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Greenpeace-Aktive helfen im Mai 2006 einem Farmer in der Provinz Rayong (200 Kilometer östlich von Bangkog/Thailand) gentechnisch verunreinigte Papaya sicherzustellen.
© Vinai Dithajohn

Gentechnik: Riskante Manipulation der Natur

Neue gentechnische Verfahren in der Pflanzenzucht versprechen ein lukratives Geschäft für die Gentechnik-Industrie. Doch der Einsatz der Agro-Gentechnik birgt unkalkulierbare Risiken.

Kartoffeln, die nicht faulen, Tomaten, die nicht verschrumpeln, Soja und Zuckerrüben, die Unkrautvernichtungsmiteln trotzen, Mais, der Schädlinge tötet – all das soll möglich sein, mit gentechnischen Verfahren. Agrarkonzerne versprechen seit langem: Der Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen soll Erträge steigern, den Hunger bekämpfen und Pestizide nahezu überflüssig machen. Das klingt verführerisch, ist aber ein Märchen. 

Stattdessen gefährden Gen-Pflanzen die Biodiversität und die menschliche Gesundheit. Der großflächige Anbau von Gen-Pflanzen in Nord- und Südamerika zeigt das deutlich: höherer Pestizideinsatz, Entstehung von resistenten Schädlingen und Superunkräutern, Schädigung von Nützlingen, Verdrängung traditioneller Pflanzenarten und damit die Gefährdung der Artenvielfalt. Denn in dem Moment, in dem Gen-Pflanzen angebaut werden, können sie sich über Verwilderung, Pollenflug und Insekten unkontrolliert verbreiten. Sie werden selber zu Unkräutern und verunreinigen über Auskreuzung Pflanzen auf Nachbarfeldern – so können sie auch quasi aus Versehen auf unseren Tellern landen. Und: Keiner weiß genau, was in der Pflanze genau passiert, nachdem ihre Gene verändert wurden. Es könnten zum Beispiel neue Giftstoffe gebildet werden oder Eiweiße, die beim Verzehr der Pflanze Allergien auslösen. In Zulassung und Risikobewertung können akute Effekte zwar weitgehend ausgeschlossen werden, insbesondere Langzeitfolgen sind aber kaum erforscht, ebenso von mit “neuer Gentechnik” veränderten Pflanzen ausgehende Risiken.

Für die großen Saatguthersteller geht es dabei vor allem um eins: ein Milliardengeschäft. Denn Pflanzen, die gentechnisch im Labor verändert wurden, lassen sich patentieren. Mit Patenten auf das entwickelte Saatgut versucht sich die Industrie, das Monopol über die landwirtschaftliche Produktion und Ernährung zu verschaffen. So können sie diktieren, wer was zu welchen Bedingungen und Preisen anbauen und verkaufen darf. Bauern müssen das Saatgut für jede Ernte neu einkaufen oder hohe Lizenzgebühren an die Industrie zahlen. Das treibt kleine und mittelständige landwirtschaftliche Betriebe in den Ruin, alternative Formen der Öko-Landwirtschaft können sich kaum behaupten.

Die meisten Menschen lehnen Gentechnik auf dem Acker und im Essen ab

Greenpeace macht schon seit Jahren auf die potenziellen Gefahren einer Landwirtschaft mit Gentechnik aufmerksam. Immer wieder kommen neue gentechnische Verfahren in der Pflanzenzucht dazu, die die Diskussion um das umstrittene Thema erneut entfachen. Verfahren wie Crispr/Cas9, eine „Genschere“, die bestimmte Genabschnitte im Erbgut einer Pflanze einfach zerschneidet. Dadurch soll zum Beispiel Weizen resistent gegen bestimmte Pilzkrankheiten gemacht werden, indem ein Gen in der Pflanze abgeschaltet wird. 

In Europa ist der Ruf der Gentechnik schlecht und die Vorbehalte gegenüber Verfahren wie Crispr groß. In einer Greenpeace-Umfrage fordern die meisten Verbraucher:innen die Sicherheitsprüfung und Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel und lehnen den Anbau von Gen-Pflanzen mehrheitlich ab. Deshalb nimmt der Handel entsprechende Produkte gar nicht erst in den Verkauf, sie müssen nach europäischem Recht nämlich als solche gekennzeichnet sein. Und auch die Mehrheit der Landwirt:innen in Deutschland will keine Gen-Pflanzen auf dem Acker. Sie wissen: Der Anbau lohnt sich weder agronomisch noch ökonomisch. 

Die Auswirkungen neuer Gentechnik-Methoden für Mensch und Natur sind schwer abzuschätzen

In den vergangenen Jahren hat die Gentechnik neue Methoden entwickelt. Neue Verfahren wie Crispr sollen gezielter ins Erbgut eingreifen, als alte Methoden dies konnten. Das könnte die Arbeit der Gentechniker:innen an neuen Sorten beschleunigen. Die von “neuer Gentechnik” ausgehenden Gefahren etwa für die Artenvielfalt oder die gentechnikfreie Landwirtschaft sind mit denen “alter” Pflanzen vergleichbar. Andere Auswirkungen sind hingegen noch kaum abschätzbar. „Crispr und Co. sind so neu, dass sich mögliche Risiken und Folgen überhaupt nicht abschätzen lassen“, sagt Dirk Zimmermann, Gentechnik-Experte von Greenpeace Deutschland. Klar ist jedoch: Gelangen gentechnisch veränderte Pflanzen in die Umwelt, sind sie nicht mehr aus ihr zu entfernen. Wenn sie robuster sind, verdrängen sie andere Nutzpflanzen. Tauchen sie auf fremden Feldern auf, können sie zudem ihre Erbanlagen auf andere Pflanzen übertragen. Ein ökologisch wirtschaftender Landwirt könnte in dem Fall nicht mehr garantieren, dass seine Produkte 100 Prozent frei von Gentechnik sind. Das mögliche Ergebnis: ein Totalausfall seiner Ernte. 

Schließlich sind auch die Verbraucher:innen betroffen. Sie müssen weiter die Wahl haben, ob sie Essen mit oder ohne Gentechnik auf dem Teller haben möchten. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace fordern deshalb, dass neue gentechnische Verfahren auch künftig streng reguliert werden. Nur so ist sichergestellt, dass Risikoprüfung und Zulassung ebenso erfolgen wie eine Kennzeichnung oder konsequente Kontrolle von Saatgut auf mögliche Kontaminationen. „Im Sinne des vorsorgenden Umwelt- und Verbraucherschutzes sind Regulierung und Kontrolle unerlässlich“, sagt Dirk Zimmermann. 

Forderungen von Greenpeace:    

  • Kein Anbau von Gen-Pflanzen
  • Klare Kennzeichnung von Gen-Pflanzen in Lebens- und Futtermitteln sowie Produkten von entsprechend gefütterten Tieren
  • Regulierung neuer Gentechnik-Verfahren
  • Förderung einer an agrarökologischen Prinzipien ausgerichteten naturnaher Landwirtschaft ohne Gentechnik