Jetzt spenden
Hot Air Balloon at COP17 to UN Convention on Biological Diversity in Armenia
© Greenpeace / Karlen Ghazaryan

Die Weltnaturkonferenz – Convention on Biological Diversity (CBD)

Erfolg auf der Weltnaturkonferenz! CBD-Gipfel endet mit positivem Signal, jetzt ist die Bundesregierung am Zug.

Position Spendenbar am unteren Rand
Aus

Auf der UN-Weltnaturkonferenz (CBD COP17) in Jerewan haben sich die Mitgliedstaaten auf Maßnahmen zur beschleunigten Umsetzung des Weltnaturabkommens geeinigt. So sollen beispielsweise schädliche Subventionen umgewidmet und mehr Geld für den Naturschutz mobilisiert werden. Klima und Naturschutz sollen besser verzahnt werden. Die Beschlüsse aus Jerewan stärken die Rahmenbedingungen für den Schutz der Wälder und der Meere. Die Anerkennung und Selbstbestimmung Indigener Gemeinschaften blieb im Abschlusstext jedoch unzureichend verankert.

„Zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen muss die Bundesregierung ihren gesetzlichen Pflichten im Sinne der gesamten Bevölkerung konsequent nachkommen. Dazu zählen ein wirksamer Schutz von 30 Prozent der Meere, Küsten, Gewässer- und Landflächen, der Abbau von umweltschädlichen Subventionen und mehr Geld für den internationalen Naturschutz – besonders auf direktem Wege für Indigene Gemeinschaften zum Beispiel im global wichtigen Amazonasgebiet“, sagt Greenpeace-Politikexperte Jannes Stoppel.

Worum ging es bei der COP17?

Täglich sterben rund 150 Tier- und Pflanzenarten, Millionen sind bedroht. Um dieses Massenaussterben in den Griff zu bekommen, treffen sich die UN-Vertragsstaaten alle zwei Jahre zur Weltnaturkonferenz: Vom 19. bis 30. Oktober 2026 kam die Weltgemeinschaft im armenischen Jerevan zur 17. UN-Weltnaturkonferenz (CBD COP17) zusammen. 

Nach den großen Versprechen des Weltnaturabkommens von 2022 (Kunming-Montreal) stand diesmal eine knallharte Bestandsaufnahme an: Wo stehen wir wirklich beim Schutz unserer Natur? Die Antwort des offiziellen UN-Fortschrittsberichts fiel nüchtern aus: Die Welt ist massiv im Verzug. 

Das Weltnaturabkommen ist für die Natur das, was das Pariser Abkommen für das Klima ist. Im Jahr 2022 haben sich fast 200 Staaten auf 23 konkrete Ziele bis zum Jahr 2030 geeinigt, um die Natur zu retten und das Artensterben zu reduzieren. Dazu gehören unter anderem:

  • Das „30x30“-Ziel: Mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen weltweit sollen bis 2030 effektiv geschützt werden. Die EU hat zudem beschlossen, ein Drittel davon „streng“ sprich vor industrieller Ausbeutung zu schützen. 
  • Finanzierung sichern: Wohlhabende Länder müssen den globalen Süden finanziell unterstützen, um verbliebene Urwälder und Ökosysteme zu erhalten.
  • Schädliche Subventionen abbauen: Gelder, die indirekt die Natur zerstören (z. B. in der Landwirtschaft oder Energieversorgung) sollen gestoppt werden.
  • Rechte Indigener und lokaler Gemeinschaften schützen: Landrechte indigener Gemeinschaften müssen völkerrechtlich anerkannt und geschützt werden. Schutzgebiete dürfen nicht ohne ihre freie, vorherige und informierte Zustimmung entstehen.

Auf der COP17 wird zum ersten Mal offiziell überprüft, was die Staaten bisher tatsächlich umgesetzt haben.

Konzernverantwortung: Beispiel Ikea

Naturschutz – auch eine Verantwortung von Konzernen

Text

Das Weltnaturabkommen nimmt auch Großkonzerne explizit in die Pflicht: Staaten müssen sicherstellen, dass Unternehmen die Auswirkungen auf die Artenvielfalt entlang ihrer gesamten Lieferkette erfassen, bewerten und offenlegen, um letztendlich negative Auswirkungen zu reduzieren. Zudem muss der Schutz der Artenvielfalt fest in unternehmerischen Entscheidungen verankert werden.

Alle zwei Sekunden wird ein Baum für Ikea gefällt. Greenpeace-Recherchen zeigen, dass für Ikea-Produkte sogar Wälder in Schutzgebieten kahlgeschlagen wurden. Als größter Möbelhändler der Welt hat Ikea die Pflicht, seine Lieferketten aufzuräumen. Ikea betont zwar gern, man nutze die eigene „Größe und Reichweite“, um die Entwaldung zu stoppen und die Artenvielfalt zu fördern. Doch eine Greenpeace-Analyse der offiziellen Berichte des Konzerns zeigt: Bei konkreten Schutzzielen für Biodiversität und Ökosysteme lautet das nüchterne Fazit: „Keine Ziele festgelegt“.

