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Greenpeace-Aktivisten vor dem Lagerhaus der Gen-Kartoffel Amflora in Bütow/Mecklenburg-Vorpommern.
Bente Stachowske/Greenpeace

Gen-Kartoffel Amflora: Nein Danke!

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Deutschland will die Gen-Kartoffel Amflora nicht. Bauern wollen sie nicht anbauen, auch Verbraucher wollen sie nicht auf dem Acker haben und Mediziner halten sie für gesundheitsgefährdend. Eigentlich sollte sich die Regierung das zu Herzen nehmen und den Wunsch ihrer Bürger respektieren. Aber das schwarz-gelbe Herz schlägt offensichtlich für die Gentechnik. Stellvertretend für die Interessen der Verbraucher machten sich Greenpeace-Aktivisten auf den Weg zum größten Gen-Kartoffellager.

Im Nebel des frühen Montagmorgen sind 25 Greenpeacer am Schuppen von Bauer Niehoff im mecklenburgischen Bütow zusammengekommen, in dem die heißen Kartoffel lagern. Dass das dem Landwirt nicht gefällt, war zu erwarten. Schließlich hat er einen Auftrag von ganz oben. Um nicht gleich vom Hof gejagt zu werden, haben sich die Greenpeace-Aktivisten vor den Toren der Lagerhalle angekettet und ihre Arme und Beine an Ort und Stelle festzementiert.

Der genmanipulierte Erdapfel soll in diesen Wochen seinen ersten Frühling erleben. Nach seiner zweifelhaften Zulassung durch die EU Anfang März soll er nun auf einem Acker in Mecklenburg-Vorpommern eingepflanzt werden. Doch als Bauer Niehoff die Knolle gestern aus ihrem dunklen Versteck holen wollte, stand er vor verschlossenen Türen. EU-Genkartoffel-Depot geschlossen stand in großen Buchstaben auf dem Eingang der Lagerhalle. Statt des gewohnten grauen Scheunentors, fand der Landwirt die entschlossene Gruppe in den gelben Overalls vor. Die Greenpeacer waren einfach früher aufgestanden als Bauer Niehoff.

Der Bauer und seine Angestellten holten alles herbei, was der Hof an Schneidewerkzeug zu bieten hatte. Mit Motorsäge und Flex bewaffnet schritt er mit seinem Gefolge zur Tat. Schnell waren die Ketten durchtrennt und der Zement aufgehämmert. Später kam Polizei vorbei und sorgte dafür, dass sich die Umweltschützer der Knolle nicht länger in den Weg stellen konnten - Ordnung muss sein. Doch immerhin war dafür gesorgt, dass die manipulierte Knolle erst einmal in ihrem Versteck blieb und an diesem Tag noch nicht ihr Unwesen auf dem Acker treiben konnte.

Die Mehrheit der Deutschen Bürger will mit der Knolle nichts zu tun haben. Und obwohl nicht einmal die eigenen Wähler für die Amflora sind, hat sich Schwarz-Gelb im Koalitionsvertrag für Amflora ausgesprochen. Dagegen wollen nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Emnid 70 Prozent der FDP-Wähler ein Verbot der Gen-Kartoffel. Bereits im Januar hatte Emnid für Greenpeace recherchiert, dass auch die Anhänger der CDU/CSU Amflora mehrheitlich (73 Prozent) ablehnen und ein Anbauverbot fordern. Die Regierung scheint davon nichts hören zu wollen oder auf diesem Ohr taub zu sein.

Sie betont lieber, dass Amflora besonders viel Stärke produziert, die als Rohstoff für Papier und Baumaterial eingesetzt werden soll. Man muss kein Genie sein, um zu erkennen, dass Amflora völlig überflüssig ist und ihr Anbau unnötige Gefahren mit sich bringt. Die Zulassung war unrechtmäßig, weil die ökologischen Risiken nicht abgeklärt wurden. Damit kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie gesundheitsgefährdend ist und somit verstößt sie gegen geltende EU-Richtlinien.

Trotzdem hat die EU-Kommission bekanntlich Amflora Anfang März für den Anbau und die Verwertung sowie für die Tierfütterung und - bis zu einem Verschmutzungsgrad von 0,9 Prozent - für den Lebensmittelbereich zugelassen. Vorerst soll Amflora in Deutschland nur auf 20 Hektar angebaut werden. Aber das ist wohl erst der Anfang. In Tschechien wird sie nämlich dieses Jahr bereits im großen Stil angebaut, um die Stärkeindustrie zu versorgen. Österreich hat sich dagegen von Amflora nicht blenden lassen und sich klar für ein Verbot der Kartoffel entschieden. Eine solche Stärke bleibt hierzulande erstrebenswert.

Update 2. Januar 2011

Wird sie angebaut, wird sie nicht angebaut? Nach einigem Hin und Her steht fest: Ja, der deutsche Chemieriese BASF hat einen Acker für seine Gen-Kartoffel Amflora gefunden. Allerdings nur zwei Hektar in Ausleben, Sachsen-Anhalt. Sie gehören dem gentechnikfreundlichen Lobbyverein Innoplanta. Der Verein betreibt in Ausleben auch einen Schaugarten zum Thema Agro-Gentechnik.

"Offensichtlich konnte die BASF in diesem Jahr in Deutschland keine Landwirte für den Anbau ihrer riskanten Gen-Knolle gewinnen. Kein Wunder - die Amflora ist veraltet und keiner braucht sie. Sie gefährdet durch ein Antibiotikaresistenzgen Mensch und Umwelt. Außerdem gibt es heute bereits alternative Stärkekartoffeln, die ohne Genmanipulation funktionieren", sagt Stephanie Töwe, Gentechnikexpertin von Greenpeace. Die Amflora war von Anfang an ein Flop für die BASF.

2010 hatte die umstrittene Gen-Kartoffel in der EU überraschend eine Zulassung für den kommerziellen Anbau erhalten. Eine rechtswidrige Entscheidung, gegen die mehrere Mitgliedsstaaten Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof eingereicht haben. In Deutschland wurde die Kartoffel 2010 auf 15 Hektar in Bütow/Mecklenburg-Vorpommern angepflanzt. Zahlreiche Proteste begleiteten den Anbau. Erfolgreich: Vor einigen Wochen kündigte der Bütower Landwirt an, die Amflora dieses Jahr nicht mehr anbauen zu wollen.

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