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Gen-Kartoffel nicht nur rechtlich zweifelhaft

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Die Mehrheit der EU-Landwirtschaftsminister hat heute im Ministerrat gegen die Zulassung der Gen-Kartoffel Amflora gestimmt - allerdings nicht die qualifizierte Mehrheit. Deshalb wird nun die EU-Kommission entscheiden. Ein neues Rechtsgutachten von Greenpeace bezweifelt allerdings, dass eine Zulassung rechtmäßig wäre: Die Kartoffel enthält ein Antibiotika-Resistenzgen, das seit Ende 2004 nicht mehr eingesetzt werden soll. Außerdem: Obwohl die Kartoffel nicht für Lebensmittel zugelassen werden soll, sollen Verunreinigungen bis zu 0,9 Prozent erlaubt werden.

Der deutsche Konzern BASF entwickelte die besonders stärkehaltige Kartoffel, um daraus Stärke für die industrielle Produktion zur Beschichtung von Papier oder Bindfäden herzustellen. Die Amflora enthält das antibiotikaresistene Markergen npt II. Markergene sollen im Labor dafür sorgen, jene Pflanzenzellen zu finden, die das neue Gen aufgenommen haben. Die Nutzung von antibiotikaresistenten Markergenen gilt als veraltet, da sie dazu führen kann, dass Krankheitserreger gegen bestimmte Antibiotika immun werden.

2004 erklärte die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA), keine Gen-Pflanzen mehr zuzulassen, wenn sie Markergene enthalten, die Antibiotika mit einer hohen therapeutischen Relevanz betreffen. Sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMEA) erklärten, dass die von npt II betroffenen Gruppen der Antibiotika Kanamycin and Neomycin wichtig für die Human- und Veterinärmedizin seien. Und dennoch unterstützt die EFSA die Zulassung.

Es ist schwierig zu verstehen, warum ein gentechnisch veränderter Organismus im Jahr 2008 zugelassen werden sollte, wenn er ein antibiotikaresistentes Markergen enthält, dessen Verwendung bereits im Jahr 2004 hätte auslaufen müssen, bringt der britische Rechtsexperte Paul Lasok die rechtliche Ungereimtheit auf den Punkt. Zudem fehlt eine umfassende Risikoabschätzung: Die Auswirkungen auf Artenvielfalt, Umwelt und Gesundheit sind nicht ausreichend untersucht.

0,9 Prozent Gen-Kartoffel im Kochtopf

Eigentlich ist die Kartoffel nur für die industrielle Stärkeproduktion vorgesehen, dennoch beinhaltet der Antrag ebenfalls eine Zulassung als Futtermittel. Zudem soll eine Verunreinigung von Lebensmitteln bis zu 0,9 Prozent legal sein.

Werden Gen-Kartoffeln angebaut, gelangen sie auch in unsere Nahrungskette. Ob bei Ernte, Transport, Lagerung oder Verarbeitung: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es immer wieder zu Vermischungen kommt, sagt Ulrike Brendel, Gentechnikexpertin von Greenpeace. Es ist daher Augenwischerei zu glauben, man könne eine Lebensmittelpflanze nur für die industrielle Nutzung anbauen. Dies ist offensichtlich auch BASF klar. Deshalb möchte sich der Konzern gleich eine Verunreinigung von 0,9 Prozent rechtlich zusichern lassen. Dabei hat die Gen-Knolle dafür keine Risikobewertung durchlaufen.

Wie wenig BASF seine Gen-Kartoffel im Griff hat, ist im Herbst 2007 deutlich geworden. Auf den Versuchsfeldern sowie auf öffentlichen Wegen lagen weit nach der Ernte genmanipulierte Kartoffeln herum - für alle zugänglich und ohne ersichtlichen Warnhinweis.

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