Wo Deutschland hinterherhinkt: Große Ziele, schwache Umsetzung

Deutschland und die EU treten international gerne als Vorreiter im Umweltschutz auf. Doch ein Blick auf die heimische Politik zeigt: Zwischen Versprechen und Realität klafft noch eine riesige Lücke.

Portraits of Jannes Stoppel, Campaigner Biodiversity and Climate Policy

Jannes Stoppel

Greenpeace-Politikexperte

„Deutschland verfehlt seine Finanzierungszusagen, das Naturschutzrecht wurde geschwächt, eine Stärkung des Flächenschutzes steht aus und zu viel Steuergeld wird weiter für die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen ausgegeben.“
Portraits of Jannes Stoppel, Campaigner Biodiversity and Climate Policy
Zitat
„Deutschland verfehlt seine Finanzierungszusagen, das Naturschutzrecht wurde geschwächt, eine Stärkung des Flächenschutzes steht aus und zu viel Steuergeld wird weiter für die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen ausgegeben."
Zitatinhaber, Vorname Nachname
Jannes Stoppel
Position des Zitatinhabers
Greenpeace-Politikexperte
Kreisförmiges Bild
An

Die größten Schwachstellen der deutschen Naturschutzpolitik:

  • Mogelpackung beim Flächenschutz („Paper Parks“):

    Deutschland gibt an, das Ziel von 30 Prozent Schutzgebietsfläche an Land fast zu erreichen. Der Trick dabei: Der Großteil davon sind sogenannte Landschaftsschutzgebiete und Natura-2000-Schutzgebiete. Dort gelten sehr schwache Regeln – intensive Landwirtschaft, Straßenbau, Fischerei oder Holzeinschlag gehen oft ungestört weiter. 

  • Zu wenig echter Urwald von morgen (Strenges Schutzziel verfehlt):

    Die EU fordert, dass 10 Prozent der Naturflächen streng geschützt werden, damit sich die Natur ohne menschliche Eingriffe erholen darf und beispielsweise wieder nahezu unberührte Wälder entstehen können. In Deutschland stehen jedoch gerade einmal 0,6 Prozent der Landfläche als Nationalpark unter Schutz. Der Anteil der Wälder, in denen gar kein Holz mehr geschlagen wird, liegt bei mickrigen 2,8 Prozent – mindestens 15 Prozent sollten es sein.

  • Anhaltender Flächenfraß:

    Obwohl die Bundesregierung den Bau auf Wäldern, Wiesen und Mooren bis 2030 deutlich drosseln wollte, werden in Deutschland noch immer täglich rund 50 Hektar Natur für Straßen, Gewerbe- und Wohngebiete versiegelt.

  • Naturschädliche Subventionen fließen weiter:

    Eigentlich sollten umweltschädliche Förderungen bis 2025 erfasst und abgebaut werden. In Deutschland fließen jedoch weiterhin Milliarden in Praktiken, die der Natur schaden – etwa durch die staatliche Förderung von Holzverbrennung oder flächengebundene Agrarsubventionen, die große, intensive Landwirtschaft belohnen.

  • Zerstörte Natur noch nicht wieder hergestellt: 

    Mindestens 30 Prozent der trockengelegten Moore, künstlich angelegte Nadelwälder und begradigte Flüsse müssen in ihren natürlichen Zustand zurückversetzt werden. Dafür muss Deutschland das EU-Gesetz zur Wiederherstellung der Natur in nationales Recht umsetzen und relevante Fachgesetze wie zum Beispiel das Bundeswaldgesetz anpassen. Bisher ist das nicht passiert. 

  • Keine gesicherte Finanzierung:

    Insbesondere die reichen Staaten des Globalen Nordens haben ihre eigene Natur stark geschädigt. Sie müssen daher die Länder des Globalen Südens beim Erhalt verbliebener Ökosysteme wie den Regenwäldern finanziell unterstützen. Die Bundesregierung muss die Zusage von mindestens 1,5 Milliarden Euro jährlich für die internationale Biodiversitätsfinanzierung im Bundeshaushalt sichern und ausbauen. Kürzungen beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) und der Internationalen Klimaschutzinitiative müssen zurückgenommen werden.

Forderungen an die COP17 

Umweltorganisationen forderten klare Beschlüsse in Jerewan:

  • Verbindliche Fristen: Staaten, die noch keine ausreichenden Naturschutzpläne vorgelegt haben, müssen bis spätestens 2028 nachliefern.
  • Gerechte Finanzierung: Der Globale Norden muss seine Finanzzusagen einhalten. Zudem müssen Konzerne, die genetische Daten von Pflanzen (z. B. für Medikamente) nutzen, verpflichtend in den internationalen Naturschutzfonds („Cali Fund“) einzahlen. Bisher ist das freiwillig. 
  • Echter Schutz statt Mogelpackungen: Schutzgebiete müssen ihren Namen verdienen und wertvolle Ökosysteme wirksam vor Ausbeutung bewahren.

