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"Grüne Woche", Berlin 2010: Neben Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner haben Greenpeace-Aktivisten ein Banner entrollt mit der Forderung nach einem Verbot der Gen-Kartoffel Amflora. Zudem haben sie vor Aigner einen Korb mit Gen-Kartoffeln ausgeschüttet.
Paul Langrock/Zenit/Greenpeace

Proteste auf der Grünen Woche gegen Gen-Kartoffel Amflora

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Greenpeace-Aktivisten haben auf der Messe "Grüne Woche" haben gegen den möglichen Anbau der Gentechnik-Kartoffel Amflora protestiert. Direkt neben Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner entrollten sie ihr Banner mit der Forderung nach einem Verbot. Die Aktivisten schütteten zudem einen Korb Gen-Kartoffeln vor Aigner aus.

Die EU-Kommission entscheidet bald über die Zulassung der Amflora für den kommerziellen Anbau. Ilse Aigner hat bereits angekündigt, nichts gegen diese Zulassung zu unternehmen. Die Unterstützung für den Anbau in Deutschland wurde auf Drängen der FDP in den Koalitionsvertrag mit der Union aufgenommen. Ein Großteil der Deutschen ist jedoch gegen den Anbau der gentechnisch veränderten Kartoffel. Dies ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag von Greenpeace. 77 Prozent lehnen demnach den Anbau ab, lediglich 17 Prozent sprachen sich für einen Anbau aus.

Die Kartoffel soll vor allem in der Industrie verwendet werden. Sie produziert hauptsächlich die zur Herstellung von Kleister benötigte Stärke Amylopektin. Doch die Kartoffel gilt als überholt. Forscher der Fraunhofer-Gesellschaft haben ohne Genmanipulation eine Sorte mit ähnlich hohem Stärkegehalt entwickelt, die bereits angebaut wird.

Ministerin Aigner muss den Tatsachen ins Auge sehen: Die Gen-Kartoffel birgt erhebliche Risiken, ist gesellschaftlich unerwünscht, technisch veraltet und damit überflüssig, sagt Martin Hofstetter, Gentechnikexperte von Greenpeace. Kartoffeln mit ähnlichen Eigenschaften sind marktreif. Als Verbraucherministerin sollte Aigner die Interessen der Bevölkerung vertreten und sich nicht vor den Karren der Gentechnik-Branche und der FDP spannen lassen.

Die Amflora wurde von dem Konzern BASF in Ludwigshafen entwickelt. Ihr wurden Gene für eine Antibiotika-Resistenz eingebaut. Es ist möglich, dass sich diese Resistenz auf Bakterien überträgt. Dadurch würde die Wirksamkeit von Antibiotika beim Menschen eingeschränkt.

Die BASF beantragte die Zulassung nicht nur für Anbau und technische Verwertung, sondern auch für die Tierfütterung und Lebensmittel. Demnach rechnet auch der Konzern damit, dass die Gen-Kartoffel in die Nahrungskette gelangen wird.

Laut EU-Gesetz sollen seit Januar 2005 keine Gen-Pflanzen mit Antibiotoka-Resistenz mehr angebaut werden, wenn diese schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit oder die Umwelt haben können. Dies ist für die Amflora der Fall. Die Kartoffel ist resistent gegen die Antibiotika Kanamycin und Neomycin. Beide werden von der WHO als besonders wichtige antibakterielle Substanzen eingestuft. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMEA befindet Kanamycin und Neomycin für wichtig in der Human- und Tiermedizin. Doch die in der EU für die Sicherheitsbewertung von Gen-Pflanzen zuständige Behörde EFSA sieht diese Risiken nicht. Die EFSA befand bisher alle ihr vorgelegten Gen-Pflanzen als sicher.

Eine Verbraucherministerin darf nicht zulassen, dass einzelne Gentechnik-Hardliner des kleineren Koalitionspartners FDP den Kurs bestimmen. Würde die Gen-Kartoffel im CSU-Land Bayern zum Anbau anstehen, hätte Aigner sie wohl längst verboten, erklärt Hofstetter.

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