einsturz: kaum Verbesserungen in der Modeindustrie

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Textilarbeiter die unter größtem Druck produzieren. Mit Dutzenden erzwungenen Überstunden und zu Hungerlöhnen, die nicht für ein menschenwürdiges Leben reichen. Ohne das Recht, Gewerkschaften zu gründen. So sieht noch immer der Alltag von Hunderttausenden Näherinnen in Asien aus – auch zwei Jahre nach dem Einsturz der Rana-Plaza-Fabrik in Bangladesch.

Es war nicht das erste Unglück, aber der Tod von mehr als 1100 Menschen katapultierte die Frage nach der Verantwortung für die Arbeitsbedingungen auf die globale Tagesordnung. Durch Druck etwa der „Kampagne für saubere Kleidung“, die sich für faire Produktionsbedingungen einsetzt, zahlten die Firmen, die in Rana Plaza produzieren ließen, rund 24 Millionen US-Dollar in den Entschädigungsfond. 30 Millionen wären laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) nötig. Vielen Betroffenen fehlt noch immer Geld für den Arzt, eine Prothese, Miete und Essen.

„Kein Unternehmen darf sich aus der Verantwortung stehlen und die Opfer von Rana Plaza allein lassen“, sagt Kirsten Brodde, Greenpeace-Expertin für Textilien.

Arbeiter noch immer ohne Rechte

In Rana Plaza zwangen Fabrikchefs zögernde Textilarbeiter dazu, das Gebäude trotz offensichtlicher Einsturzgefahr zu betreten. Als in der Tazreen-Fabrik in Pakistan Ende 2012 ein Feuer ausbrach, verbat die Geschäftsführung den Angestellten, das Gebäude trotz Feueralarms zu verlassen. Mindestens 112 Menschen starben.

Immer noch seien die Arbeiter ohne Rechte: Zu diesem harten Urteil kommt ein aktueller Bericht von Human Rights Watch. Das 78-seitige Dokument basiert auf Interviews mit mehr als 160 Arbeitern aus 44 Fabriken, die vor allem für Marken in Nordamerika, Europa und Australien fertigen. Human Rights Watch fordert zu Recht, dass deren Gewinne nicht mit dem Leben und Leiden von Arbeitern erkauft werden. In Frankreich plant Premier François Hollande zurzeit ein Gesetz, mit dem Modefirmen zur Einhaltung von ökologischen und sozialen Standards gezwungen werden sollen – egal, wo sie auf der Welt produzieren.

Immer mehr, immer schneller, immer billiger

Doch Menschen und Umwelt zu entlasten ist auch deshalb so schwierig, weil die Schlagzahl der Industrie so hoch ist. Immer mehr muss immer schneller und immer billiger produziert werden.Hinter dem ethischen und ökologischen Desaster steckt eine völlig überdrehte Mode-Industrie, die gewaltige Überkapazitäten produziert. Animiert von billigen Preisen kaufen Millionen Konsumenten in den Industrienationen ungebremst weiter neue Kleidung. Ein Party-Top wird im Schnitt 1,7 Mal angezogen, bevor es aussortiert wird und im Müll oder einer dubiosen Recycling-Box landet. So lange T-Shirts nicht länger getragen werden und kaum mehr kosten als die Plastiktüte, in der wir sie nach Hause bringen, ist ein wirklicher Fortschritt für die Textilarbeiter kaum zu erreichen.

„Wir haben genug“, so Kirsten Brodde. „Genau genommen haben wir zu viel. Es ist höchste Zeit, sich zu befreien. Um unser selbst willen, aber auch um unserer Erde willen, die wir mit unserem ungebremsten Konsum zerstören.“ 

Mitten im Überfluss erkennen das offenbar  immer mehr Menschen – selbst junge Fashion-Haul-Mädchen, die ihre Fänge (hauls) hemmungslos in sozialen Medien präsentieren und  eigentlich das Sinnbild für zügellosen Billigmode-Konsum sind. So etwa Conny „Noodlerella“ Glynn aus Großbritannien. Sie drehte im Vorfeld zum Rana-Plaza-Jahrestag Spots, in denen sie für das Tragen von Secondhand-Kleidung wirbt. Eine Gegenbewegung ist das sicher noch nicht. Aber der Anfang ist gemacht.

  • YouTube-Video von "Fashion Haul"-Mädchen Noodlerella, in dem sie für Secondhand-Kleidung wirbt

    Fast-Fashion-Girl für Secondhand

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