Was ist die UN-Konvention zur Rettung der Artenvielfalt?

Die Weltgemeinschaft hat bereits 1992 auf der UN-Konferenz zu Umwelt und Entwicklung in Rio die ‘UN-Konvention zur biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, UNCBD)’ ins Leben gerufen. Sie ist neben der Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) und der sehr bekannten Klimakonvention (UNFCCC) eine von den drei Rio-Konventionen zur Bekämpfung der wichtigsten globalen ökologischen Krisen. Alle Mitgliedsstaaten der Konvention zur biologischen Vielfalt haben sich damals verpflichtet: 

  • die biologische Vielfalt in ihren eigenen Ländern zu schützen,
  • geeignete Maßnahmen zum Schutz und zur Nutzung der Biodiversität in Ländern des Globalen Südens  zu unterstützen, 
  • sowie den Zugang zu genetischen Ressourcen und deren Nutzung gerecht zu regeln.

Es gibt insgesamt 196 Vertragsstaaten, die das Übereinkommen über die biologische Vielfalt unterzeichnet und ratifiziert haben. Sie treffen sich normalerweise alle zwei Jahre zur Weltnaturkonferenz. Diese Treffen heißen „COP“, das steht für „Conference of the Parties“ und ist das höchste beschlussfassende Gremium der Rio-Konventionen. Hier tauschen sich die Vertragsstaaten aus und beschließen neue Ziele und Maßnahmen, um die Artenkrise zu stoppen.

Biene auf einer weißen Blüte
© Axel Kirchhof / Greenpeace

Ihre Spende für Artenvielfalt

Artenschutz bedeutet Schutz der gesamten biologischen Vielfalt. Sie ist Grundlage des Lebens auf unserer Erde. Greenpeace kämpft dafür, dass größere Teile unserer Meere und Wälder unter Schutz gestellt werden. Bitte unterstützen Sie uns dabei mit Ihrer Spende!

Ich unterstütze Greenpeace e.V.
mit einem Betrag von

Warum brauchen wir Artenvielfalt überhaupt? 

Mit jeder Art, die ausstirbt, schädigen wir auch uns selbst. Wir brauchen sie alle, nicht nur die besonders niedlichen. Wir brauchen Pflanzen als Lebensgrundlage und Nahrung und Insekten, um Pflanzen zu bestäuben. Stirbt eine Art aus, kann das dramatische und unvorhersehbare Konsequenzen auf das gesamte Nahrungsnetz haben. Die Vielfalt von Lebensräumen und Arten ist auch wichtig für die menschliche Entwicklung: So sind Tiere und Pflanzen seit jeher eine Inspiration für Technik und Kunst und eine Fundgrube für die Entwicklung von Medikamenten. 

Eine intakte Natur ist unsere Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise: Gesunde Wälder und Meere nehmen CO2 aus der Atmosphäre auf und produzieren Sauerstoff. Sie können sich an veränderte Bedingungen besser anpassen und sind widerstandsfähiger. Diese Ökosysteme können diese Aufgaben nur erfüllen, wenn sie gesund sind: Kahlgeschlagene Wälder, trockengelegte Moore und sich durch die Klimakrise erwärmende und übersäuerte Meere können weniger oder gar kein klimaschädliches CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und speichern. 

Zum weiterlesen

Tristan Rock Lobster auf einem der Gipfel des Mount Vema
© Richard Barnden / Greenpeace

Wo Meere Schutz brauchen

Hintergrund

Bis 2030 sollen 30 Prozent der Meere wirksam geschützt sein. Ein neuer Greenpeace-Report zeigt, wo im Atlantik Schutzgebiete fehlen – und wie elf neue Gebiete helfen könnten, das 30x30-Ziel zu erreichen.

mehr erfahren über Wo Meere Schutz brauchen

Blick zurück

Schweinswal taucht aus dem Meer auf

Schweinswalschutz ist Klimaschutz

Im Gespräch

Wie geht Klimaschutz ohne Artenschutz? Gar nicht, sagen Greenpeace-Expertinnen Franziska Saalmann und Sandra Hieke anlässlich der Klimakonferenz COP27, auf der es auch um Artenschutz geht.

mehr erfahren über Schweinswalschutz ist Klimaschutz
Tiere demonstrieren
Daniel Müller / Greenpeace

COP 15: (k)ein Pakt für die Artenvielfalt

Nachricht

Rund eine Million Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Auf der Weltnaturkonferenz haben die Vertragsstaaten ein Abkommen beschlossen, welches die Biodiversitätskrise eindämmen soll.

mehr erfahren über COP 15: (k)ein Pakt für die Artenvielfalt