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Besonders skandalös an dem Fund: Die rund zwei Tonnen an alten und extrem giftigen Pestiziden verrotten ungesichert in einem verfallenen Schuppen. Das Gebäude mit abgetragenem Dach, zerschlagenen Fenstern und eingefallener Decke, durch die der Regen eindringt, liegt direkt an einer Landstraße - frei zugänglich zum Beispiel für spielende Kinder.

Wenn der Wind aus einer bestimmten Richtung bläst, kann man die Chemikalien sogar auf der Straße riechen, sagt Andreas Bernstorff, Chemie-Experte bei Greenpeace, vor Ort.

Am Mittwochmorgen wurden deshalb rund 30 Greenpeacer aus der Slowakei, Tschechien, Ungarn, Österreich und Deutschland aktiv. Sie reparieren das Gebäude, füllen die zerrissenen Säcke, geplatzten Pappfässer und das frei herum liegende Material in 40 UN-genormte 200-Liter-Fässer um.

Es wird eine neue Tür eingesetzt. Den Schlüssel erhält die Bürgermeisterin des Ortes Bielovce, rund 120 Kilometer von der Hauptstadt Bratislava entfernt. Das Gelände, das einem ehemaligen Landwirtschaftskollektiv gehörte, wird mit Warnhinweisen versehen und weiträumig abgesperrt.

Angesichts der Herkunft aus Deutschland kann man die Slowakei nicht allein auf dem Problem sitzen lassen, sagt Andreas Bernstorff. Wir brauchen eine europäische Lösung für neue Mitgliedstaaten. Dafür sollte das deutsche Umweltministerium sich besonders einsetzen.

Alpestizide bereits ins Erdreich eingedrungen

Nach Erkenntnissen von Greenpeace wurden die Gifte in dem slowakischen Lager vor über 20 Jahren als Insektenbekämpfungsmittel importiert und nicht genutzt. Greenpeace-Untersuchungen wiesen die Altpestizide bereits im zehn Meter entfernten Erdreich nach. Eine weiträumige Boden- und Grundwasservergiftung kann also nicht ausgeschlossen werden.

Wir fordern eine Sicherstellung der Bestände vor Jahresende für die spätere Vernichtung und einen Sanierungsplan für das Gelände, sagt Martin Hojsik von Greenpeace Slowakei, unsere Regierung hat die globale Stockholm Konvention ratifiziert und muss nun auch für die Sicherung und Vernichtung sorgen. Toxaphen ist durch die globale Stockholm Konvention über Dauergifte verboten. Restbestände müssen laut Abkommen vernichtet werden.

Wahrscheinlich Hunderte solcher Zeitbomben

Greenpeace fordert ein nationales Programm zur Altlastensanierung, um die Altpestizide umweltverträglich zu entsorgen. Hunderte solcher vergessenen Lager könnten überall in der Slowakei existieren. 300 bis 400 Tonnen solcher Uraltgifte dürften nach Schätzungen der slowakischen Behörden landesweit als chemische Zeitbomben ticken. Von ihnen geht eine große Gefahr für die Bevölkerung aus. Sie können das Grund- und Trinkwasser vergiften und die Landwirtschaft und Regionalentwicklung behindern.

Die Europäische Union muss auch für andere neue Mitgliedsländer Mittel bereitstellen, denn allein in Polen befinden sich mindestens 15.000 Tonnen Altpestizide, die zum großen Teil aus dem Westen importiert wurden. Weltweit lagern geschätzte 500.000 Tonnen Altpestizide, für deren Entsorgung Greenpeace nationale, internationale und spezielle EU-Programme fordert.  (mir)

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