Skip to main content
Jetzt spenden
Platform C (Charlie) im Statfjord-Ölfeld in der Nordsee.
© Marten van Dijl / Greenpeace

Ölbohrungen in Europas Meeren etwas sicherer

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Das EU-Parlament stärkt den Schutz der Meere mit einer neuen Richtlinie zur Sicherheit von Öl- und Gasbohrungen. Die Richtlinie, die in der heutigen Plenarsitzung in Brüssel verabschiedet wurde, sieht vor, dass Öl- und Gaskonzerne zukünftig nachweisen müssen, dass sie die Folgen eines möglichen Unfalles beherrschen können. Die Unternehmen sollen künftig sowohl einen Notfalleinsatzplan als auch einen Nachweis ihrer Fähigkeit zur Haftung und Entschädigung im Ernstfall vorlegen müssen.

Die Unternehmen sollen künftig sowohl einen Notfalleinsatzplan als auch einen Nachweis ihrer Fähigkeit zur Haftung und Entschädigung im Ernstfall vorlegen müssen.

Entsprechend der Richtlinie sollen "Die Betreiber [...] sicherstellen, dass sie auf ausreichende materielle, personelle und finanzielle Ressourcen zugreifen können, um die Auswirkungen schwerer Unfälle zu minimieren und zu beheben." (Art. 48) Das bedeutet im Klartext: Die Betreiber von Offshore-Gas- oder Ölförderanlagen müssen Risiken und mögliche Folgen analysieren.

Sie sollen zukünftig genau dokumentieren, welche potentiellen Gefahren drohen, welche Auswirkungen ein Unfall haben könnte und dass sie in der Lage wären, die Folgen eines Unfalls auch unter extremen Bedingungen - etwa ausgetretenes Öl bei rauer oder zugefrorener See - zu beseitigen. Die Unternehmen müssen über Mittel verfügen um für die Folgen eventueller Unfälle zu haften und Entschädigungen zu zahlen.

Kann ein Betreiber diese Nachweise nicht erbringen, soll keine Lizenz erteilt werden.Die Ölkonzerne sollen in Zukunft einen internen Notfalleinsatzplan vorlegen, während die EU-Mitgliedsstaaten externe Notfalleinsatzpläne für Öl- und Gasplattformen auf ihrem Territorium erstellen müssen. Die EU-Staaten müssen die Richtlinie innerhalb von zwei Jahren umsetzten; für bestehende Anlagen jedoch haben die Betreiber fünf Jahre Zeit.

Richtlinie geht nicht weit genug

Greenpeace begrüßt grundsätzlich die Stärkung eines effektiven Meereschutzes durch die Richtlinie des EU-Parlaments. Die angestrebte Verpflichtung der Ölkonzerne zur Vorlage eines genauen Risiken- und Maßnahmenkatalogs ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Richtlinie geht jedoch nicht weit genug und lässt zu Vieles offen.

"Das Gesetz ist ein erster Schritt auf dem Weg dahin, Ölbohrungen in europäischen Gewässern, wo Säuberungsaktionen extrem schwierig wären, zu verhindern. Die EU-Chefs müssen jetzt auf ein internationales Verbot von Ölbohrungen in der Arktis hinarbeiten, denn dort ist es unmöglich, einen Ölunfall zu beherrschen", sagt Joris den Blanken, Greenpeace-Experte für EU-Klimapolitik. Auf die Gesetzgebung für die arktischen Gewässer jedoch habe die EU keinen Einfluss, so der Unterton der Pressemitteilung des EU-Parlaments.

Greenpeace fordert: Richtlinie möglichst streng umsetzen

Nicht nur ist es beunruhigend, dass bestehende Ölplattformen erst in fünf Jahren nachweisen müssen, dass sie die Risiken beherrschen. Das sind fünf Jahre, in denen sich unbeherrschbare Ölkatastrophen in europäischen Gewässern ereignen könnten. Auch die Unterschiede in der konkreten Umsetzungen der Richtlinie durch die Mitgliedsstaaten sind groß: EU-Staaten, unter deren Rechtshoheit keine Offshore-Bohrungen durchgeführt werden sowie Binnenmitgliedstaaten müssen die meisten Bestimmungen der Richtlinie nicht umsetzen. Außerdem kritisiert Greenpeace, dass, trotz der Bestimmungen zur Haftungsfähigkeit, eine grundsätzliche Entschädigung von Fischern und Tourismusbranche nach Ölunfällen nicht vorgesehen ist.

Greenpeace fordert, dass die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten die Richtlinie in strengstmöglicher Weise umsetzen und damit für echte Sicherheit und Schutz der Meere sorgen.

Petition

https://act.greenpeace.de/tiefsee-schuetzen

Tiefsee vor Zerstörung schützen!

In der Tiefsee soll Unfassbares passieren: Für den Abbau von Metallen und seltenen Erden soll der Meeresgrund durchfräst und so einzigartige Ökosysteme zerstört werden. Fordern Sie Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck auf, das zu verhindern!

Petition unterzeichnen

0% vom Ziel erreicht

0 haben mitgemacht

0%

Mehr zum Thema

"No Deep Sea Mining" – Action in Rotterdam

Tiefseebergbau - Der neue Goldrausch

  • 03.04.2023

Tiefseebergbau ist für den Umstieg auf Elektroautos nicht notwendig - und doch rückt die neue Meeresausbeutung näher.

mehr erfahren
Taucherin mit Unterwasserbanner: "Das Meer ist kein Industriegebiet."

UN einigt sich auf globalen Ozeanvertrag

  • 05.03.2023

Historischer Erfolg: Nach fast 20 Jahren und zähen Verhandlungsrunden hat sich die UN auf ein internationales Meeresschutzabkommen geeinigt.

mehr erfahren
Blauwal an der Meeresoberfläche im Pazifik

Wale durch drohenden Tiefseebergbau in Gefahr

  • 14.02.2023

Geplante Tiefseebergbau-Gebiete überschneiden sich mit dem Verbreitungsgebiet von etwa 30 Walarten - weitere Forschung ist dringend nötig, um die Gefahren für die Meeressäuger abzuschätzen.

mehr erfahren
"No Deep Sea Mining" – Action in Rotterdam

Aufgedeckt: Gefahren des Tiefsee-Bergbaus auf der hohen See

  • 27.01.2023

Verdeckte Video-Aufnahmen der jüngsten kommerziellen Tiefsee-Bergbautests im Pazifik, die Greenpeace zugespielt wurden, zeigen, wie die Bergbauindustrie die Tiefsee zerstört.

mehr erfahren
Aktivist:innen auf der Beluga II im Hafen von Nexø, Bornholm

Greenpeace-Aktivist:innen untersuchen Folgen der Pipeline-Explosionen

  • 22.12.2022

Welche Auswirkungen haben die Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines auf die Umwelt? Greenpeace-Aktive nahmen Proben, wir ordnen die Ergebnisse ein.

mehr erfahren
Lichterumzug Meeresleuchten

Aktion Meeresleuchten!

  • 13.11.2022

Lichtermeer für die Tiefsee: Am 12. November zogen 250 kleine und große Menschen durch die Hamburger HafenCity, um mit selbstgebastelten Laternen für den Schutz der Tiefsee zu demonstrieren.

mehr erfahren